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Mit Jesajas Zuspruch gegen die Corona-Müdigkeit

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jesaja 40,31)

Wie geht es Ihnen heute? Und wie ist es Ihnen ergangen in den letzten Wochen und Monaten? Fühlen Sie sich vielleicht auch inzwischen ein bisschen müde und kraftlos? Beinahe täglich neue Verordnungen und Bestimmungen. Seit einigen Wochen immer weitere Lockerungen, die vor allem unsere Familien in der letzten Zeit vor beinahe täglich neue Herausforderungen stellten. Lange Zeit keine Schule, in den Kitas nur Notbetreuung und dann die langsame Öffnung und immer wieder das Wort „Regelbetrieb“, der aber doch natürlich in dieser Zeit keiner sein konnte.

Ich habe großen Respekt vor allen Kita- und Schulleitungen, die oft freitagmittags damit konfrontiert wurden, was bereits zum kommenden Montag umgesetzt werden sollte. Auch wir haben es in der Gemeinde erlebt mit der Erstellung von Hygienekonzepten, die ständig wieder neu überarbeitet werden mussten.

Von daher ist es wirklich gut, dass nun erst einmal Ferien sind, auch wenn jetzt schon wieder neue Konzepte winken, die nach den Ferien umgesetzt werden sollen. Und dabei weiß ja niemand von uns, wie es weiter gehen wird.

Wird es eine zweite Ansteckungswelle geben? Die Wissenschaftler*innen sind sich nicht einig. Was wir aber schon jetzt immer wieder erleben, sind neue Zwischenfälle, neue sogenannte „Hotspots“… in Fleischfabriken und anderswo. All diese Berichte bereiten nicht nur Sorgen, sie machen auch müde, finde ich.

Viele Menschen sind sozusagen am Limit, die in diesen Zeiten permanent durcharbeiten mussten in Bereichen, die uns früher vielleicht gar nicht als „systemrelevant“ in den Sinn gekommen wären. Bei allen ist die Sehnsucht nach Ausspannen können und Kraftschöpfen groß.

Und vielleicht mischt sich in all diese momentane Befindlichkeit auch manchmal die Frage, wie wir denn mit Gott in diesen Zeiten rechnen können? Und das ist natürlich eine ganz alte Frage, die sich die Menschen in Krisensituationen immer wieder gestellt haben: Ist Gott noch immer für uns da? Wird er uns in dieser Krise beistehen und uns heraushelfen?

Das jedenfalls sind die Fragen, die dem Propheten Jesaja vor ungefähr 2500 Jahren gestellt wurden, nachdem sich das Volk Israel schon so lange Zeit in babylonischer Gefangenschaft befand. In diesen Jahrzehnten fern der Heimat sind die Menschen müde geworden, die Hoffnungslosigkeit immer mehr gewachsen. Und Gott – wo ist er gewesen, wo ist er jetzt? Warum greift er nicht endlich ein? Jesajas Antwort ist unmissverständlich:

„Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Er weiß, dass Gott den Müden Kraft und Stärke geben kann und es auch tut. Er hat gesehen, dass das Volk am Ende ist, kraftlos. Sogar die jungen Leute, normalerweise vor Kraft und Energie nur so sprudelnd, können in dieser verzweifelten Lage nichts ausrichten, weil auch sie matt und müde sind.

Jesaja verspricht, dass alle neue Kräfte, neuen Mut und Hoffnung bekommen werden, wenn sie darauf vertrauen, dass Gott ihnen beisteht. Dann wird ihnen Zuversicht zuwachsen, sie werden beflügelt werden, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn sie werden sich aus ihrer niedergedrückten Haltung wieder aufraffen, sie werden aufstehen und sich aufschwingen, wie ein Adler seine Flügel ausbreitet und sich in die Lüfte schwingt. Sie werden ihre Wege wieder gehen können, ohne vor Müdigkeit und Mutlosigkeit zu stolpern und zu straucheln.

Und so geschah es damals auch. Und später durften die Menschen auch in ihre Heimat zurückkehren.

Die Worte des Jesaja haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren, darauf vertraue ich fest. Sie wollen uns auch gerade heute Mut machen und uns aufrichten. Gott wird uns helfen, unsere persönlichen Kraftquellen zu finden, im Gespräch mit ihm – alleine oder im Gottesdienst. Vielleicht auch in uns selbst, bei uns Zuhause auf dem Balkon oder in unserer unmittelbaren Umgebung, in der Gruga, im Wald oder auch an einem anderen Ort, in der Familie und bei Freund*innen.  Auch dieser Sommer wird eine Menge für uns bereithalten, da bin ich mir sicher!

Und ich wünsche uns, dass wir uns in allem erfrischt und frei fühlen dürfen. Gott wird immer bei uns sein, darauf dürfen wir fest vertrauen.

Amen.

Sabine Grüneklee-Herrmann

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