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Von Scherben, Chancen und Neuanfang

Da liegt sie, die wunderbare Keramikschale, zerschellt in tausend Teile. Die schöne Urlaubserinnerung ein Haufen Scherben. Dabei war sie so stabil, so sicher im Stand, strahlend in ihrer Bemalung, ein echt gutes Stück. Durch eine einzige unvorsichtige Bewegung ist davon nicht mehr viel übriggeblieben. Nun liegen die Scherben auf dem Boden.

Auch im Leben kennen wir Brüche. Vorstellungen, Beziehungen, Lebensgrundlagen geraten ins Wanken und zerbrechen. Nicht selten sagen Menschen: „Ich stehe vor einem Scherbenhaufen.“ Die zerborstene Keramikschale und der Scherbenhaufen des Lebens, was ist zu tun? Zusammenkehren und entsorgen?

Werfen wir einen Blick auf Paulus, dessen Perspektiven und Vorstellungen zunächst innerlich zu Bruch gingen, bevor er eine ganz neue Perspektive erhielt: Paulus war ein fanatischer Gegner der Christen, der mit allen Mitteln versuchte, die Ausbreitung des neuen christlichen Glaubens zu verhindern. Um für Ordnung zu sorgen, war er auf dem Weg nach Damaskus. Unterwegs zerbrach ihm alles, was ihm bisher so klar und sicher gewesen war. Von einem starken Licht geblendet, fiel er zu Boden. Mit diesem Sturz ging dem selbstbewussten und tatkräftigen Paulus alles zu Bruch, was ihm bisher wichtig gewesen war.  Als ob eine Schale zu Boden gefallen und in viele Teile zerbrochen ist.

Paulus erkannte nur langsam, dass er Jesus, den er verfolgte, begegnet war. Sein Leben hatte eine Wende vollzogen, der Glaube, den er unterdrücken wollte, war nun zu seinem eigenen geworden. Wenn Sie auf Ihr Leben schauen, dann können Sie sicher von ähnlichen schmerzhaften Brüchen erzählen. Vielleicht aber ist der eine oder andere Bruch auch zu einer zweiten Chance geworden. Im vermeintlichen Abbruch kann auch ein Aufbruch, ein Neubeginn stecken, der das Leben durchaus verändert, aber vielleicht reicher und tiefer macht.

Aber es braucht Zeit, mit den Brüchen im Leben umgehen zu lernen. Auch Paulus brauchte diese Zeit. Er war nicht von heute auf morgen der Missionar, als den wir ihn kennen. Die Begegnung mit den Christen in Damaskus hat ihm geholfen, sein Leben und seinen Glauben neu auszurichten.

Die Scherben im Leben des Paulus sind zum Symbol für einen Neuanfang, eine zweite Chance geworden. Denn etwas Neues kann erst entstehen, wenn etwas Altes zurückgelassen wird. Seine alten Vorstellungen mussten zerbrechen, um zum Glauben an Jesus Christus zu finden. Das ist sicher ein Prozess gewesen, der auch mit Trauer und Schmerz verbunden war.

Aber so nach und nach werden die Scherben neu geordnet. Er taucht ein in das Leben und Denken der Christen, die sich in Damaskus um ihn kümmern. Und so werden die Scherben seines alten Lebens allmählich zum Teil eines Neuen, eines wunderschönen und bunten Mosaiks.

Am Leben des Paulus können wir ablesen: Gott schenkt eine zweite Chance, weil er die Scherben, die jedes Leben hinterlässt, nicht als wertlos ansieht. Gott kann die Scherben zusammensetzen. Aus dem scheinbar Wertlosen kann Neues entstehen, auch aus dem Scherbenhaufen unseres Lebens. Der Schöpfer gibt sein Geschöpf niemals auf. Es mag Risse und Narben bekommen, aber machen die uns nicht umso interessanter?

Erzählen Sie doch von Gott, der Scherben nicht entsorgt, sondern Neues daraus formt. Ihm können wir getrost die Scherben unseres Lebens überlassen und darauf vertrauen, dass er sie auf ganz neue Weise zusammenfügt.

Karin Pahlke

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