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Über das Hamstern | In Zeiten von Corona #2

Es wartet alles auf dich, Herr, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. (Psalm 104,27-28) – Ihr habt schon geschmeckt, dass der Herr freundlich ist. ( 1. Petrus 2,3) | Herrnhuter Tageslosung für den 18. März 2020

Vorgestern habe ich zum ersten Mal eine Hamsterin gesehen. In meinem kleinen Stadtteilsupermarkt, mit dem eher unattraktiven Sortiment; ihr Wagen berstend voll mit Milch, Mehl, Nudeln und Klopapier!

Dass bei LIDL und ALDI bereits Scharen von Hamsterern gewesen waren, war mir durch spottende WhatsApp-Bildchen schon ein paar Tage zuvor zugetragen worden. Das konnte ich noch gut abtun: wie irre ist das denn! Wie übertrieben diese Panik! So würde ich mich nicht verhalten. Ich kaufte kein Klopapier und keine Konservendosen – um es mir zu beweisen: Das alles hier hatte mit mir nichts zu tun. Corona würde mich nicht erreichen, wenn ich das Thema nur intensiv genug von mir weghalte, einfach zum Thema „der anderen“ machte.

Die Frau in meinem Supermarkt in der Schlange gleich hinter mir – sie hat es mir schlagartig klar gemacht: Corona ist mein Thema, ob ich will oder nicht. Ich mache mir Sorgen, ob ich erkranke, oder mein Mann, der unabkömmlich an seinem Arbeitsplatz ist und mit einer ganzen Menge Leute jeden Tag zusammenkommt. Oder meine allein lebende Tochter in Bochum oder meine andere Tochter mit ihrem Säugling oder ein lieber Freund, der Lungenkrebs hatte und gerade erst genesen ist oder…

Ich verstand nun die symbolische Bedeutung der vollen Einkaufswagen und verachte Keine*n mehr, der*die sich auf diese Weise stärkt und sichert. Aber vor allem: ich will auch hamstern!

Denn: ich fühle ich mich entsetzlich hungrig! Spüre heftig den Mangel und habe keine Ahnung, wie ich satt werden könnte; fühle mich ausgeliefert und bedroht und hilflos. Und habe keinen Plan, wie ich mit der Angst fertig werden kann. Deshalb will ich hamstern.

Einkäufe von Lebensmitteln aus dem Supermarkt erscheinen mir allerdings immer noch nicht die beste Lösung.

Die beiden Verse der heutigen Tageslosung sprechen auch von einer Möglichkeit zum Hamstern: Die Menschen, die hier von ihren Erfahrungen mit Gott berichten, erzählen vom Sattwerden und von der freundlichen Fürsorge, die man durch Gottes Nähe erleben wird. Sie erzählen von ihrem Geborgensein und ihrer Zuversicht, dass Gott es gut mit ihnen meint. Sie erteilen die Erlaubnis zum Loslassen von Sorgen und zum Abstandnehmen vom Grübeln. Sie bieten eine große Ladung an: packt euch voll mit Vertrauen in Gottes Liebe.

Hamstern – ausdrücklich erwünscht!

Hamstert das Zutrauen und die Hoffnung, dass Gott da ist und unsere entleerten Ressourcen auffüllt mit Kraft und unseren angespannten Nerven Erholung schenkt. Alles zur rechten Zeit. Alles, damit wir es trotz allem gut sein lassen können.

Bleiben Sie gut behütet!

Anke Augustin