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Vom Hausherrn und seinen Gehilfen

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter. (1. Korinther 3,9)

Vor einiger Zeit kam ein Ehepaar in den Sonntagsgottesdienst, um etwas für die Trauung ihres Sohnes zu besprechen. Und zum Schluss meinte der Vater zu mir: „Das gehört sich ja so, dass man sich vorher mit dem Hausherrn in Verbindung setzt.“ Dann zögerte er einen Moment, sah mich an und korrigierte sich mit den Worten: „Nein, der Hausherr sind Sie hier nicht, Sie sind der Gehilfe des Hausherrn.“

Ich war beeindruckt aus dem Mund eines ganz normalen Gemeindegliedes so klar die Unterscheidung zu hören zwischen dem, der in der Kirche das Sagen hat, und dem, der sozusagen Weisungsempfänger ist.

Als Gehilfen, oder wie Paulus es nennt, Mitarbeiter angesprochen zu werden, macht uns nicht klein, und es ist auch keine Geringschätzung unserer Person und unserer Fähigkeiten. Im Gegenteil, es ist eine große Entlastung. Wir können uns von ganzem Herzen einsetzen mit allen Gaben und Kräften, die wir haben. Dazu gehört übrigens auch die Gabe der Leitung.

Aber mit uns fängt die Gemeinde nicht an. Wir kommen immer schon dazu. Gemeinde gibt es längst, bevor wir anfangen mitzuarbeiten. Wenn zum Beispiel ein Kind getauft wird, dann wird es in eine Gemeinde hinein getauft, die viel älter ist als alle, die um den Taufstein herum stehen. Immer, wenn wir irgendwo in der Gemeinde anfangen, dann beginnen wir mit einem „Plus“, mit einer Vorgabe, dann sind vor allem schon Menschen da, aber in der Regel auch ein Haus und ein bisschen Geld. Niemals müssen wir die Gemeinde aus dem Nichts ins Leben rufen.

Und so wenig die Gemeinde mit uns anfängt, genauso wenig hört sie mit uns auf: Als Mitarbeiter tragen wir nicht die letzte Verantwortung. Für das große Ganze, für die Erhaltung der Gemeinde steht ein anderer ein.

Reinhard Laser