Wie stehen die Menschen in Deutschland zur Kirche und zum Glauben? Dazu gibt es mannigfaltige Studien. Dass eine solche Umfrage trotzdem lohnt, zeigt sich in unserer Kirchengemeinde Bergerhausen, wo das Team der Kreuz-und-quer-Gottesdienste 39 Teilnehmende für eine anonyme Befragung gewinnen konnte.
Die Antworten, die wir hier gerne an unsere Leserinnen und Leser weitergeben, sind nicht repräsentativ, spiegeln aber eine große Bandbreite wider. Das gilt vor allem für die erste, offene Frage: Wie würden Sie Ihre persönliche Beziehung zur Kirche beschreiben? Bei der zweiten und dritten Frage konnten mehrere vorgegebene Antworten angekreuzt werden: Was spricht aus Ihrer Sicht für einen Kirchgang bzw. eine Mitgliedschaft in der Kirche, was dagegen?
Im Ergebnis ergibt sich ein zwiespältiges Gesamtbild. Kirche wird von vielen Befragten weiterhin als wichtiger sozialer, kultureller und spiritueller Ort angesehen. Gleichzeitig besteht eine deutliche Spannung zwischen der Wertschätzung von Gemeinschaft, Glauben und kirchlichem Engagement einerseits und der Kritik an institutionellen Strukturen andererseits. Während persönliche Glaubensüberzeugungen häufig bestehen bleiben, ist die Bindung an die Institution Kirche schwächer geworden oder wird kritisch hinterfragt. Insgesamt dominiert ein differenziertes Verhältnis zwischen Zugehörigkeit und Wertschätzung, Enttäuschung und Distanz.
1 | WIE WÜRDEN SIE IHRE PERSÖNLICHE BEZIEHUNG ZUR KIRCHE BESCHREIBEN?
>> Ambivalent. Vor allem in der katholischen Kirche habe ich oft erlebt, dass Wasser gepredigt und Wein getrunken wird, aber auch die evangelische Kirche hat ihre Widersprüche. Leider erkenne ich dort auch, öfter als es sein sollte, hierarchische und nepotistische Strukturen, die sicherlich in mancher Hinsicht menschlich und unvermeidlich sind, in anderer Hinsicht aber auch all dem entgegenstehen, was ich in der evangelischen Kirche sehe und suche. Fernab meiner persönlichen Meinung und Erfahrung sollte aber viel mehr nach außen getragen werden, was die Kirche in welchen Bereichen alles leistet – denn was für uns so selbstverständlich ist, ist den meisten dort draußen nicht bekannt. <<
>> Aus dem Elternhaus habe ich eine Vertrautheit mit der Kirche erfahren. Im Erwachsenenalter fällt es mir schwerer, Zeit und Energie im trubeligen Familienalltag mit eigenen Kindern zu finden, um in die Kirche oder zu kirchennahen Veranstaltungen zu gehen. Auch wären Angebote überwiegend mit expliziter Ansprache auch für Kinder erforderlich, um wieder mehr in die Kirche zu gehen. <<
>> Distanziert (aufgrund vieler anderer Dinge), aber wohlwollend. Fühle mich im Getümmel „zu Hause“ (bin kirchlich sozialisiert u. geprägt). <<
>> Durch Enttäuschungen habe ich den Glauben an Gott leider verloren. 😢 <<
>> Ein zentraler Ort in meinem Leben. <<
>> Eine zweite Heimat. Ort des Wohlfühlens – zu Hause. <<
>> Eng und entspannt. <<
>> Für mich gehören Kirche und Glaube nicht zwingend zusammen. Ich kann eine gläubige Christin sein, aber trotzdem das Konstrukt Kirche meiden. <<
>> Ich bin kein Fan von Kirchenpolitik, wie sie faktisch stattfindet, deswegen habe ich kein gutes Verhältnis zur Institution Kirche. An sich finde ich aber, dass eine kirchliche Gemeinschaft und kirchliche Riten eine gute Sache sind und vielen Menschen Kraft geben können/helfen. Manchmal besuche ich eine Kirche und zünde eine Kerze an, nehme an einem Konzert teil oder gönne mir dort einen Moment der Ruhe. <<
>> Ich empfinde sie nicht als störend. Habe aber keinerlei Verbindung. <<
>> Ich fühle mich in manchen Situationen geborgen und finde Ruhe in der Kirche. Die Räumlichkeiten und die Menschen dort strahlen Freundlichkeit aus. <<
>> Ich gehe gern in eine Kirche, aber nicht in eine Messe. Der Ort an sich wirkt ruhig und besinnlich auf mich. Wenn ich in eine Kirche gehe, habe ich das Gefühl meine Gedanken besser sortieren zu können und für mich zu sein. Die gesamte Institution Kirche finde ich nicht mehr zeitgemäß. Zuviel Prunk und Selbstliebe lassen sie unauthentisch wirken. Gerade für Jüngere verliert die Kirche mehr an Attraktivität, da sich die Prioritäten verändert haben. Aber ich denke auch, eher im ländlichen Bereich das die Kirche ein Magnet ist für Gemeinschaft und soziale Kontakte. Da wir mehr vereinsamen, kann der Glaube die Menschen wieder näher einander bringen. <<
