Zwischen Kippa und Koran

Bewaffnet mit dem Koffer unseres Schulreferates, der mit Materialien zum Thema Judentum gefüllt ist, war ich neulich in der Schule unterwegs. Ich unterrichte Klassen der Höheren Handelsschule: Junge Männer und Frauen zwischen 16 und 22 Jahren muslimischen, christlichen und undefinierten Glaubens – „Halbstarke“ hätte mein Vater gesagt. Auch die Herkunft der jungen Leute ist breit gestreut: Afghanistan, Libanon, Kurdistan, Türkei, Polen, Kosovo, Kroatien, Slowenien, Nigeria… – und natürlich auch Deutschland sind nur einige der Länder, aus denen die Familien meiner Schülerinnen und Schüler stammen. Weiterlesen

Verlass mich nicht, wenn ich schwach werde

Kirche und Diakonie engagieren sich auf vielfältige Weise, um Menschen beim Älterwerden und erst recht im hohen Alter zu unterstützen. Altwerden und Alt sein in Deutschland sind bunt geworden. Genauso vielfältig ist das, was Seniorinnen und Senioren in Kirche und Diakonie finden können. Es gibt ganz niedrigschwellige Möglichkeiten, um mit anderen etwas zu unternehmen oder Gemeinschaft zu erfahren: in der Offenen Seniorenarbeit, bei Bildungsangeboten oder Seniorenreisen, in Seniorentagesstätten oder in Gruppen, Clubs und Treffs in fast jeder Kirchengemeinde. Entsprechend groß ist aber auch die Spannbreite der Dienstleistungen, wenn es im Alter schwierig wird. Sie reicht von stationären Pflegeeinrichtungen über betreutes Wohnen, ambulante Pflege zu Hause, Essen auf Rädern bis zur Pflegeberatung oder zu Demenz-Cafés. Zu den Ressourcen evangelischer Altenarbeit gehört aber natürlich auch das, was die Schatzkiste der Bibel uns bietet. Weiterlesen

Begreift ihr meine Liebe?

Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? (Johannes 13,12)

„Verkehrte Welt“, so hat Petrus wohl gedacht, als Jesus sich hinkniete, um seinen Jüngerinnen und Jüngern die Füße zu waschen. Alles in ihm sträubte sich. Das konnte er doch nicht zulassen! „Rabbi“ wurde Jesus oft genannt, „Meister“ und „Herr“, weil die Menschen ihm vertrauten, ihn achteten und auf seine Worte hörten, weil sie ihn verehrten. Und nun war dieser Jesus aufgestanden, hatte das Obergewand abgelegt, sich ein Tuch wie eine Schürze vorgebunden und eine Waschschüssel zur Hand genommen. Als wäre ER ein Diener oder eine Dienerin, hat er sich vor seine Freunde gekniet und begonnen, ihnen ihre Füße zu waschen. Petrus protestiert und begreift nicht, was diese Situation bedeutet. Er sucht nach Argumenten und Vorbehalten, und will seinen Widerstand rechtfertigen. Er kann nicht aushalten, dass Jesus sich so demütig verhält: wie ein Knecht und nicht wie ein Herr. Weiterlesen

Die gute Nachricht

Was für eine verheißungsvolle Ankündigung. So etwas höre ich natürlich gern. Eine gute Nachricht: so steht es an der Kanzel im Gemeindehaus Isinger Feld. Der ehemalige Presbyter Heinrich Strüngmann hat sie 1991 für unsere Kirchengemeinde angefertigt. Von dieser Kanzel aus lesen wir im Gottesdienst vor, hören wir aus der Bibel, auch aus den Evangelien, die uns von Jesus erzählen. Evangelium – das heißt übersetzt: Gute Nachricht. Das, was wir von Jesus hören, was uns überliefert wurde, und das, was wir von Gott hören aus der Bibel – das ist eine wirklich gute Nachricht, da lohnt es hinzuhören. Weiterlesen

Musik begleitet unser Glück und unsere Trauer

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König! (Psalm 98, 3-6)

Besonders, aber nicht nur, ist in den Psalmen von der Musik die Rede. David, der große biblische König, wird als Musiker, als Harfenspieler vorgestellt. Als jemand, der seinem Vorgänger, dem König Saul, mit Musik die Depression vertreibt. Und auch das große Ursprungsereignis des Judentums – der Auszug aus der Sklaverei in Ägypten, der Exodus – wurde mit Musik gefeiert. Erst sang Moses ein großes Lied, dann nahm „die Prophetin Mirjam, die Schwester Aarons, die Trommel in die Hand, und alle Frauen zogen hinter ihr hinaus mit Trommeln und Reigentänzen. Und Mirjam sang ihnen vor: Singt dem HEERN, denn hoch hat er sich erhoben. Pferd und Reiter hat er ins Meer geschleudert.“ Musik begleitet unser Glück – und unsere Trauer. Sie rührt tiefe Gefühle in uns an. Weiterlesen

