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Herausforderung angenommen

Als Jesus das gesagt hatte, war er im Innersten tief erschüttert. Er erklärte ihnen: „Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.“ Da sahen sich die Jünger ratlos an und fragten sich: „Von wem spricht er?“ Einer von seinen Jüngern, den Jesus besonders liebte, lag bei Tisch an der Seite von Jesus. (Johannes 13,21-23)

„Möchtest du auch was von dem Schnaps?“ – „Nein, danke. Das schmeckt mir einfach nicht.“ – „Ach komm! Sei kein Spielverderber! Alle trinken einen mit!“ – „Na gut…“ Kennen Sie solche Situation auch? Versuchungen, die an uns herangetragen werden. Nicht unbedingt immer wie in diesem Beispiel, aber doch sind sie da. Und für jeden bedeuten sie etwas anderes. Wenn wir Versuchungen nachgeben, dann hat das auch häufig unterschiedliche Gründe. Beispielsweise der Druck einer Gruppe oder die eigene Lust, eine Grenze zu überschreiten. Wir wägen die Konsequenzen ab und wagen dann den Schritt.

„Versuchungen“ sind nichts Gutes, da sind sich wohl alle einig. Wir denken an biblische Erzählungen: die Versuchung im Paradies, die Versuchung Jesu in der Wüste und die des Judas, der er nachgibt und Jesus verrät. Und wir denken an das Vaterunser, dass die Bitte enthält: „Und führe uns nicht in Versuchung.“

Vielleicht haben Sie die Debatte um diese Bitte verfolgt, die Papst Franziskus dazu entfachte. Seiner Meinung nach führt uns Gott nicht in Versuchung – und daher müsste die Bitte eigentlich lauten: „Und lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Ob man die Meinung des Papstes nun teilt oder nicht: Sie sehen, „Versuchung“ ist nach wie vor ein großes Thema.

Was aber, wenn wir die Versuchung gar nicht als etwas Schlechtes ansähen? Sondern als etwas, woran man wächst? Uns allen passieren in unserem Leben Dinge, die uns „versuchen“. Nein sagen, standhaft bleiben, dem vermeintlich einfacheren Weg widerstehen – Versuchungen zwingen uns dazu, Altbekanntes zu hinterfragen. Uns selbst zu hinterfragen.

Sie zwingen uns, mit uns selbst in einen Konflikt zu treten und unsere eigenen Schwächen anzuschauen – um diese dann letztendlich zu überwinden, indem wir stark bleiben. Bei unserem „Nein!“ bleiben. Indem wir den „leichten“ Weg ausschlagen und bewusst den schweren wählen, weil er ehrlich und richtig ist.

Jede Versuchung ist auch eine Herausforderung. Die sehen wir meistens als etwas Positives an. Also: Herausforderung angenommen. Und wenn die Versuchung doch einmal zu groß wird, dann sind da – wohlmeinende Menschen, hoffentlich, und natürlich Gott selbst – die zuhören, unterstützen und uns Mut zusprechen.

Wir beten – frei nach dem Wochengebet der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD):

Guter Gott, wenn wir in Versuchung geraten, dann stehe uns bei. Bewahre uns davor, Beifall zu klatschen, wenn Schwache verhöhnt werden, Kompromisse zu schließen, die zu Lasten der anderen gehen, Angst zu haben, wenn unser Zeugnis gefragt ist. Sei bei den Mächtigen, wenn sie entscheiden und dann stehe ihnen bei und schenke ihnen die Weitsicht gute Entscheidungen zu treffen.

Guter Gott, wenn deine Kirche spricht, dann stehe ihr bei. Bewahre sie davor, unglaubwürdig zu sein und mache, dass sie auf ihre eigene Stärke vertraut und ihre Entscheidungen. Amen.

Rebecca Lackmann