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Gebet – unbezahlbar

Wenn ich an das Gebet denke in dieser Zeit, dann bin ich so dankbar, dass ich so zu Gott sprechen kann. In unvorstellbar kurzer Zeit hat ein Virus unsere Welt vollständig aus den Angeln gehoben. Was haben plötzlich die Sorge um meine Gesundheit, die Isolation und existenzielle Ängste in dieser Krise für eine Macht. Wie gern würden wir einfach zur Tagesordnung übergehen und können es nicht.

Wie hat es da Bonhoeffer in seinem Lied beschrieben, „Von guten Mächten wunderbar geborgen…“, Worte, die plötzlich eine ganz neue Tiefe und Bedeutung bekommen, wie sehr wünschen wir uns das. Ist es da nicht wertvoll bzw. unbezahlbar, im Gebet dieses alles an unseren Vater im Himmel abgeben zu können?

Aber es gibt ja ganz viele Gebete, die mich jeden Tag begleiten.

Ich denke an das Gebet für andere, für meine Kinder, die ich jeden Tag segne, oder die Nachbarn, die ich gerne mit bei Jesus sähe und denen ich für die vielen Streitereien mit anderen Nachbarn Frieden wünsche. Oder natürlich das Gebet für Kranke, das uns jeden Tag aufs Neue auf die Knie gehen lässt. Eine liebe langjährige Freundin hatte einen Hirntumor, der im letzten November entfernt wurde. Erst das Gebet für eine erfolgreiche Operation und jetzt das Gebet, dass die Chemo hilft und sie gesund wird und in Zeiten von Corona beschützt bleibt.

Ich erinnere mich auch an die Situation meiner Schwiegermutter kürzlich. Sie ist im Dunkeln auf dem Hof gestürzt und hat sich das Handgelenk gebrochen. Unser Gebet war: „Jesus, bitte heile das Handgelenk und schenke ihr wieder volle Bewegungsfreiheit.“ Immer wieder bete ich im Alltag und freue mich an Dingen, die Jesus schenkt, und auch an den Lasten, die er mir und den Gebetsempfängern abnimmt.

Es gibt auch vergebene Gebetschancen. Die Arbeitskollegin, die sich mir anvertraut, weil sie mit dem Stress nicht mehr klar kommt. Ein langer Mittagsspaziergang, in dem ich ihr erzählt habe vom Glauben und dass ich Jesus immer wieder alles abgeben kann, was mich belastet. Hinterher habe ich mich geärgert, nicht mit Ihr gebetet zu haben. Jetzt bete ich für eine zweite Chance.

Was mich immer wieder sehr bewegt, ist unser Gebet mit anderen und für andere: im Hauskreis, im Gebetskreis, im 24-Stunden-Gebet. Jesus lässt sich mit unserem Gebet erreichen und antwortet. Ich bin so dankbar für Dinge, die geschehen, weil sie im Gebet vorbereitet wurden. Menschen versöhnen sich, weil andere dafür gebetet haben, Heilung geschieht im Innen und Außen, weil jemand dafür gebetet hat. Oder verfolgte Christen berichten von unglaublicher Nähe Jesus in Ihrer Verfolgung, weil andere für sie beten. Ich bete, dass dies so bleibt.

Es geht nicht um besondere Formulierungen oder Techniken. Es geht darum, mich mit allem was mich bewegt, den kleinen wie den großen Dingen, immer wieder vertrauensvoll an den zu wenden, der mir sagt: Ich bin dein Vater, ich bin der Gott, der dich sieht und immer an deiner Seite ist. Gott lädt mich ein, in JEDER SITUATION, MIT JEDEM ANLIEGEN vor ihn zu kommen und auch, wenn ich vielleicht nur schreien kann: Ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Das ist für mich unbezahlbar und ich möchte Ihnen Mut machen, sich auf diese Abenteuer einzulassen – jeden Tag neu!

Markus Gehenio