>> Ich habe eine positive Beziehung zur Kirche, bin konfirmiert und meine beiden Kinder sind getauft. Allerdings habe ich andere Lebensprioritäten, als dass ich regelmäßig in den Gottesdienst gehen würde. Wenn ich mal dort bin, gefällt es mir aber schon. Insgesamt finde ich, dass die Institution Kirche eine wichtige Rolle in der Gesellschaft übernimmt, wegen der schon oben aufgeführten Gründe. Auch kann ich mir vorstellen, in schwierigen Zeiten Halt in der Kirche finden zu können.<<
>> Ich habe mich vor zwölf Jahren gegen die Kirche entschieden, weil sie keine Rolle in meinem Leben spielt. Ich glaube nicht an Gott. Die Kirche könnte ein toller Ort für sozialen Austausch sein, doch leider wurde gerade in Sachen Gleichstellung zu viel versäumt. <<
>> Ich komme regelmäßig und finde doofe Leute zum Weglaufen und einige nette, weswegen ich bleibe. <<
>> Seit meiner Konfirmation bin ich nicht mehr in den Laden gegangen. <<
>> In der Gemeinde fühle ich mich aufgehoben, kann zur Ruhe kommen. Ich genieße die bereichernden Gespräche und das Miteinander. <<
>> Intensiv. <<
>> Kirche bietet mir einen spirituellen Ort, ich treffe Gleichgesinnte, hilfsbereite Menschen und schöpfe Kraft für meinen Alltag. <<
>> Kirche ist Arbeitgeberin. <<
>> Kirche ist für mich der große Raum für meine wichtigen Fragen – die große Gemeinschaft von Menschen (nicht nur jetzt Lebenden), die wie ich Zugänge zu Gott suchen und sich durch die biblischen Geschichten und die Frohe Botschaft vom barmherzigen gnädigen Herrn gerne immer wieder neu dazu ermutigen lassen. <<
>> Kirche ist weltlich, darum NICHT. <<
>> Kirche umfasst viele Dinge, es ist nicht nur ein Ort oder Gebäude. Mir bedeutet es viel, es ist für mich Heimat und ein Ort der Gemeinschaft. <<
>> Konstruktiv kritisch, aber mit viel Gemeinschaft und Humor. <<
>> Mein Verhältnis zur Römisch-Katholischen Kirche ist mit einem Kirchenaustritt beendet worden. Eine Institution, die, in der Nachfolge Jesu, dermaßen viel Reue und Buße von ihren Mitgliedern, insbesondere den Kindern abverlangt, sollte diesbezüglich selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Eine Kirche, die Kindesmissbrauch immer wieder schützt und mit großer Verlogenheit von sich weist, kann ich nicht unterstützen. <<
>> Nicht religiös und kritischer Blick auf die Institution Kirche. <<
>> Nie einen gehabt. Von klein auf als Zeitverschwendung empfunden. Bin deswegen von religiösen Erwachsenen genervt worden. <<
>> Kinder haben ja keine Religion. <<
>> Nostalgisch von der Jugendzeit früher; aber man hat sich „auseinandergelebt“. <<
>> Positiv – auch, wenn ich negative Erfahrungen gemacht habe. Aber nicht alle Kirchen und Gemeinden sind gleich. Ich bin mir sicher, dass es für jede und jede die richtige Gemeinde gibt. Nicht Gott verletzt die Menschen, sondern die Menschen der Kirche als Institution. Es ist schade, wenn Menschen das anders wahrnehmen. Kirche sollte ein Zuhause für jede einzelne/jeden einzelnen sein. <<
>> Ich mag keine prunkvoll ausgestattete Kirchen. Lenkt mich beim Gottesdienst ab. <<
>> Schlechte Erfahrungen. <<
>> Differenziert, da unterschiedliche Erfahrungen meine Sicht auf Kirche prägen. <<
>> Sehr gut. <<
>> Wohlwollend. <<
>> Zu selten; aber immer wieder spüre ich eine gute Verbindung. <<
>> Bei Kultur mag ich eher solche aus der Gemeinde oder dem Stadtteil heraus, ohne Gewinnabsicht aber gern auch mal mit Aufwandsentschädigung. Davon gerne mehr auch jenseits von Kirchenmusik und explizit kirchlich organisierten Gruppen. Auch durch Organisation „von außen“ (mit gesetzten Regeln/Absprachen), um jetzt schon ehrenamtlich tätige Gemeindemitglieder zu entlasten. Die Räume sollten noch mehr für den Stadtteil geöffnet werden, auch um Kirchenfremde einzuladen. Dabei soll gerne deutlich bleiben, wessen Räume hier bespielt werden und mögliche Türspenden sollten auch wieder Richtung Kirche zurückfließen. <<
> Positiv. Ich fühle mich als Katholik allerdings mehr zum evangelischen Glauben stark hingezogen. Einfache, schlichte Ausstattung der Kirche. Da kommt es mehr auf das Wesentliche an. Glaube in der Gemeinschaft. <<
2 | WELCHE GRÜNDE SPRECHEN FÜR EINEN KIRCHGANG ODER EINE MITGIEDSCHAFT?
Gemeinschaft und soziale Kontakte: 32
Glaube und Spiritualität: 26
Soziales Engagement: 26
Kulturelle Veranstaltungen: 18
Tradition und Familie: 15
Unterstützung in schwierigen Zeiten: 15
3 | WELCHE GRÜNDE SPRECHEN GEGEN EINEN KIRCHGANG ODER EINE MITGLIEDSCHAFT?
Kirche erscheint nicht zeitgemäß: 21
Negative Erfahrungen mit der Kirche: 20
Keine persönliche Verbindung zum Glauben: 19
Unzufriedenheit mit inhaltlichen Positionen: 19
Finanzielle Gründe (insbes. Kirchensteuer): 15
Andere Lebensprioritäten: 13
Für das Kreuz-und-quer-Team: Frank Rosinger