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Zuversicht in der Angst

Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen? (Markus 4,40-41)

„Wir melden uns, sobald die Gefahr vorüber ist“, diesen Satz hören wir in den Verkehrsnachrichten, wenn uns mal wieder ein Falschfahrer entgegen kommt. Vielleicht fühlen wir uns mit diesem Coronavirus so ähnlich – dass da etwas ungebremst auf uns zukommt und wir kaum Ausweichmöglichkeiten haben. Wie schön wäre es, wenn wir hoffen dürften, dass dieser befreiende Satz: „Wir melden uns, sobald die Gefahr vorüber ist“, möglichst bald gesagt würde.

Aber darauf müssen wir wohl nun noch eine Weile warten. Viele Ängste sind damit verknüpft. Ängste, dass wir selbst oder nahe Angehörige erkranken. Ängste vor den wirtschaftlichen Konsequenzen für uns und unsere Familien, für unsere Stadt, unser Land, ja die ganze Welt. Was wird da wohl noch alles auf uns zukommen? Und wie werden wir die Zeit füllen können, in der wir immer mehr Einschränkungen erfahren? Was werden die Kinder und Jugendlichen machen?

Klar, Ferien sind im Allgemeinen schön, aber das sind ja keine richtigen Ferien und vieles was man gerne in den Ferien macht, funktioniert nicht. Es gibt zurzeit praktisch keine Angebote mehr. Jugendhäuser und Kinos sind geschlossen. Auch unser schöner Grugapark.

Und jetzt dürft Ihr euch noch nicht einmal mehr auf Spielplätzen verabreden. Und auch Verreisen geht momentan nicht.

Nun könnte ich jetzt einfach einmal wieder unsere Kanzlerin aus einem anderen Zusammenhang zitieren:

„Wir schaffen das!“ – Und ich denke, wir schaffen das auch! Wie viele Krisen haben unsere Vorfahren schon bestehen müssen! Immer wieder gab es schlimme Epidemien – und da gab es keine Elektrizität, kein Licht, kein Fernsehen, viele konnten auch nicht lesen, geschweige denn, dass es Bücher gab. Es gab kaum Hygienemöglichkeiten und vor allem nicht die Kommunikationsmöglichkeiten, die wir heute haben.

Wir sind heute alle so gut vernetzt, egal in welchem Alter, dass wir selbst in Quarantäne mit vielen kommunizieren können und uns nicht von der Welt abgeschnitten fühlen müssen – auch wenn wir in Solidarität dazu aufgefordert sind, unsere persönlichen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Das wird uns natürlich fehlen, so wie vieles andere.

Und es schmerzt, dass wir unsere Kranken in Krankenhäusern, in Senioren- und anderen Heimen zurzeit gar nicht mehr besuchen dürfen. Es ist keine leichte Zeit.

Aber wir sind in all unseren Fragen und Ängsten, in unseren Enttäuschungen nicht allein. Auch wenn wir manchmal vielleicht das Gefühl haben, dass Jesus schläft, wie damals auf dem Boot, während der Sturm immer größer wurde und die Jünger Angst hatten zu ertrinken, auch wenn wir meinen, dass er nicht sieht, wie es uns geht und was wir brauchen, ich glaube fest daran: er ist da – gerade jetzt!

Und zwar überall auf der Welt, wo Menschen leiden und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Und zwar nicht nur wegen des Virus, sondern auch an den Grenzen, die dicht machen und niemanden ins Land lassen wollen. Menschen, die ihre Heimat unter größten Gefahren verlassen haben und dann im wahrsten Sinne des Wortes gestrandet sind, die niemand haben will.

Wir sollten über unseren Sorgen die vielen anderen Sorgen auf der Welt nicht aus dem Blick verlieren. Die gibt es nämlich immer noch. Und unsere Solidarität ist auch hier gefragt.

Der Präses unserer Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, schreibt in seinem Blog: „So ruft uns auch Jesus in all unseren Sorgen und Ängsten zu: „Aber seid getrost!“ (Johannes 16,33). Trotz aller Angst getrost zu sein, das heißt: Auf den zu blicken, der uns trägt. Auf Gott zu vertrauen, der uns in Seiner guten Hand hält. Trotz allem. Seht die Stärkung, die Gott für euch bereitgestellt hat und die Euch jetzt die Kraft gibt für die nächsten Schritte. Für das, was jetzt zu tun ist.

Miteinander Verantwortung zu übernehmen… So lasst uns gemeinsam hoffen und beten und in den Möglichkeiten, die wir immer noch haben, füreinander da sein, telefonieren, schreiben… bis wir irgendwann die befreienden Worte hören dürfen, dass die Gefahr vorüber ist !

Sabine Grüneklee-Herrmann

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