Was wir jetzt brauchen, ist vor allem Besonnenheit

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7 | Einheitsübersetzung)

1. Der Israel-Korrespondent der ARD, Richard C. Schneider, hat Mitte Januar 2016 sein Erschrecken über die laufenden Debatten in Deutschland in einem Facebook-Beitrag geäußert:

„Seit etwas mehr als einer Woche mache ich einen riesigen Fehler: Ich schaue mir deutsche Talkshows an. Das Thema ist immer dasselbe…: Terror, Islamisten, Flüchtlinge. Und dann immerzu die Angst der Deutschen. Eine unglaubliche Hysterie hat das Land befallen, wenn man den Medienberichten glauben darf. Mit viel Halbwissen – oder gar keinem – wird über den Islam schwadroniert, werden Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt, werden die Ängste der Bevölkerung/Zuschauer/Leser/Hörer in immer höhere Höhen getrieben. Weiterlesen

Ist die Volkskirche reformierbar?

Die evangelischen Landeskirchen verstehen sich als „Volkskirchen“. Weltweit ist das ein Sonderfall. Außer in Deutschland, dem Ursprungsland der Reformation, ist das nur noch in Skandinavien und in der Schweiz anzutreffen. Was macht nun unsere Kirche zur Volkskirche? Auf den ersten Blick sind es drei Säulen, wie die drei Beine eines Tisches. Weiterlesen

Ist der Sonntag noch zu retten?

Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. (2. Mose 20,11)

Spätestens ab Donnerstagmittag tönt es an allen Supermarktkassen: „Schönes Wochenende! In der Regel beginnt das Wochenende am Freitag und hat am Samstag sein geheimes Zentrum. An einem Samstagabend hörte ich die Moderatorin der Tagesthemen: „Ich wünsche Ihnen ein schönes Restwochenende.“ Der Rest vom Wochenende! Bleibt das vom Sonntag? Weiterlesen

Stadtgesellschaft

Wer sich einer neuen Umgebung einlebt, lernt automatisch ein paar neue Vokabeln. Eine Vokabel ist mir schon bei meiner Einführung als neuer Diakoniepfarrer im Dezember 2014 aufgefallen. Sie steht in keinem Wörterbuch für Ruhrpott-Deutsch und scheint mir dennoch viel über Essen auszusagen: Es geht um die „Stadtgesellschaft“. Weiterlesen

Zum selben Thema: Kirche und Werbung

Hat die Kirche es wirklich nötig, Werbung zu machen, wo sie doch schon seit mehr als eineinhalb Jahrtausenden besteht? Und ist nicht Werbung etwas eher Anrüchiges, ein Angriff auf das Unbewusste von uns Menschen mit der Absicht, uns zu verführen, zu etwas zu veranlassen, das wir eigentlich gar nicht wollten?

Werbung hat mit Glück zu tun. Und dieses „Glück“ enthält viele Glücksaspekte. Dieses „Glück“ umschließt die Verheißungen auf Genuss, Zugehörigkeit, Ansehen, Freiheit, Sicherheit und vieles mehr. Wer einen Porsche fährt, genießt die Beschleunigung, gehört zu einer Gruppe Gleichgesinnter, hat Ansehen (welches auch immer) in der Nachbarschaft, steigt ein in das Freiheitsversprechen der rapid schnellen Kilometerbewältigung und verlässt sich auf die werbliche Versicherung einer bergenden Karosse. Weiterlesen

Apple unser im Himmel

Einige Fragen stehen heute im Raum: Wie verständlich agiert Kirche mit ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit? Wird sie von Menschen in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft noch wahrgenommen und verstanden? Oder spricht sie mit ihren Riten und ihrer normierten Sprache nur noch ihre Binnen-Milieus an? Ist Kirche noch Kirche für das Volk, also Volkskirche? Oder zieht sich Kirche auf ihre vertrauten und verschlossenen Rückzugs-Räume zurück?

Angesichts der globalen Veränderungen im digitalen Zeitalter ist die Kirche gefragt, ihre Botschaft von der verändernden Kraft des Evangeliums zu bezeugen. Sie braucht dazu Mut über sich selbst hinaus zu sehen und zu reflektieren. Sie muss wieder auf des „Volkes Maul“ (Martin Luther) schauen und zuhören. Und sie braucht dazu ein Handwerkszeug für ihre Antworten auf die gestellten Fragen und Herausforderungen. Weiterlesen

Eine Frage der Perspektive

Sommerferienzeit – Reisezeit! Mancher Thailand-Resident, manche Thailand-Residentin verbringt im Sommer einige Wochen oder sogar einige Monate in Europa. Und für manche der „Expat(riate)s“ und ihre Familien bedeutet der Sommer auch das Ende des Arbeitsverhältnisses in Thailand: Einmal mehr Abschiednehmen, Umzug zurück in das Heimatland oder in einen weiteren ausländischen Einsatzort. Und in diese ganzen Aufbruchs- und Umzugsbilder mischen sich in diesem Jahr Berichte und Bilder von Menschen in überfüllten Flüchtlingsbooten im Mittelmeer oder in der Andamanen-See. Auch sie sind aufgebrochen, aber unter ganz anderen Umständen. Aus Lebensverhältnissen, die für sie aus verschiedenen Gründen unerträglich wurden. Und mit großen Risiken – nicht wenige bezahlen diesen Aufbruch mit ihrem Leben. Weiterlesen

Pilgerwege: Ich bin dann mal weg – für ein paar Stunden

„Ich bin dann mal weg“, sagte sich Hape Kerkeling vor ein paar Jahren, machte sich auf den Jakobsweg und schrieb anschließend ein Buch darüber. Viele Menschen haben das Buch gelesen, sind dann auf dem Jakobsweg und vielen anderen Pilgerwegen gegangen. Pilgern ist „in“ – und das nicht nur bei gläubigen Menschen. Wer genau hinschaut, entdeckt an vielen Stellen auch in unserer Stadt die Pilgermuschel. Der Jakobsweg beginnt nicht erst in Spanien, Jakobswege gibt es auch hier. Weiterlesen

Wenn das Spotten über Gott heilig ist

Der westlichen Säkularreligion ist der Spott über Gott heilig: Dieser spitze Satz stand Anfang Februar im SPIEGEL. Der Kommentator Jan Fleischhauer hatte beobachtet, dass sich in unserer Gesellschaft weniger religiöse Fanatiker zu Wort melden als vielmehr säkulare. Die Säkularfanatiker erklären pauschal die Gottesfrage für obsolet, also für veraltet. Und was man für veraltet hält, darüber kann man getrost seine höhnischen Späße machen. Weiterlesen

Doppelter Gewinn: Was kann klüger sein?

Klaus Blatt ist Physiker und Manager im Vorruhestand, er ist Vater zweier erwachsener Töchter und verheiratet mit Henny Dirks-Blatt, Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Margarethenhöhe. In seiner Freizeit wirbt er ehrenamtlich dafür, Geld so anzulegen, dass es sozial positiv wirkt: Seit 13 Jahren sind seine Frau und er Mitglied und Anleger bei Oikocredit. Blatt engagiert sich zunehmend für die internationale Entwicklungsgenossenschaft, auch in der soeben gegründeten Regionalgruppe Essen.Warum, verrät er im Interview. Weiterlesen