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Hat Jesus gelacht?

Die großen Feste des Kirchenjahres liegen hinter uns. Zu Pfingsten lacht Jesus vom Himmel herab und freut sich seiner Schar, die mit großer Freude nach Jerusalem zurückgekehrt war (Lukas 24,52). Das behaupte ich einfach so. Vielleicht tut uns das auch uns in unseren schweren Zeiten gut?!

Die Frage: „Hat Jesus gelacht?“ ist alt und immer neu. Heiterkeit, Freude, Humor, Lachen zeichnen uns Menschen aus. Aristoteles: Von den Lebewesen lacht allein der Mensch. Rund 2500 Jahre später bestimmt Papst Johannes XXIII. den christlichen Glauben einfach so: er ist heitere Gelassenheit und Hingabe an Gott.

Aber das war eben nicht immer so. Der für die Orthodoxen Kirchen so bedeutsame Patriarch von Konstantinopel Johannes Chrysostomos (= Goldmund) (4./5. Jh.), berühmtester Prediger und „Bibelmann“, sagt doch glattweg: Jesus hat nie gelacht! Große Teile des christlichen Mönchtums haben dies auch immer so gesehen. Der verstorbene Wissenschaftler und Romanschriftsteller Umberto Ecco hat diese Frage zum Thema seines Romans „Der Name der Rose“, der in einem Kloster im Mittelalter spielt, gemacht – hoch spannend.

Im kirchlichen Unterricht habe ich früher meine jungen Leute danach befragt. Ein ganz Cleverer antwortete sogar dogmatisch korrekt und sagte: „Wenn Jesus Christus wirklicher Mensch und Gottessohn gewesen ist und es auch noch heute ist, dann hat er natürlich genauso gelacht wie er geweint hat.“ Das ist wahr. Und dann haben wir uns die Szenen aus dem Leben Jesu vergegenwärtigt wie zum Beispiel die Hochzeit zu Kana, die mit Sicherheit keine trübselige Veranstaltung gewesen ist. Jesu Humor kommt ja doch darin zum Ausdruck, dass, zur Verwunderung der Akteure, der Wein, den Jesus aus dem Wasser wandelt, der bessere ist als der bisher beim Fest getrunkene (vgl. Johannes 2,1-12).

Dann die Segnung der Kinder durch Jesus. Wo Kinder sind, da wird gelacht. Das ist doch klar. Und typisch auch, dass die erwachsenen, männlichen Jünger die Kinder und ihre Mütter loswerden wollen. Jesus wird unwillig über sie. Jesus ist nicht der Humorlose.

Der Humor, das Lachen und die Fröhlichkeit ist für den Reformator Martin Luther ein Geschenk der Gnade. Er ist auch ein Mönch, sogar ein Augustiner-Bettelmönch gewesen, die sich in Erfurt ihre Mahlzeiten zusammenbetteln mussten. Da gab´s wenig zu lachen.

Luther sagt: „Nun kann wahrlich der arme Mensch, der in Sünden, Tod und Hölle verstrickt ist, nichts Tröstlicheres hören als diese teure, liebliche Botschaft von Christus. Sein Herz muss von daher von Grund aus lachen und fröhlich darüber werden, wenn er glaubt, dass es wahr ist.“ Sein christliches Selbstbewusstsein ist geprägt durch die frohe und freimachende Heilsgewissheit und durch ein befreites Gewissen. Hier leuchtet die in Christus begründete christliche Freiheit auf. Das ist seine sogenannte Rechtfertigunslehre.

Gleichwohl weiß Martin Luther sehr wohl, dass wir nicht aus der Sünde raus sind. Gerecht und Sünder zugleich – lateinisch: simul iustus et peccator, man kann auch sagen: nicht ausschließlich furchtsamer Sünder und nicht ausschließlich fröhlich. Es gibt ein mit Tränen-Lachen, ein Dennoch- und Trotzdem-Lachen.

Der 63-jährige Luther, der den Tod in Eisleben, wo er zur Welt gekommen war, erahnte, ist in seinen letzten Lebenstagen fröhlich erlebt worden, wie seine Freunde berichtet haben. Auch in seinen letzten Briefen an seine Frau kann man das lesen. Das Frohsein ist für uns alle eine Anfrage an unseren Glauben.

