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Ein Brief für unsere Zeit

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn`s ihr wohlgeht, so geht`s euch auch wohl. (Jeremia 29,7)

Als christliche Gemeinde leben wir mitten in der Welt. Und so tragen wir auch Verantwortung für die Welt, für die Stadt. Wir können und sollen uns als Gemeinde nicht heraushalten aus dem, was die Welt bewegt und treibt.

Vor 2500 Jahren schreibt der Prophet Jeremia an die Israeliten, die im babylonischen Exil leben müssen. Sie leben dort, wo sie nicht leben wollen, und doch fordert Gott sie durch den Mund des Propheten auf, sich nicht nur irgendwie mit der Situation zu arrangieren, sondern der Stadt Bestes zu suchen, sogar noch für sie zu beten, ja, dort wirklich zu leben und sich auf die Welt und die Stadt einzulassen: Baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und esst ihre Früchte, heiratet und suchet der Stadt Bestes.

Der Brief des Propheten will trösten und ermutigen, will falsche Hoffnungen zerstören und die Möglichkeit schaffen, die gegebenen Verhältnisse realistisch und nüchtern einzuschätzen. Deshalb: Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn.

Im hebräischen Text steht an der Stelle „Suchet der Stadt Bestes“ das Wort „Schalom“: „Kümmert und sorgt euch um ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit für die Stadt.“ Lebt im Hier und Jetzt, aber vergesst nicht, wo ihr herkommt, wer ihr seid, vergesst nicht, dass ich euer Gott bin und dass ihr alle noch eine größere Bestimmung habt, als nur euren Alltag zu gestalten. Ihr sollt und könnt in diese Welt, in diese Stadt hineinwirken mit der Hoffnung und dem Frieden Gottes für die Welt.

Der Brief des Jeremia erreicht uns heute. Babylon ist überall. Babylon steht für viele Namen. Und so hören auch wir: Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn`s ihr wohlgeht, so geht`s euch auch wohl. Jeremia ruft auch uns in die Verantwortung für die Welt, er mahnt uns, im Hier und Jetzt zu leben, aber sich nicht darin zu erschöpfen.

Leben ist mehr als Arbeit, Konsum und Urlaub. Es geht um viel mehr: „Suchet den Schalom der Stadt“, suchet, was dem Frieden und der Gerechtigkeit, was dem Zusammenleben der Menschen dient, denn nur dann wird es auch euch wohl gehen. So müssen wir Gemeinde „vor Ort“ sein mit unseren Angeboten, Hilfen und Fragestellungen. Schalom für die Stadt heißt auch: Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen rechtes Gedankengut und Antisemitismus, denn das dient nicht dem Zusammenleben und dem Frieden unserer Stadt.

Als Gemeinde verkünden wir den Schalom Gottes und versuchen, ein Stück dieses Schalom zu leben, wohl wissend, dass Gottes Schalom viel größer ist und weiter reicht. Wir suchen den Schalom für die Stadt und beten für sie. Denn es ist unsere Stadt, unsere Zeit und unser Leben.

Und daraus wird Gutes erwachsen. Denn so spricht der Herr: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe. Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung (Jeremia 29,11).

Darauf wollen wir hören, darauf vertrauen und für den Schalom eintreten.

Christoph Ecker

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