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Das Leben besiegt den Tod | In Zeiten von Corona #6

Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart. (Daniel 2,28) – In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. (Kolosser 2,3) | Herrnhuter Tageslosung für den 22. März 2020

Der Spruch aus dem Kolosserbrief in der heutigen Tageslosung ist der Taufspruch meiner älteren Tochter. Ihr Vater und ich haben ihn aus der überbordenden Freude über die Geburt dieses Kindes und aus der tiefen Überzeugung heraus gewählt, dass Gott hier seine Weisheit überaus einleuchtend gezeigt hat. Dieser Schatz, den wir in den Händen hielten – er machte unmissverständlich deutlich, wie gut Gott alles macht. Nach einer Fehlgeburt, nach einer Ehekrise, nach einem komplizierten Anfang der Schwangerschaft – war es nun endlich gut: unsere Tochter war da. Wir waren Eltern und blieben noch für Jahre ein Paar. Das Geheimnis seiner Güte und Fürsorge, in das Gott uns hier hat Einblick nehmen lassen, haben wir gern und dankbar entdeckt.

Welches sinnvolle – oder nur erträgliche – Geheimnis verbirgt sich aber hinter der Corona-Krise? Welche Weisheit liegt in einer Unzahl sterbender Menschen? Welch unmenschlich grausamer Gott lässt sich hier in die Karten gucken?

Solche Fragen bringen unseren Glauben an seine Grenze. Die Bilder aus Italien – nicht die von den fröhlichen Balkonsänger*innen, sondern die von den Sargreihen in Bergamo – erschüttern unser Vertrauen in die Güte Gottes und lassen uns fragen, ob ER Verstand und Herz verloren hat.

Dann schauen wir Jesus an, der selbst gelitten hat unter dem dunklen Geheimnis Gottes – „warum, mein Gott hast du mich verlassen?“ und hören, dass in seiner Geschichte das Geheimnis aufstrahlt, durch das Leben erträglich wird trotz aller offenen Fragen, aller berechtigten Anklage, inmitten aller fassungslosen Trauer: Das Leben wird den Tod besiegen.

Das wollen wir glauben. Darauf Hoffnung und Vertrauen setzen. Diesen Schatz wollen wir festhalten in Gedanken und Gefühlen. Denn er ist die kostbare Ration für die nächsten Tage, in denen die Zahl der Corona-Toten in Deutschland vermutlich sprunghaft steigen wird und es unter Umständen auch Menschen trifft, die wir persönlich kennen und lieben.

Die dunklen Fragen werden offen bleiben; die Gründe zu Anklagen nie ausgehen in dieser endlichen Welt und die Traurigkeit der Preis für die Liebe bleiben. Aber wir können uns entscheiden dafür, das lichte Geheimnis Gottes für das zu halten, was am Ende bleibt.

Wenn nun jeder zynischen Missdeutung gewehrt und jedes frömmelnde Missverständnis ausgeschlossen ist, der Corona-Epidemie einen erkennbaren Sinn oder gar einen göttlichen Willen zur Zerstörung zu unterstellen – dann können wir auch hinschauen darauf, was vielleicht zu lernen und zu gewinnen ist aus dieser qualvollen Erfahrung unser Tage.

Die erste Tageslosung stammt aus dem apokalyptischen Buch des Propheten Daniel. Es geht um Weltuntergang und Endzeitstimmung.

Wenn wir über fast leere Plätze oder durch menschenleere Parks laufen, die Erschütterung der Weltwirtschaft verfolgen und unser wahnhaftes Vertrauen in die All-Machbarkeit der Technik verlieren, dann fühlt sich das an wie der Shutdown unserer Zivilisation. Apocalypse Now.

Der Österreichische Zukunftsforscher Matthias Horx sagt dazu: „Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.“ In einem langen Artikel beschreibt er mit vielen Beispielen aus allen wichtigen Gesellschaftsfeldern, dass die Welt „nach Corona“ nicht mehr dieselbe sein wird wie vorher. Und bezeichnet das Virus als „Sendboten aus der Zukunft“. Seine drastische Botschaft lautet: „Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine Richtung, in der es keine Zukunft gibt. Aber sie kann sich neu erfinden. System reset. Cool down. Musik auf den Balkonen. So geht Zukunft.“

Ich füge hinzu: Kerzen in den Fenstern und Glockengeläut am Abend.

Ja, so geht Zukunft. Denn wir haben eine Zukunft: Das Leben besiegt den Tod. Lichtes Geheimnis des Glaubens.

Bleiben Sie gut behütet.

Anke Augustin

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