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Lasst uns das Zuhören neu einüben!

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. (Jakobus 1,19)

„Mir hört doch sowieso keiner zu!“ Kennen auch Sie diesen Satz? Mir selber ist er in den zurückliegenden Monaten immer wieder begegnet – als Statement der „Unerhörten“, von denen es auch in unserer Stadt viele gibt. Menschen, die sich zunehmend verlassen fühlen. Die täglich die Erfahrung machen, dass ihre Interessen, ihre berechtigten Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Wohlstand nicht gesehen werden oder sogar bedroht erscheinen. Und die mit ihren Lebensentwürfen in den Medien und der Politik, und eben auch in unseren Kirchengemeinden manchmal nicht oft genug vorkommen – ein Problem, das das friedliche Miteinander in unserer Stadt zunehmend belastet, wie ich meine.

Aus diesem Grund wollen wir als Evangelische Kirche im neuen Jahr 2020 das Zuhören in den Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe stellen: Von den Osterferien bis zum „Tag der offenen Gesellschaft“ Mitte Juni werden Dienste, Einrichtungen und Gemeinden des Kirchenkreises ein aktuelles Motto der Diakonie in Deutschland aufgreifen und mehrere Veranstaltungen zum Thema „Die Kunst des Zuhörens in ´unerhörten´ Zeiten“ durchführen. Für mich geht es um ein aktives Zuhören, bei dem ich neugierig bin auf mein Gegenüber und die Resonanz im Blick habe. So, wie Jesus die Menschen in ihrem Alltag bewusst wahrnahm, sich auf ihre Situation einließ und ihnen zuhörte. Besonders denen, die sich ungehört fühlen.

Erste Idee stehen im Raum: Vom Zuhören in der Seelsorge, über eine Ausstellung und ein Bürgergespräch in der Marktkirche bis hin zu einem offenen Demokratiefrühstück für alle Bürgerinnen und Bürger. Immer steht die besondere Qualität des Zuhörens im Mittelpunkt, das einen Resonanzraum herstellt, wie es der Soziologe und Politikwissenschaftler Professor Dr. Hartmut Rosa beschreibt: Resonanz ereignet sich, indem wir zuhören, uns berühren lassen und erst dann antworten, handeln. Biblisch gesprochen:

„Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn“ (Jakobus 1,19).

In diesem Sinne danke ich all denen, die im zurückliegenden Jahr 2019 in der Nachbarschaft, in der Gemeinde, in der Stadt mit uns und mit anderen ins Gespräch getreten sind, zugehört und die Anstrengung des kontroversen Dialogs gewagt haben. Ich freue mich auf viele Begegnungen mit Ihnen im neuen Jahr 2020!

Marion Greve