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Weihnachtsstimmung

Jedes Jahr wird die schönste Advents- und Weihnachtsmusik neu veröffentlicht. In der Welt der Popmusik gehört ein Weihnachtsalbum irgendwann im Laufe der Karriere einfach dazu. Auch Klassiker wie Bachs Weihnachtsoratorium werden immer wieder neu aufgenommen. Dabei gibt es schon zahlreiche Aufnahmen und man kann sich durchaus fragen, wie die besten unter ihnen eigentlich noch zu übertreffen sein könnten. Aber vielleicht geht es gar nicht darum, besser zu klingen.

Ich habe über die Jahre meine Lieblingsstücke gefunden und es gibt Aufnahmen, die ich jedes Jahr wieder höre. Aber ich höre auch gerne die neuen Versionen, die jedes Jahr hinzukommen. Wenn ich neue Interpretationen meiner liebsten Advents- und Weihnachtslieder entdecke, dann bin ich neugierig darauf zu hören, was die Künstler*innen „daraus gemacht“ haben. Welchen Zugang haben sie gefunden? Wie klingt es, wenn sie das alte Lied neu erklingen lassen und es zu ihrem eigenen Song machen?

Ich hoffe Jahr für Jahr auch auf einen neuen Zugang zur Botschaft dieser Zeit. Sie wird uns am Beginn des Kirchenjahres jeweils verkündet und wir geben sie weiter. Wenn ich dann Andachten schreibe für Adventsfeiern oder einen Gemeindebrief, wenn ich schließlich Predigten für die Weihnachtsgottesdienste schreibe, dann suche ich nicht unbedingt nach etwas Besserem als im letzten Jahr. Ich suche nach einer Version, die mich in diesem Jahr berührt und nach Gedanken, die ich deshalb gerne teilen will mit anderen. Ich suche nach einem persönlichen Zugang zu den alten Texten und ihrer Wahrheit, der mir gerade jetzt etwas aufschließt, mir die Augen öffnet für etwas, das wohl schon immer da war, aber nun gerade in dieser Zeit meines Lebens hilfreich und bedeutsam wird.

Im letzten Jahr blieb unsere Kirche zu Weihnachten geschlossen und wir zogen mit dem Krippenspiel, unserer Musik und den Gottesdiensten ins Internet. Die Pandemie hatte uns mehr im Griff, als wir es uns noch im Sommer vorstellen konnten. Jetzt kommt es wieder so. Ich glaube, es war leider vorhersehbar und doch erschüttert uns aufs Neue, wie sehr wir immer noch mitten in dieser Krise stecken. „Fürchtet euch nicht!“ sagen die Engel in der Weihnachtsgeschichte und ich erinnere mich, wie ich diesen Satz im letzten Jahr gehört habe. Wie er mich berührt und beruhigt hat.

Wie wird die Weihnachtszeit 2021 wohl in mir klingen? Noch weiß ich es nicht. Welche Melodien, welche Worte, welche Wahrheiten werden mein persönlicher Soundtrack zum Weihnachtsfest in diesem Jahr sein? Ich suche noch und warte und höre. Ich wünsche mir auch jetzt wieder, dass die Weihnachtsstimmung aufkommt, eine hoffnungsvolle Stimmung trotz allem.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne ebenfalls gute Neu-Entdeckungen, eine gesegnete Weihnachtszeit!

Johannes Heun