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Seid gastfeundlich!

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. (Hebräer 13,2)

Es ist spät. Die Gläser und Teller leer und meine Gäste haben sich gerade lange und fröhlich an der Tür verabschiedet. Jetzt wird aufgeräumt. Während ich mich sonst das ein oder andere Mal dazu aufraffen muss, fällt es mir an solchen Abenden leicht. In Kopf und Herz lasse ich beim Abräumen des Tisches den ganzen Abend nochmal Revue passieren. Die Geschichten der letzten Stunden klingen in mir nach. Das, was mich inspiriert hat. Was mich überrascht hat. Das, worüber ich lachen musste. Ich sortiere die Küche. Gleichzeitig wird dabei dieser schöne Abend auch in mein Leben einsortiert und ein Teil von mir. Es ist ein besonderer Moment, wenn mir beim Aufräumen klar wird, was ich Schönes geschenkt bekommen habe, indem ich meinen Tisch mit anderen geteilt habe.

In dem Begriff Gastfreundschaft stecken die Worte „Gast“ und „Freundschaft“. Das Wort „Gast“ ist ein sehr altes Wort, das im germanischen eher im Sinne des Feindlichen verwendet wurde. Es war jemand Fremdes gemeint, der in das Vertraute eindringt und es stört. „Gastfreundlich zu sein“ meint in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes darum nicht nur die einzuladen, die mir vertraut sind, sondern mein Leben auch mit denen zu teilen, die mir fremd sind.

Von so einer Begegnung erzählt zum Beispiel eine Geschichte aus dem älteren Teil der Bibel. Abraham bekommt Besuch von drei Männern, die er nicht kennt. Er sitzt gerade vor seinem Zelteingang als er sie kommen sieht. Abraham springt auf, läuft ihnen entgegen, wirft sich ihnen zu Füßen und bittet sie, bei ihm einzukehren. Etwas zu trinken und zu essen, sich zu waschen und sich unter einem Baum auszuruhen. Die Männer lassen sich einladen und Abraham bereitet mit seiner Frau ein Festmahl für sie vor. Am Ende der Geschichte ist Abraham selbst der Beschenkte. Von den drei Fremden bekommt er nämlich die Zusage, dass seine Frau nach jahrelangem Warten einen Sohn bekommen wird:

„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“

Es braucht Mut und Vertrauen, sich jemandem zu öffnen, der mir fremd ist. Weil ich nicht weiß, was passieren wird. Der Vers für diesen Monat erinnert uns, dass es sich lohnt, mutig zu sein und es auszuprobieren. Weil Gott selbst uns in den Menschen begegnet. Nicht nur zu Hause an einer Festtafel an unserem Tisch, sondern auch schon bei einem zufälligen Gespräch auf der Straße.

Gastfreundschaft bedeutet, dass ich offen dafür bin, dass Gott mich mit dem Fremden überrascht und beschenkt. Mit einer neuen Geschichte, einem Lachen, einer anderen Perspektive auf das Leben oder einem Zuspruch, der mir gut tut.

Ich wünsche uns viele inspirierende Momente mit den Menschen, die uns über den Weg laufen und mit denen, die wir zu uns einladen. Dass unser Mut belohnt wird, weil wir Gott in ihnen entdecken!

Julia Olmesdahl

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