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Gottes Liebe kann uns leiten

Gottes Geist versöhnt und eint die leidende Schöpfung. (Motto der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen für den Ökumenischen Tag der Schöpfung 2022)

In der ersten Septemberwoche hat die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) das erste Mal auf deutschem Boden getagt.

Vor mehr als 70 Jahren, 1948, fand die Gründungsversammlung des ÖRK in Amsterdam statt. Damals versammelten sich Vertreter von 147 Kirchen aus 44 Ländern, mehrheitlich aus Nordamerika und Europa stammend. Noch unter dem Eindruck der Leiden des Zweiten Weltkriegs wurde die Botschaft verkündet: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“. In diesem Jahr in Karlsruhe waren über 4.000 Delegierte von ca. 350 Kirchen aus 110 Ländern der Erde zusammengekommen, um sich über Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung auszutauschen.

Im Rahmen der Vollversammlung wurde auch der Ökumenische Schöpfungsgottesdienst gefeiert, der seit 2010 im September alle Kirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) zu einem gemeinsamen Gottesdienst im Dienst der Schöpfung vereint. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine bekam auch dieser Gottesdienst eine neue besondere Aktualität.

Auch uns allen hier ist vor dem Hintergrund der neuen Situation bewusst geworden, dass vieles doch nicht so selbstverständlich ist, wie wir es in den letzten Jahrzehnten dachten: Wir waren gewohnt, dass zuverlässig der Strom aus der Steckdose kommt, dass das Wasser aus dem Wasserhahn fließt und dass wir es im Winter mollig warm haben.

Aber die anhaltende Dürre und die vielen Waldbrände haben uns die Kostbarkeit des Wassers vor Augen geführt und ob es im Winter in allen Haushalten wirklich warm sein wird, ist vor dem Hintergrund des Krieges und der Auswirkungen auf unsere Energiereserven keineswegs sicher.

Wir bekommen eine Ahnung davon, dass unsere Welt verletzlicher ist, als wir es uns bislang vor Augen geführt haben. Dies zu erkennen und die Verantwortung dafür zu übernehmen gibt uns als Christinnen und Christen aber die Chance, uns wieder bewusst zu machen, welch großartige Schöpfung uns Gott gegeben hat.

Gottes Liebe kann uns leiten und uns helfen, alles aus dem Weg zu räumen, was uns daran hindert, uns in aller Welt gemeinsam auf den Weg des Friedens und der Bewahrung der Schöpfung zu machen, wie es Paulus im 2. Korinther – Brief beschrieben und wie es der ÖRK in seinem Motto zusammengefasst hat: Gottes Geist versöhnt und eint die leidende Schöpfung. Vertrauen wir uns ihm an und machen uns auf den Weg. Die Zeit ist überreif.

Wir beten:

Liebender Gott, Du hast die ganze Welt geschaffen und uns Menschen die Erde anvertraut, sie zu bebauen und zu bewahren. Wir spüren aber, dass die Welt nicht in Ordnung ist.

Wir bitten dich, erhöre das Seufzen deiner Schöpfung. Lass in unserem Verhalten offenbar werden, dass wir deine Kinder sind. Gib uns Einsicht, mach uns bereit zur Umkehr – und erbarme dich! Amen.

Helga Siemens-Weibring