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Tolle Tage in Thailand

Wenn die Christen im Frühjahr Ostern feiern, gibt es etwa zeitgleich im buddhistischen Thailand drei (oder auch mehr) „tolle Tage“, bei denen man riskiert aus Wasserpistolen bespritzt zu werden, oder gar einen Eiswasserschwall aus einem Eimer abzubekommen, der mit Schwung quer über die Straße geschüttet wird.
Songkran – so heißt dieses Fest. Und was einmal sehr gesittet begonnen hat – dass nämlich zu Songkran öffentlich ausgestellte Buddhafiguren mit Wasser übergossen werden, oder auch ältere Menschen geehrt werden, indem man ihnen zu Songkran Blütenwasser über die Hände gießt – das ist mittlerweile zu einer ausgelassenen Straßenparty geworden, an der sich auch nicht wenige ausländische Touristen hingebungsvoll beteiligen.
Doch worum geht es im Kern bei diesem Fest? Songkran markiert das thailändische Neujahr während der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Und das Ausgießen des Wassers ist Teil eines umfassenden Reinigungsrituals, zu dem traditionell auch ein umfassender Hausputz gehört.
Diese Vorstellungen lassen Westeuropäer natürlich aufhorchen. Der große Frühjahrsputz ist ja auch in Deutschland bekannt. Und die christlichen Feiertage zwischen Karneval, Fastenzeit und Ostern wollen die Winterschwere hinter sich lassen, um den Weg für das Neue zu öffnen. Bis hin zum Symbol des Wassers: gerade in der Osternacht werden traditionell Taufen gefeiert – mit dem Taufwasser, in dem der „alte Mensch“ abgewaschen (Martin Luther schreibt: „ersäuft“) wird und der „neue Mensch“ zum Leben aufsteht.
Im Neuen Testament gibt es dazu eine hintersinnige Geschichte: Im Gespräch mit einer Frau am Brunnen stellt Jesus die Frage, wie eigentlich ein Wasser beschaffen sein müsste, das den Durst nicht nur für den Moment löscht, sondern auf Dauer stillt (Johannesevangelium, Kapitel 4).
Das Stichwort „Lebensdurst“ lässt nun wiederum auch Buddhisten aufhorchen. Denn nach der Lehre des Buddha ist ja gerade der menschliche „Durst“ die Ursache alles Festhalten Wollens und aller leidvollen Wiedergeburten.
Wie auch immer man es sehen will: wenn wirklich ein Neubeginn gelingen soll, dann wird das nicht ohne Loslassen, ohne „Reinigung“ gehen. Und mit der Klärung der Frage, aus welchen Quellen ich mein Leben so schöpfen kann, dass es nach Befreiung und Ewigkeit schmeckt.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern von „Himmelrauschen“ eine gesegnete Zeit zwischen Ostern und Pfingsten!

Ulrich Holste-Helmer

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