Das Böse, der Teufel, der „Fürst dieser Welt, wie sauer er sich stellt“, hat nichts für das Lachen übrig. Klassisches Beispiel dafür ist Goethes Mephisto im Faust. Luther spricht drastisch: „Verlacht den Feind und sucht euch jemanden, mit dem ihr plaudern könnt… oder trinkt mehr, scherzt und treibt Kurzweil oder sonst etwas Heiteres… Man muss bisweilen eine Sünde riskieren, um dem Teufel Abscheu und Verachtung zu zeigen… Aus was für einem Grunde glaubt ihr wohl, dass ich – wie ich´s tue – kräftiger trinke, zwangloser plaudere, öfter esse, als um den Teufel zu verspotten und zu plagen, der mich doch plagen und verspotten wollte?!“ So schreibt Luther an einen depressiven Freund.

Und jetzt kommt das bekannte Luther-Wort, meist ohne den Nachsatz: „Sündige tapfer, aber tapferer glaube, und sei fröhlich in Christus, dem Sieger über die Sünde!“ Der letzte Grund für die christliche Heiterkeit, ihren Humor und das Lachen liegt in der künftigen Freude, dem kommenden Jubel, in dem verheißenen Lachen.

Ob im Himmelreich einst gelacht werden wird?

Schauen wir bei dieser Frage wieder auf Jesus selbst und lesen wir, was er dazu sagt. Der Evangelist Lukas hat uns die Bergpredigt, wie wir sie von Matthäus her kennen, in einer anderen Fassung überliefert. Sie heißt bei ihm: „Die Feldrede“ (vgl. Lukas 6,20 ff.). Hier verheißt uns Jesus das Lachen im Himmelreich, wenn er ausruft: „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen“ (Vers 21). Eschatologisches, das heißt „Letzthinniges“ Gelächter im Gottesreich. Unglaublich.

Wenn wir im Vaterunser immer wieder beten: Dein Reich komme, dann beten wir um die Überwindung des Zustandes, in welchem Leid und Tränen dominieren. Und es ist uns doch oft in unserm Leben mehr zum Weinen als zum Lachen zumute.

Lachen wird das Weinen ablösen. Welch eine Verheißung für die Erlösung! Lachen und Humor sind Ausdruck der Befreiung, wie uns das unser Reformator eingeschärft hat. Kummer und Leid, Strukturen voller Zwang, Mächte der Sünde, des Todes und des Teufels werden uns nicht mehr beherrschen.

In Israel betete man einen berühmten „Wallfahrtspsalm“ 126 (EG 754), in welchem es heißt: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens sein und unsere Zunge voll Rühmens sein.“ In Babylon sind es die babylonischen Unterjocher und in der Nazizeit stellt Rudolf Alexander Schröder das Trotzdem-Lachen den Totalitaristen gegenüber („Hab gute Zeit, steh, Christenheit, lache, wo sie dräuen…“). Erlösung ist nicht allein jenseitig.

Ich schließe mit einem Psalm-Wort von Hans Dieter Hüsch und einem Witz zu Zeit und Ewigkeit aus Köln.

Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt.

Es heißt, Tünnes us Kölle habe einmal geträumt. Er stünde im Himmel vor Gottes Thron, und Gott habe sich mit ihm in ein Gespräch eingelassen. – „Liever Jott“, fragte Tünnes, „wie lange sind für dich eijentlich eine Million Jahre?“ – „Ein Minütschen“, antwortete Gott. – „Und wieviel sind für dich eine Million Taler?“, fragte Tünnes weiter. – „Och,´n Jroschen“. – „Ach, liever Jott, dann schenk mir doch einen Jroschen!“ – Gott: „Wart´, ein Minütschen!“                                      

Eckhard Schendel

Ein Gedanke zu „Hat Jesus gelacht?

  1. Eine Frage, die ich mir nie gestellt habe, wird uns hier in einzigartiger Weise beantwortet: Jesu Menschsein begegnet uns in seiner warmherzigen Menschlichkeit und ist uns gerade darin ein Geschenk.
    Aber warum müssen wir erst darauf hingewiesen werden? Liegt es vielleicht daran, dass die Göttlichkeit in Jesus, der Christus, in der Verkündigung der Kirchen einen so breiten Raum einnimmt, dass sein Menschsein darin zu kurz kommt bzw. verschwindet?

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