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Ein Korn, eine Ähre, ein ganzes Feld

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein: wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24)

Aus einem Weizenkorn wächst ein Halm mit zwei bis drei Ähren. Die ergeben zusammen ca. 120 Körner: Aus eins wird 120. Und wenn ich die 120 aussähe, ergeben sie schon 14.400. Und wenn wir das weiter fortsetzten, erhalten wir irgendwann ein ganzes Weizenfeld.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, sagt Jesus, bleibt es allein. Ein einzelnes Korn, gut gelagert, verdirbt nicht. Es bleibt so wie es ist, schön und unversehrt. Und das über Jahre, Jahrzehnte. Archäologen haben sogar Körner entdeckt, die nach Jahrhunderten noch keimfähig waren.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Es kann das, was in ihm steckt, seine innewohnende Kraft, nicht entfalten, und sich somit auch nicht einbringen und anderen zur Verfügung stellen. Es bleibt allein. Nur wenn es stirbt, so Jesus, bringt es Frucht, sogar viel Frucht.

Unverkennbar erinnern diese Worte Jesu an seinen eigenen Lebensweg. Er ist ihn konsequent gegangen. Er hat sich hingegeben an Gott und an die Menschen, bis in den Tod. Liebe bis in den Tod. Was für eine große, unglaubliche Tat?! Mit großem und tiefen Respekt schaue ich auf Jesu Leben und seinen Weg. Ich frage mich: Könnte ich das, mein Leben hingeben? Wollte ich das für einen noch so guten Zweck? Ist mir mein Leben nicht viel zu lieb und zu teuer?

Ich komme mir manchmal vor wie ein kleines Korn und frage mich: Was kann ich schon bewirken? Welche Möglichkeiten habe ich?

Ich gebe mir zwar redlich Mühe. Doch hilft es den Bauern in Äthiopien oder Peru wirklich, wenn ich fair gehandelte Produkte kaufe? Oder mein Patenkind in Indien unterstütze? Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es gibt so viele Kinder, die auf sich allein gestellt sind, hungern müssen, keine Ausbildung erhalten oder sogar an Hunger sterben.

Und ich – ich bin ein Mensch unter sieben Milliarden, ohne großen Einfluss, ohne viel Macht.

Ich schaue mir noch einmal dieses kleine Korn an und mache mir klar: Es ist entstanden, weil es ein anderes winziges Korn gab, dass jemand in die Erde gelegt hat. Daraus erwuchsen ein Halm und schließlich eine Ähre. Und diese stand zwischen vielen anderen. Ich sehe ein ganzes Feld vor mir. Und bei jedem leichten Wind wiegen die Ähren hin und her.

Ein Feld mit unzähligen Ähren. Wäre dieses kleine Körnchen in dem Glas geblieben, wäre nichts passiert. Erst nachdem es in die Erde gekommen ist, sich hingegeben hat, konnte es sich verwandeln und entfalten.

Mich ermutigt das. Ich bin nicht alleine. Da gibt es viele, viele andere mit mir. Da gibt es viele, die fair gehandelten Produkte kaufen, immer mehr auf Plastiktüten verzichten, Patenkinder in der großen Welt unterstützen. Da gibt es viele, die für Nahrung und Bildung sorgen. In diesen vielen blüht etwas auf von der Liebe Jesu, von einer Liebe, die den Tod überwindet.

Hingabe ist so ein großes Wort. Für mich heißt es, als kleines Korn nicht im Glas zu bleiben und mich dort bewundern zu lassen, sondern mich einsetzen, brauchen lassen, für andere Menschen da sein. Und auch zu erleben, was ich bewirken kann. Und das ist gar nicht so wenig. Es gibt natürlich Dinge, die ich nicht kann. Doch die können andere. Gemeinsam können wir Berge versetzen.

Das macht mir Mut. Ich möchte mich nicht kleiner machen als ich bin. Ein Korn, eine Ähre, ein ganzes Feld – dieses Bild nehme ich mit.

Heiner Mausehund

Ein Gedanke zu „Ein Korn, eine Ähre, ein ganzes Feld

  1. Danke Heiner für deinen ermutigenden schönen Beitrag. Es ist wahr, wenn sich jeder Mensch mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten einbringt, können wir zusammen einiges bewirken und die Welt ein kleines bisschen besser machen.

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