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Gönnen können

Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht. Das aber verdross Jona sehr, und er ward zornig… (Jona 3,10f.)

Der Fisch spuckt Jona an Land, errettet, geläutert und wieder einsatzbereit. Alles auf Anfang: Gott spricht noch einmal zu Jona. Und Jona geht los und tut, was er tun soll. Den Leuten von Ninive sagen, dass Gott ihre Bosheit sieht und nicht länger dulden wird: … stop the madness … Und, siehe da, sie hören ihm zu. Und ihr Schluss ist nicht: Jetzt erst recht, lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot. Party und krumme Geschäfte bis zum Umfallen. Sondern: Sack und Asche. Der König von Ninive legt symbolisch seinen purpurnen Mantel ab, Reue und Umkehr. Buße. Ein Fasten für Mensch und Tier.

Und Gott? Dem wird das Herz weich. Als er sieht, wie sich ihr Leben verändert.

Soweit der bekanntere Teil der Erzählung. Aber was dann? Wie reagiert Jona? Dem wird nämlich das Herz hart. Als er sieht wie sich ihr Leben verändert. Der tut sich leid und wird wütend. Jona sagt zu Gott: Das hab‘ ich befürchtet. Genau das. Ich weiß ja, wie du bist.

Ich wusste ja, dass du genau das bist: gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte. Du, ja, du lässt dich auch jetzt noch erweichen, natürlich tust du das. Deshalb bin ich ja zuerst weggelaufen, weil ich genau das befürchtet habe.

Dann lass mich sterben. Nimm meine Seele von mir. Ich will das nicht mit ansehen.

Und Gott kann das natürlich nicht so stehen lassen: Jona, bist du sicher, dass du gerade mit Recht zornig bist? Aber Jona knallt die Tür. Zieht sich raus. Setzt sich auf die Tribüne. Bislang war er Hauptdarsteller. Jetzt will er Zuschauer sein. Sollen die doch sehen, wie sie klarkommen.

Heiß ist es da draußen vor der Stadt. Zwei, drei Bretter helfen nicht wirklich gegen die Stech-Sonne. Gott lässt nicht locker. Er hat auch mit Jona viel Geduld. Lässt eine Staude wachsen, die ordentlich Schatten gibt. Gegen Jonas schlechte Laune. Das wirkt. Jona entspannt sich, aber nur für eine Nacht.

Dann schickt Gott wieder ein Tier, diesmal ein kleines, einen Wurm. Der geht an die Wurzel der Staude. Sie verdorrt – so schnell, wie sie gewachsen ist. Und Jona will schon wieder sterben. Jetzt hat er wohl auch noch einen Sonnenstich.

Gott bleibt weiter geduldig mit ihm: Meinst du, dass du mit Recht zornig bist? Und Jona knallt noch mal die Tür: Ja.

Mit Recht. Bis in den Tod.

Gott bleibt dran, er will Jona erklären, warum er mit Ninive so gnädig umgeht: Dir, Jona, tut die Pflanze leid und sie fehlt dir schon jetzt. Dabei hast du sie nicht einmal gepflanzt, dich nicht um sie gekümmert und sie erst gestern bekommen.

Und mir soll Ninive nicht leid tun eine Stadt mit 120 000 Menschen und vielen Tieren, die ich schon so lange kenne?

Als Jona selbst in tiefster Not aus dem Meer gerettet wird, da lobt er Gott in höchsten Tönen. Anderen gönnt er eine existentielle Erfahrung mit dieser göttlichen Geduld und Gnade nicht.

Wochenaufgabe: Was könnte für Sie diese Woche eine ganz persönliche Übung sein im „Gönnen können“?

Wir beten:

Gott, deine Geduld ist kaum zu glauben, deine Gnade kaum auszuhalten, deine Güte so unbegreiflich wundervoll. Danke für alles, das du gibst. Ich will es genießen und anderen mindestens dasselbe gönnen. Amen.

Johannes Heun