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Ein ganz besonderer Weg

Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich. (Johannes 14,6)

Nach dem Zeugnis des Johannesevangeliums wendet sich Jesus unmittelbar vor seiner Passion in einer Abschiedsrede an seine Jünger. Er kündigt seinen Abschied an mit den Worten: „Wo ich hingehe, den Weg wisst ihr.“ Der Jünger Thomas antwortet fragend: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?“ Darauf dann die Antwort Jesu: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Thomas stellt hier Jesus die Grundsatz-Frage nach der Orientierung des Lebens. „Wohin gehst du? Wohin sollen wir gehen, Jesus?“ Und Jesu Antwort ist von ebenso grundsätzlicher Bedeutung. Sie ist keine Ortsangabe für das eigene Lebensziel. Jesu Antwort meint vielmehr: „Verlasst euch in allen Wohin-Fragen des Lebens auf mich. Ich selbst bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Ich selbst bin die Antwort auf die Wohin-Fragen eures Lebens.“

Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ich bin der Weg!“ Das ist auf den ersten Blick ein sehr anschauliches Bild. Ein Weg ist „ein Streifen im Gelände zum Begehen oder Befahren“. Und es gibt viele Wege, auf denen wir unterwegs sein können. Die Frage ist nur, wohin sie mich führen. Denn ich muss nicht einen Weg finden, auf dem ich gehen kann, sondern den Weg, auf dem ich ankomme, wo ich hin will. Jesus benutzt dieses Bild hier anders als sonst. Er spricht nicht von einer festen Straße oder hilfreichen Geländern und Leitplanken, sondern von sich als Person.

Mich hat das an einen Bericht von einem Missionar erinnert. Er wurde zu einem Volksstamm im tropischen Regenwald gesandt. Als er mit dem Flugzeug auf einer kleinen Landebahn im Urwald gelandet war, holte ihn ein Einheimischer ab. Der ging mit ihm mitten in das dichte Gebüsch hinein und bahnte ihnen mit seiner Machete den Weg. Nach ein paar Stunden bekam der Missionar Zweifel, ob er jemals wieder zurück finden würde. Er fragte den Mann: „Wo ist denn hier der Weg? Wie kann man ihn erkennen?“ Und der Einheimische sagte: „Hier gibt es keinen Weg. Ich bin der Weg!“

Du musst nicht wissen, wo der Weg entlang geht, sondern wem du folgst. Darum sagt Jesus nicht: Ich zeige dir den Weg! Sondern: „Ich bin der Weg. Du musst nicht alles über mich wissen und brauchst nicht alles verstehen. Aber du musst bei mir bleiben. Nur wenn du mir vertraust, kommst du zum Ziel.“ Darum sagt Jesus: „Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Das ist das Ziel. Ich bringe dich zu Gott, in die Gemeinschaft mit ihm. Denn nur da bist du zu Hause. Da bist angenommen,  geliebt, frei und sicher. Ich zeige dir, wie dein Leben zur Erfüllung findet.

Diesen Weg erklärt Jesus mit zwei Begriffen. Denn er zählt in diesem Vers nicht drei Eigenschaften auf, sondern er begründet: „Ich bin der Weg, indem ich die Wahrheit und das Leben bin.“

„Wahrheit und Leben“ erklären, wie dieser Weg aussieht. Sie sind wie zwei Fahrspuren auf einem Feldweg. Die eine Spur ist die Wahrheit. Darauf weist schon eine Ankündigung des Propheten Jesaja hin: „Eine Bahn wird es dort geben, die man ‚Heiligen Weg‘ nennt. Kein unreiner Mensch wird ihn betreten, er ist nur für das Volk des Herrn bestimmt. Wer auf dieser Straße reist, kann sich nicht verirren, auch wenn er sich nicht auskennt“ (Jesaja 35,8+9).

Es ist ein Weg, der sich von allen anderen unterscheidet. Er ist heilig, weil er zu Gott führt. Aber er ist auch einfach. Jeder kann ihn finden. Er ist für niemanden zu anstrengend oder zu kompliziert. Aber nur „reine“ Menschen dürfen ihn betreten. Nur wer seine Sünde bekennt und sie vergeben lässt, kommt auf diesen Weg. Das ist die Wahrheit, von der Jesus spricht. In der hebräischen Sprache bedeutet Wahrheit die „absolute Zuverlässigkeit“ und wird oft übersetzt mit „Treue“. Die Wahrheit ist, was immer gilt und sich nicht verändert. Jesus zeigt mir: So ist Gott! Ewig, treu und wahrhaftig. Er ist der König und Herr. Er ist rein und gut. Er steht zu seinem Wort.

Und dann sagt Jesus: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Johannes 14,9). Die Wahrheit ist, dass Gott dich liebt, dass er dich nicht verlieren will. Darum kümmert er sich um deinen Müll. Um all das, was dich von ihm trennt. Er schafft deine Schuld weg und deckt sie zu. Jesus sagt: „Ich bin die Wahrheit! Ich zeige dir, wie du bist und ich zeige dir, wie Gott ist! Darum habe ich mein Leben am Kreuz gegeben. Damit deine Sünden vergeben werden und du auf diesem Weg gehen kannst. Damit du zu Gott findest und als sein Kind bei ihm zuhause bist. Ich bin diese Wahrheit, die du für dein Leben brauchst.“

Das betont auch die zweite Spur auf diesem Weg – das Leben. Ein Text aus dem Hebräerbrief fasst das gut zusammen: „Weil wir … durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang…, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen … gereinigt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen“ (Hebräer 10,19-22). Mich braucht meine Schuld nicht mehr belasten. Sie ist vergeben. Und ich bin frei. Durch das Blut Jesu, durch seinen Tod am Kreuz hat er mich erlöst. Ich bin rein und kann Gott begegnen. Ich darf direkt zu ihm kommen und mit ihm leben. Das ist der „neue und lebendige Weg durch den Vorhang“.

Jesus verbindet mein Leben mit diesem Vater. Ich gehöre zu diesem großen König. Ich bin sein Kind. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (1878-1965) hat einmal gesagt: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Ich darf mit Gott leben. Mit dem Vater, der mich liebt. Ich bin in keiner Situation allein. Mein Leben ist nicht erfüllt, wenn ich viel erlebe, gesund bin und ohne große Probleme meine Tage genießen kann. Sondern es ist erfüllt, weil ich in jeder Lage weiß: Mein Vater ist hier! Egal was gerade passiert. Ich gehöre zu ihm. Darum darf ich mich in jeder Lebenslage an ihn wenden und zu ihm beten: Unser Vater im Himmel erhöre mich!

Steffen Hunder

Ein Gedanke zu „Ein ganz besonderer Weg

  1. Wir hoffen auf die Begegnung „von Angesicht zu Angesicht“ hier und dann mit der
    lebendigen Stimme. Ich danke Dir für dieses lebendige Nachdenken.
    Pfr.i.R.Dr.Eckhard Schendel, Essen-Heisingen.

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