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Gottes Lied bringt uns in Bewegung

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder … Singet, rühmet und lobet! (Psalm 98)

Man muss in diesen Tagen nur hinaussehen, um zu verstehen, was der Psalmist meint: der Frühling bringt Leben und Farbe in diese Welt. Das Erwachen rings um uns herum tut gut – zumal in unseren schwierigen Zeiten. Man hat das Gefühl, dass dieses Leben und diese Farben auf die Menschen übergehen und mehr als nur hier und da ein Lächeln in die Gesichter zaubert. Es liegt trotz aller Beschwernisse dieser Zeit zuweilen eine Leichtigkeit in der Luft. Und eines wird uns in alledem auch wieder bewusst: Es gibt sie tatsächlich, diese Sehnsucht danach, wieder gemeinsam zu singen.

Und das ist eigentlich wirklich eine gute Nachricht. Auch wenn jetzt wenig möglich ist, ist das doch eine schöne Erfahrung: es gibt Situationen und Augenblicke, die einen singen lassen. So, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt.

Genau davon erzählt unser Psalmist. Eben dazu möchte er uns einladen. Und er tut damit eben deutlich mehr als unsere selbsternannten Stimmungskanonen. Kommt Gott ins Spiel, fängt er an zu singen. Hier kommt etwas in Bewegung. Hier stimmt mit Harfen, Saitenspiel, Posaunen und Trompeten nicht nur ein halbes Orchester mit ein, hier beginnt die Welt sich zu verändern: ob das Meer, alle Menschen, die auf dieser Erde wohnen, die Flüsse und Bäche, die in die Hände klatschen, die Berge, die so fröhlich sind, dass man es ihnen ansehen kann.

Hier kommt mächtig etwas in Bewegung.

Auch wenn ich mir im Moment nicht so recht vorstellen kann, wie ein Wasserlauf in die Hände klatscht, so ist das doch ein wunderbares Bild, das mich einnimmt: wenn wir von unserem Gott erzählen, dann gerät mächtig etwas in Bewegung – bei uns, den Menschen um uns herum, ja selbst in der Schöpfung regt sich Unfassbares.

Die Erinnerung daran tut oftmals Not. Gerade auch in unserer Zeit, in der uns nicht nur aus gebotener Vorsicht in virenreicher Zeit, sondern auch angesichts der Schrecken dieser Welt das eine oder andere Lied im Halse stecken bleibt. Und dabei ist diese Hoffnung mehr als ein Bügeleisen, das mal eben alle Unebenheiten, Fragen und Sehnsüchte in unserem Leben schön glattbügelt.

Diese Hoffnung möchte uns gerade heute stärken und ermutigen – inmitten dieser seltsamen Zeiten, in denen selbst gemeinsames Singen ungeahnte Gefahren in sich birgt. Unser Gott kommt in unsere Welt – und wir finden die Sprache wieder: um einzustimmen in dieses Gebet und Lied, die auch andere einladen und anstecken möchten.

Und das darf dann tatsächlich jede und jeder hören. Gerade wenn wir wieder einmal allein vor uns hinsingen, weil alles andere gerade nicht möglich ist.

Wir beten:

Wir bitten dich, Gott, komm! Komm in unsere Welt! Komm in unsere Zeit! Komm in unser Leben! Und lass uns davon singen – immer wieder und immer wieder neu. Lass uns diese Hoffnung als Ermutigung und Bestärkung erleben. Damit sie uns durch diese Zeit trägt. Und lass uns diese Hoffnung in die Welt tragen, damit kein Menschenkind vergessen ist. Amen.

Jörg Herrmann