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Gottes bedingungsloses ‚Ja‘

Wie gerne hätten wir auch in diesem Jahr einen ökumenischen Gottesdienst zum Buß- und Bettag gefeiert! In vielen Gemeinden sind diese Gottesdienste eine gute alte Tradition. Deshalb schadet es nicht, wenn wir uns noch einmal erinnern: diese ökumenischen (!) Gottesdienste am Buß- und Bettag blühten in besonderer Weise auf und wurden zum Symbol ökumenischer Solidarität, als der evangelische (!) Buß- und Bettag 1994 zugunsten der Pflegeversicherung als gesetzlicher Feiertag aufgehoben wurde. Damals zu spüren: „das ist auch unseren katholischen Geschwistern nicht gleichgültig“, das war eine Wohltat.

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Geblieben aber ist die Überzeugung, dass Christen in unserer Welt Verantwortung haben. Und gewachsen ist die Einsicht:  Nur gemeinsam können wir als Christen in unserer Gesellschaft etwas bewegen.

In diesem Jahr muss unser ökumenischer Gottesdienst notgedrungen ausfallen. Bei aller Traurigkeit sind wir damit aber auch einverstanden. Es ist wichtig, uns und andere in diesen Tagen zu schützen. Christsein heißt auch: mit unserer Gesellschaft solidarisch zu sein und vorbildhaft zu handeln, selbst wenn wir dafür auf liebgewordene Traditionen (ausnahmsweise) verzichten müssen.

Genau diese Verantwortung für unsere Gesellschaft hätte ich gerne am 18. November sehr bewusst in einem Gottesdienst durchdacht. Nun kann ich dazu nur ein paar Zeilen schreiben. Wie kann in diesen Tagen Gottes Dienst an uns zu unserem Dienst für unsere Welt führen?

Unter dieser Fragestellung kann der Buß- und Bettag in seiner ursprünglichen Bedeutung neu aufleuchten: im Wissen um Gottes bedingungsloses ‚Ja‘ zu allen Menschen und zu seiner ganzen Schöpfung erschließt sich eine große Kraftquelle. Davon bin ich überzeugt.

Und wir werden diese Kraft brauchen. Wir sind ja in diesen Tagen genötigt, unseren bisherigen Lebensstil zu hinterfragen: Können und wollen wir „nach Corona“ wieder wie gewohnt in alle Welt reisen? Begegnen wir in diesen Tagen den Grenzen schlimmen Nebenwirkungen der Globalisierung, von der wir so lange profitiert haben? Werden wir die Bedeutung der Familie neu entdecken? Und vor allem: welche Konsequenzen ziehen wir aus der jetzt wieder unübersehbar gewordenen Einsicht in die Begrenztheit menschlicher Möglichkeiten und menschlichen Lebens? Aber auch: Was können wir aus der Krise als gelungen und sinnvoll mitnehmen?

Auf all diese – und noch viel mehr Fragen – sind nicht nur Antworten gefordert, sondern auch möglich. Antworten des Glaubens, die wir unserer Gesellschaft ebenso schuldig sind, wie das, was den Kern unseres Christseins ausmacht: das Gebet, insbesondere die Fürbitte und den Gottesdienst. Denn von diesem Zuspruch, dass Gott uns auch und gerade in Stunden der Schwäche, der Einsamkeit und der Not nahe ist, leben wir.

Bei all dem gilt: die richtigen Antworten des Glaubens werden wir vor allem im Gespräch miteinander finden. Und: aus den Antworten kann und wird neues Handeln erwachsen. Dabei werden wir aufeinander angewiesen bleiben. Umkehr (und nichts anderes bedeutet „Buße“) ist nicht nur die Wohltat, eine neue Perspektive zu gewinnen; sie braucht oft genug auch Ermutigung. So, wie wir sie immer wieder in unseren gemeinsamen Gottesdiensten erlebt haben.

Deshalb freuen wir uns schon heute ganz besonders auf ein hoffentlich gesundes Wiedersehen. Bleiben Sie gesegnet und behütet!

Joachim Lauterjung

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