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Was erwartet uns im neuen Jahr?

Wem und worauf vertrauen Sie?

Im ausgehenden Jahr 2015 beschäftigt mich die Vertrauensfrage. Ich begegne vielen Menschen, die mir erzählen, dass sie ihr Vertrauen, dass schon alles irgendwie gut gehen wird, verloren haben. Die tröstliche Stimme meines alten Nachbarn: „Wird schon werden“ – irgendwie ist sie leiser geworden. Ja, das Jahr 2015 hat Vertrauen gekostet, in verschiedenen Bereichen. Was können wir vom neuen Jahr erwarten?

Weltweit sind zurzeit 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Nach der aktuellen Statistik des Bundesinnenministeriums kam es im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland zu mehr als 500 Übergriffen auf Wohnunterkünfte geflüchteter Menschen. Viele Menschen bei uns engagieren sich, um Flüchtlinge aufzunehmen und zu begleiten. Doch es gibt auch Demonstrationen gegen Flüchtlinge. Dazu politischer Streit über Grenzschließungen und den Bau von Zäunen an den Grenzen Deutschlands und Europas, der die Willkommenskultur in Frage stellt.

Was ist das Eigene? Was ist das Fremde? Ich freue mich an den vielen Gesprächen, in denen die Erkenntnis wächst, dass wir klären müssen, wer wir selber sind – und dazu auch stehen, um angstfrei mit den Fremden zu leben und um uns auch mit den Fremden vertraut zu machen.

Gleichzeitig erlebe ich mitten in die Verunsicherung hinein ein hohes Maß an Engagement, an Verbindlichkeit, an bürgerschaftlichen Aktivitäten, die mich beeindrucken. Da ist zum Beispiel jene Mutter von drei Kindern, die ich im Haus der Evangelischen Kirche treffe: Sie engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit, nimmt zweimal in der Woche die Nachbarskinder zum Handballtraining und singt abends im Gospelchor der Gemeinde. Ich staune, woher sie die Kraft nimmt – und gehe selbst ermutigt aus der Begegnung mit ihr hervor. Sie hat Vertrauen – zu Gott, zu sich selbst, zu den Menschen.

Von diesem Vertrauen ist auch die biblische Jahreslosung 2016 geprägt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“, heißt es im Buch des Propheten Jesaja (Jesaja 66,13). Trost tut gut, wenn ich mich unsicher fühle. Der Prophet Jesaja spricht von einem Trost, den ich mir nicht selbst geben kann, den ich geschenkt bekomme. Genau das verspricht Gott uns für das kommende Jahr: dass er uns tröstet und uns in unseren Sorgen und in all unserem Engagement für andere nicht allein lässt. Es sind ja oft die kleinen Gesten, die uns Mut zusprechen und trösten. Eine Jahreslosung, die uns vertrauensvoll auf das Jahr 2016 schauen lässt: Gott schenkt uns Trost für den Alltag – was für eine schöne Perspektive für das neue Jahr!

Marion Greve