Dass Friede werde in unseren Herzen

Weihnachten ist ein Fest für unsere Augen. Wir sehen Gott in vielen Bildern – aber an Weihnachten sehen wir, was wir uns kaum zu erhoffen wagen. Was kein Mensch je gesehen hat, wird sichtbar, anfassbar, begreifbar: Gott wird Mensch.

Dabei sind die Blickwinkel der Evangelisten ganz unterschiedlich. Lukas malt andere Bildfolgen als Matthäus. Wer immer sich seitdem ein Bild von der Menschwerdung Gottes gemacht hat, legt Wert darauf, dies ganz nahe in die eigene Umwelt und Zeit hinein zu holen – aus der Geschichte in die Gegenwart. Jedes Krippenspiel versucht das und jede Weihnachtspredigt. Unser Jahr 2015 war reich an Bildern, mehr als einer allein fassen kann. Bilder von Menschen auf der Flucht, an den Grenzen, in Zeltdörfern… und die Bilder der Attentate vom 13. November in Paris.

Welche Bilder schenken da Hoffnung? Weiterlesen →

Credo in eigener Sache

Meine Eltern waren Christen, deren Christsein darin bestand, nicht aus der Kirche auszutreten.
Ein entschiedenes Christsein war das: mein Vater war von Natur aus sparsam, das Geld war auch schon mal knapp, an Gott glaubten weder mein Vater noch meine Mutter, in den Gottesdienst gingen sie nicht einmal zu Weihnachten.
Dennoch sind sie dabei geblieben.
Der Steuerberater hatte etwas anderes geraten; Freunde hatten längst etwas anderes getan.
Aber sie sind in der Kirche geblieben bis zu ihrem Tod. Weiterlesen →

Das Krippenkind

War Jesus eigentlich „souverän“? Der Mann, der am Kreuz endet, weil er den Mund nicht halten konnte? Der nicht besonnen genug war, sich aus der Schusslinie zu ziehen, als schon klar war, wie es enden würde mit einem, den man „Fresser und Weinsäufer“ und einen Verschwender schimpfte? Der seine Wut nicht zügeln konnte und die Tische der Geldwechsler zertrümmerte – viel gebracht hat es ihm dann nicht: der Wiederaufbau des Establishments ging reibungslos vonstatten, kaum dass er ihnen den Rücken gekehrt hat. Weiterlesen →

Sieh, dein König kommt zu dir

Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütigt und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. (Sacharja 9,9)

Vor kurzem traf ich in Steele zufällig die Mutter eines ehemaligen Konfirmanden wieder. Wir kamen ins Gespräch, und sie erzählte mir:

„Ich war schon lange nicht mehr in der Kirche, viele Jahre nicht. Als ich letzten Donnerstag an der Friedenskirche vorbeikam, ich weiß nicht warum, schaute ich, ob die Tür offen war. Sie war offen und ich ging hinein. Es war ruhig in der Kirche. An den Wänden hingen Bilder einer Kunstausstellung. Außer mir sah ich nur noch zwei Leute. Ich setzte mich in eine Bank. Die Ruhe tat mir gut. Ganz unterschiedliche Gedanken gingen mir durch den Kopf. Weiterlesen →

Die Sternstunde der Menschenheit

Können Sie sich an Sternstunden in Ihrem Leben erinnern? Vielleicht müssen Sie eine Weile überlegen. Möglicherweise liegen sie auch schon lange zurück, in Kindertagen oder aber waren sie erst vor kurzem? Ich bin überzeugt, wir kennen sie alle, diese Sternstunden, diese ganz besonderen Momente im Leben, die keiner planen und organisieren kann, die sich einfach ereignen, ganz unerwartet, die uns überraschend geschenkt werden. Auch wenn der Moment längst vorbei ist, klingen sie lange, lange nach.

Wie bedeutungsvoll dieser besondere Moment ist, wird uns oft erst im Nachhinein bewusst. Dabei sind es meist keine besonderen Erlebnisse, es sind Momente, in denen Gefühle zählen, in denen der Zauber des Lebens erlebbar wird, in denen sich der Himmel über uns öffnet und die Sterne in unser Leben funkeln. Weiterlesen →

Warum war das nötig?

