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Blick nach vorn

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

„Dreh dich nicht um, der Plumpsack geht um; wer sich umdreht oder lacht…‟ Wie oft habe ich als Kind mit anderen zusammengesessen und dieses Spiel gespielt. Und ich weiß noch sehr genau, wie schwer das war, sich nicht umzudrehen. Manchmal hat man versucht, nach links oder rechts hinten zu blinzeln oder vorsichtig mit einer Hand zu tasten, ob der Plumpsack vielleicht doch hinter einem liegen geblieben ist.

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes: Dieses Bild, nicht zurückzublicken, wird öfter in der Bibel verwendet. Zum Teil auch in durchaus bekannteren Geschichten und Worten. In dieser Geschichte bei Lukas, aus der unser Vers stammt, bittet jemand, der Jesus nachfolgen will, um die Erlaubnis, zunächst noch seinen Vater zu beerdingen und Jesus antwortet: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!“ (Lukas 9,59-60).

Einem anderen, der sagt, dass er sich nur eben noch von seiner Familie verabschieden möchte, antwortet er mit dem eingangs zitierten Satz: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Das sind ziemlich heftige Worte und dieser Umgang mit den Menschen, die zu ihm kommen, die bereit sind, alles andere stehen und liegen zu lassen, um mit ihm zu ziehen, dieser Umgang ist alles andere als einfühlsam oder gar seelsorgerlich.

Ich denke, dass das uns allen so geht. Wir sind geschichtliche Wesen und das heißt eben auch, unsere Vergangenheit ist Teil von uns, hat uns geprägt, hat uns so werden lassen, wie wir sind. Und in unserem Alltag kommt das durchaus häufiger vor, dass gerade das Zurückblicken, das Sich-Erinnern wichtig ist. Es hilft uns, es hilft uns beim Abschied nehmen und beim Ausdrücken von Trauer über Abschiede, es hilft uns bei Konflikten und Problemen, wenn wir auf gemachte Erfahrungen aufbauen können, es hilft uns beim Feiern, wenn wir uns an dem freuen, was gelungen ist, was gut war.

Es gibt eine andere, vielleicht viel bekanntere biblische Geschichte, in der es zwar ebenfalls um das Verbot des Zurückblickens geht, die mir aber dennoch einen Zugang auch zu diesem Vers gibt. Es ist die Geschichte von Lot und seiner Frau, die in Sodom wohnten, einer Stadt, in der Mord und Totschlag, Unrecht und Vergewaltigung, Ausbeutung und Hass an der Tagesordnung waren.

Und es wird erzählt, dass Gott beschlossen habe, diese Stadt zu vernichten, aber bereit ist, Lot, seine Frau und Familie zu erretten. Und er weist sie an, die Stadt zu verlassen und sich nicht umzublicken.

Auf der Flucht drehte sich Lots Frau dennoch um, um zurückzublicken, und sie erstarrte zur Salzsäule. Um in diesem Bild zu bleiben: genau darum geht es wohl, um die Erstarrung in der Vergangenheit. Es gibt Menschen, die nicht anders können, als sich immer wieder an dem festzuhalten, was war; all das muss bewahrt bleiben und darf nicht verändert werden, und sei es noch so mangelhaft oder ungenügend gewesen. Solch ein Zurückblicken macht phantasielos und arm. Und genau dagegen scheint sich das Verbot zurückzublicken in diesem Fall zu richten.

Der Blick auf das Reich Gottes, der Blick nach vorne, setzt geradezu auf Veränderung, setzt auf Träume und Verwirklichung von mehr Gerechtigkeit und Liebe in dieser Welt.

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Das ist in Wahrheit eine alte Bauernregel, im wahrsten Sinne des Wortes: wer einen Pflug in der Hand hat und sich permanent umdreht, dessen Furche wird nicht gerade, die eiert hin und her. Eine Lebenslinie wird krumm.

Übrigens, manchmal ist der Plumpsack tatsächlich hinter mir liegen geblieben. Dann musste ich in die Mitte, ins „faule Ei‟, so haben wir das genannt. Auch das gehört dazu, dass wir manchmal dasitzen, ein Stück gelähmt und erstarrt. Da ist die Rede von der Hand an dem Pflug kein Trost. Eher das andere Wort, das ich genauso liebe: Gott schreibt auch auf krummen Wegen gerade.

Wolfgang Blöcker

Ein Gedanke zu „Blick nach vorn

  1. Eine sehr gute Geschichte für Menschen, die sich gerade in einer sehr schlimmen Lebenskrise befinden. Mich hat der erste Teil der Geschichte erst einmal sehr erschreckt, und irritiert. denn jeder Mensch hat eine Vergangenheit, die bei allen Menschen sehr unterschiedlich ist. Aber ohne unsere Vergangenheit gäbe es keine Gegenwart, kein Heute, keine Zukunft. Das wissen vor allem diejenigen, die z.B. eine Amnesie haben, die alles vergessen haben, die weder in der Vergangenheit leben können noch nach vorne schauen können, weil sie ihr Leben vergessen haben oder sogar ihnen eigentlich vertraute Menschen nicht mehr erkennen. Sie müssen alles neu lernen. bzw. man muss der Ursache auf den Grund gehen. Da ist die Anweisung von Lukas sehr hart und – wie geschrieben – wenig einfühlsam. Das hat mich zutiefst irritiert. Vor allem je älter man wird , um so wichtiger ist auch für ältere Menschen das „Zurückblicken- können“ ein wichtiger Teil in ihrem Leben. Wie der Schreiber es schon sehr schön ausgedrückt hat, die Vergangenheit und das „Zurück- blicken- können“ hilft uns in allen Lebenslagen. Ohne diese Möglichkeit kann ein Mensch gar nicht existieren. Bei vielen ist es schon so unbewusst, das sie nicht unbedingt merken, dass sie gerade wieder an „alte Zeiten“ gedacht haben. Aber der Schreiber erklärt auch, was eigentlich mit diesem “ Nicht- Zurückblicken“ gemeint ist. Dann ist man nicht offen für Veränderungen. Das Beispiel mit Sodom und Gomorrha ist gut gewählt. Denn so bekomme ich auch erst den Bezug zu dem Vers von Lukas. Da ich selbst krank bin, kann ich deshalb mit dem Lukas-Vers, so wie er da steht, nichts anfangen, weil ich damit hadern würde und das Verhalten Lukas als grausam und sogar menschenverachtend empfinden würde.. Die letzten Sätze geben einem Menschen, auch einem kranken Menschen, erst wieder die Hoffnung, die man so braucht. Besonders da Gott doch als ein liebender Gott beschrieben wird und nicht als ein strafender, gefällt mir der letzte Satz: „Gott schreibt auch auf krummen Wegen gerade“ . Wie viele Menschen, gibt es, die das Zurückschauen auf gute Ereignisse brauchen, um gesund zu werden. Die Vergangenheit ermöglicht uns erst Gegenwart und Zukunft. Das habe ich auch erfahren müssen. Sonst funktioniert das Leben nicht .Aber der letzte Satz, dass Gott auch auf krummen Wegen gerade schreibt, gibt die Hoffnung, die man so dringend braucht, und damit kann ich auch etwas anfangen und in der Hoffnung auf Gott vertrauen.

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