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Der Heilige Nikolaus – ein Kinderfreund aus der Türkei

Demre heißt das kleine Dorf an der türkischen Mittelmeerküste heute. Nur die Reste einer großen Kirche erinnern noch an die reiche Hafenstadt Myra, die dort im ersten Jahrtausend nach Christus lag und in der am Anfang des 4. Jahrhunderts der Heilige Nikolaus als Bischof wirkte. Wir wissen nur wenig über Nikolaus: als junger Mann hat er noch die letzten Christenverfolgungen durch den römischen Kaiser Diokletian erlebt. Später, im Jahr 313, erhob dann Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich.

Die ältesten Legenden über Nikolaus zeigen einen Bischof, der sich für Arme und Notleidende einsetzt und dabei auch großzügig mit den Schätzen der Kirche umgeht: so habe er heimlich eine vergoldete Kugel in das Haus eines verarmten Witwers geworfen, der sich in seiner Not gezwungen sah, seine drei Töchter in die Prostitution zu verkaufen. Dieses heimliche nächtliche Geschenk ist übrigens der Ursprung des bis heute gepflegten Brauches, zum Nikolaustag einen Schuh oder Strumpf vor die Tür zu stellen, um am darauf folgenden Morgen darin ein überraschendes Geschenk zu finden.

Nach dem Tod des Nikolaus (um das Jahr 350) wurde er schon bald als Heiliger verehrt. Seit dem 11. Jahrhundert breitete sich diese Verehrung auch in Westeuropa aus: viele der ältesten Kirchen dort wurden nach ihm benannt, und er wurde zum Schutzpatron verschiedenster Beruf und Stände – unter anderem auch der Seefahrer, weil eine andere Legende berichtete, er sei Schiffern im Sturm erschienen und habe sie und ihr Schiff gerettet.

Im Mittelalter wurde die Erinnerung an den Heiligen Nikolaus mit dem Brauch verbunden, in der Vorweihnachtszeit in den Schulen für einen Tag einen „Kinderbischof“ zu wählen, der auch Geschenke zu verteilen hatte. Daraus entstand dann in den folgenden Jahrhunderten eine Vielzahl von Bräuchen, die den Heiligen am 6. Dezember auftreten ließen: allein im Bischofsgewand, oder auch in Begleitung des dunklen „Knecht Ruprecht“, und häufig auch als strenger Sittenwächter, der die Kinder nach Katechismusversen und Gehorsam fragte.

Seit dem 19. Jahrhundert mischte sich dann das Nikolausbrauchtum mit der nordeuropäischen Märchenwelt – und aus den Wichteln, die mit dem Lasten-esel oder mit dem Rentierschlitten Geschenke bringen, wurde dann der „Weihnachtsmann“ (in England und in den USA „Santa Claus“) mit der roten Zipfelmütze oder Kapuze und dem großen Sack, aus dem er Geschenke verteilt.

Wie können wir heute angemessen an den Heiligen Nikolaus erinnern? Sicher nicht dadurch, dass wir ihn als Angst einflößenden Moralwächter oder harmlosen Geschenke-Opa mit langem Bart auftreten lassen.

Aber vielleicht so, dass wir an seine unkonventionelle Liebe zu den Kindern und den Notleidenden erinnern. Und dass wir in dem Heiligen Nikolaus auch einen Boten Gottes erkennen, der uns hinweist auf Jesus: das „Licht der Welt“, das alles Dunkel und Bedrohliche dieser Wintertage vertreiben will.

Ulrich Holste-Helmer

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