Die Macht der Bilder

Künstler mussten sterben, weil sie mit spitzer Feder Karikaturen zeichneten und veröffentlichten. Entsetzen und Ratlosigkeit machen sich breit. Dann aber auch Trauer und Solidarität für die Ermordeten. Sie sind gestorben für die Werte der Demokratie, die da sind Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit, Menschenrechte und auch Religionsfreiheit. Gezielt haben diese von Hass und Gewalt geprägten Terroristen sich Künstler des Zeichenstiftes ausgesucht. Warum? Weil sie mit ihren Karikaturen der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Karikaturen sind Spottbilder und damit auch Nachdenkbilder. Weiterlesen

Du bist schön!

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. (Psalm 139,14)

Es ist wieder einmal ein ungewöhnliches Thema, das diesjährige Motto der evangelischen Fastenaktion 7 Wochen ohne: „Du bist schön! – 7 Wochen ohne Runtermachen.“ Kritisch wurde schon angemerkt: Der erste Satz klingt eher nach der Überschrift eines Lifestyle Magazins. Wo ist da „das Christliche“? Im zweiten Satz, der moralischen Aufforderung, ist das Christliche leichter erkennbar: Sich sieben Wochen lang darum zu bemühen, andere Menschen nicht so oft „runterzumachen“. Nicht mit Worten, nicht mit Taten und auch nicht in Gedanken. Das ist unzweifelhaft christlich. Aber damit sind wir schon mittendrin im Thema. Wieso empfinden wir es nur als christlich, Andere gut zu behandeln? Oder sie schön zu finden? Genau deshalb ist dieses Thema gewählt. DU, Leser, und DU, Leserin, bist schön! Das zu sagen fällt fast allen Menschen schwer. Weiterlesen

Redet, was gut ist

Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. (Epheser 4,29)

Da traut einer der Macht der Worte etwas zu. Mindestens ebenso viel wie der Macht der Taten. Worte können mehr als Schall und Rauch sein: Segensträger. Von Ferne zunächst ahnen wir, wie sehr das stimmt. Denn es gibt Worte, die können alles kaputt machen und Menschen in ihrem Innersten zerstören. Und es gibt Worte, die lassen uns aufblühen, sind wie ein warmer Regen für die Seele, verleihen ihr Kraft und den Gedanken Flügel. Manchmal sehnen wir uns nach solchen Worten. Aber schaffen wir es auch, sie zu finden und auszusprechen? Weiterlesen

Schwarz-Weiß-Denken führt nicht weiter

Vielleicht werden die Mordanschläge auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Redaktion der der französischen Zeitschrift „Charlie Hebdo“ im Rückblick einen ähnlichen Wendepunkt im Verhältnis zwischen westlicher Welt und islamischer Welt darstellen wie seinerzeit die Terrorattacken auf die Türme des World Trade Center in New York am 11. September 2001. Damals, vor 14 Jahren, läuteten die Ereignisse den „Krieg gegen den Terror“ unter der Führung der USA ein, der sich vor allem gegen das Regime des Diktators Saddam Hussein im Irak richtete. Und neben den allgemein verschärften Sicherheitsmaßnahmen gerieten seither die Muslime weltweit unter den Generalverdacht, Befürworter des Terrorismus zu sein. Weiterlesen

Ich schäme mich des Evangeliums nicht

Ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt. (Römer 1,16 | Monatsspruch für den Februar)

Ist es Ihnen peinlich, im Alltag von Ihrem Glauben zu sprechen?

Im Berufskolleg in Wuppertal unterrichte ich Religion in einer Klasse für Installateure, lauter junge Männer unterschiedlichster Herkunft. „Was wissen Sie von Ihrem Glauben?“, fragte ich. Die direkte Antwort kam von den Muslimen. Sie kannten ihr Glaubensbekenntnis zu Allah und seinem Propheten. Die Christen hielten sich auffällig zurück. Auf Nachfrage gaben sie mir doch noch einige Auskünfte. Die Wissenslücken über den Glauben waren groß – bei allen Auszubildenden. Und wahrscheinlich ist das nicht nur bei ihnen der Fall. Weiterlesen