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Bestattung in Corona-Zeiten

Nun habe ich das also auch erlebt, eine Bestattung in Corona-Zeiten. Obwohl der Bestatter sich wirklich viel Mühe gegeben hat – wir durften ja nicht in die friedhofseigene Kapelle, sondern nur draußen; es durften nicht alle kommen, sondern nur eine ganz kleine begrenzte Anzahl von allernächsten Menschen – hat sich alles nicht so angefühlt wie sonst, irgendwie war auch hier alles falsch.

Doch, ich kannte die Verstorbene; doch, ich kenne auch Bestattungen mit wenigen Trauergästen; und ja, ich habe auch schon aus finanziellen Überlegungen Trauerfeiern vor der Friedhofskapelle gefeiert, aber dieses Mal…

Es wären mehr gekommen, viel mehr, da waren so viele Menschen, die sich gern „persönlich“ verabschiedet hätten, die gern auf dem letzten Weg mit dabei gewesen wären – ja, es kamen viele Beileidsbekundungen per Post, sicher mehr als sonst, sicher persönlicher als sonst, aber…

Aber – wir waren alle nicht so getragen in unserer Trauer, wie ich das sonst kenne.

Ich hatte mir Mühe gegeben, alles besonders persönlich zu formulieren, ich hatte versprochen, den kompletten Ablauf der Feier anschließend zur Verfügung zu stellen, aber…

Aber – wir standen alle mindestens zwei Meter voneinander entfernt, bis auf die, die zusammengehören, und es fehlte etwas.

Uns allen fehlte die persönliche Nähe, sich anfasen zu dürfen, sich in den Arm zu nehmen, auch das Miteinandersein nach der Beerdigung, noch einmal zu erzählen wie sie war, was sie ausgemacht hat, was man geliebt hat, sie noch einmal lebendig werden zu lassen in Erzählungen, miteinander zu weinen und zu lachen, sich zu trösten…

Ich spüre, beten hilft, miteinander und allein; und dann eben doch zu schreiben und zu telefonieren und sich zu versichern, dass man aneinander denkt und zu hoffen, zu hoffen, dass diese Krise bald ein Ende findet.

Gott, ich bitte Dich für alle Menschen, die in diesen Zeiten Abschied nehmen müssen, die dies unter Umständen in großer Einsamkeit tun müssen, die sich vielleicht noch nicht einmal von ihren Lieben verabschieden können.

Du allein weißt, wie schwer das ist, wie sehr es die Seele belastet, wie allein sich mancher und manche fühlt.

Hilf, dass wir einen Blick füreinander entwickeln, der gerade diese Nöte erkennt und wahrnimmt. Lass uns Möglichkeiten finden, füreinander da zu sein, ohne uns räumlich nah zu sein.

Gott, sei uns in diesen Zeiten besonders nahe und lass uns Zeichen Deiner Liebe erkennen.

Amen.

Friederike Seeliger