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. (Jesaja 49,13)

Warum war das nötig? Warum musste Gott sein Volk, die Israeliten, trösten? Was war passiert? Und was hat dieser biblische Spruch mit uns zu tun, mit der Advents- und Weihnachtszeit 2015?

Die Zeiten damals und heute lassen sich kaum vergleichen. Aber genauso wie heute gab es auch früher politische Verwicklungen, Kriege und Ungerechtigkeit. Die eine Volksgruppe bekämpft die andere bis aufs Blut. Regierende und Herrscher weiten ihren Machtbereich aus, mal durch Diplomatie, mal mit gewaltsamen Eroberungen. Genauso wie heute war es die Zivilbevölkerung, das „normale Volk‟, das die politischen Verirrungen auszubaden hatte. Weiterlesen →

Wie kann eine Beerdigung gestaltet werden?

Diese Frage hört sich vielleicht seltsam an, jedenfalls für viele Menschen. Eine Beerdigung gestalten? Das ist doch immer gleich, oder? Gibt es da nicht einfach bestimmte Dinge, die „man“ so macht? Die Antwort ist: Nein, es gibt natürlich einiges, das zu einer Trauerfeier immer dazugehört, aber vieles lässt sich durchaus individuell gestalten. Weiterlesen →

Damit der Mensch nicht Opfer des Menschen wird

Könnte ich doch hören, was Gott der Herr redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, damit sie nicht in Torheit geraten. (Psalm 85,9)

Wir sind erschüttert. Wir sind entsetzt. Wir sind betroffen. Die Terroranschläge in Paris machen uns sprachlos und fassungslos: 129 Tote zum jetzigen Stand und hunderte Verletzte. Sprachlos geworden über das, was ge-schehen ist, gedenken wir der Toten, ihren Familien und Angehörigen, wir gedenken der Verletzen und den vielen Hilfskräften, die bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit das ihnen Mögliche getan haben.

Es ist unfassbar. So viele Leben zerstört, ausgelöscht, mitten aus dem Leben gerissen. Wieviel Hass, wieviel Gewaltpotenzial muss in Menschen wachsen, damit sie so etwas tun können und auch ihr eigenes Leben zerstören, um andere zu töten? Weiterlesen →

Du sollst dir kein Bildnis machen?

Heute hat uns erneut eine Frage zum christlichen Glauben erreicht, die wir gern in unserem Blog beantworten – es geht um das Gebot, sich kein Bildnis von Gott zu machen.

Die Frage lautet:

Auf einer Reise nach Italien habe ich in einer Kirche und in einem Kloster zwei Bilder gesehen, die mich verwundert und ratlos gemacht haben. Im Hintergrund war Gott in menschlicher männlicher Gestalt dargestellt und im Vordergrund jeweils der gekreuzigte Jesus. Wie kann es sein, das Gott bildhaft dargestellt ist und dann noch in menschlicher Gestalt? Es heißt doch in den Zehn Geboten: Du sollst Dir kein Bildnis machen! Weiterlesen →

9. November 1938 – 1989 – 2015

„Da habe ich nichts mit zu tun! Das geht mich nichts an! Da sollen sich andere drum kümmern! Wer nichts getan hat, der hat auch nichts zu befürchten. Ich habe genug mit mir selbst zu tun!“ So hat es damals angefangen. So fängt es immer an. Und genau darum müssen wir uns erinnern – an den 9. November 1938, an die Reichspogromnacht.

Vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Geschäfte und Wohnungen von jüdischen Mitbürgern wurden geplündert und zerstört, Menschen jüdischen Glaubens wurden misshandelt, verhaftet, deportiert, ermordet. Dieses Pogrom war das öffentliche Fanal für das, was dann folgen sollte: der Völkermord am europäischen Judentum. Wir es den Opfern schuldig, uns zu erinnern – auch nach so vielen Jahren noch. Wir sind es uns selbst und den nachfolgenden Generationen schuldig uns zu erinnern, und zwar solange, bis wir all unsere Kraft, all unser Tun und Denken für die Bewahrung des Lebens, für den Frieden und die Gerechtigkeit einsetzen.

Weiterlesen →