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Ostern wird es nur auf dem Weg

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Können wir in dieses Bekenntnis mit einstimmen: Der Herr ist auferstanden! – oder haben wir da noch ein paar offene Fragen zu Ostern, zur Auferstehung?

Nicht wahr – wir können uns all das ja nicht vorstellen, es gibt keine Beweise, es gibt nichts, was uns sicher machen könnte, dass es da noch eine Wirklichkeit gibt, die wir nicht fassen, nicht begreifen können, eine Wirklichkeit jenseits unseres Lachens und Weinens, unseres Glücks und Leids. Wir müssen das Leben so nehmen wie es ist.

In diesen Tagen besonders mit all den Folgen des Corona-Virus, den Ängsten, den Sorgen, dem Tod von Angehörigen und Freunden und den Veränderungen in unserer persönlichen und beruflichen Lebenssituation. Nein, so schnell können wir nicht einstimmen in den Siegesruf: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Zu sehr sind wir betroffen von all den Nachrichten und der Sorge, was noch alles auf uns zukommen könnte.

Doch genau da hinein will die Osterbotschaft gehört werden, will uns deutlich machen, dass es mehr an Leben gibt, als wir uns vorstellen können, dass es eine Macht, eine Kraft hinter allem gibt, die unser Leben trotz all dem Furchtbaren zu einem Ziel führen will. Die Botschaft von Ostern heißt, dass Gott sich mit der todverfallenen Welt nicht abgefunden hat. Doch Beweise haben wir nicht. Und Beweise wird es auch nicht geben.

Es geht um den Glauben, um das Vertrauen, dass hinter allem eine Kraft, eine Macht steht, die unsere Wirklichkeit umgreift und die auch in unsere Wirklichkeit hineinwirkt. So können wir die Botschaft von Ostern nur hören, glauben, weitererzählen und versuchen, diese Botschaft zu leben. Das ist alles. Das ist aber auch wirklich alles.

Mehr ist nicht nötig: Sich einlassen auf diese Botschaft und sein Leben danach gestalten. Die Frauen, die an Ostern ans Grab Jesu gehen erwarten einen Toten und finden einen lebendigen Boten. Sie wollen sich mit dem Tod abfinden und sie müssen Unfassliches über das Leben hören. Da bricht eine Welt zusammen. Und sie laufen in Furcht und Freude davon.

Das aber ist merkwürdig. Furcht und Freude passen nicht zusammen, sind für uns absolute Gegensätze. Wer sich fürchtet, freut sich nicht und wer sich freut, der fürchtet sich nicht. Aber offenbar ist es gerade diese Spannung, dieser Gegensatz, auf den es ankommt. Furcht und Freude zugleich kann nur ein Mensch empfinden, der dem Göttlichen begegnet.

Furcht, weil etwas geschieht, was mir alles Vertraute zerschlägt, was mich die Orientierung verlieren lässt, was mein bisheriges Weltbild erschüttert, was Angst auslöst. Und Freude, weil zugleich spürbar ist, dass dies zutiefst Beunruhigende und Verunsichernde etwas Neues, Anderes, nie Dagewesenes hervorbringt, eine neue Schöpfung, eine neue Wirklichkeit.

Die Eile und das Weiter erzählen Wollen ist ein Zeichen dafür, dass die Frauen in der Ostererzählung unter einer ungeheuren großen inneren Anspannung standen, die sie allein durch Bewegung und Erzählen loswerden können. Alle müssen es erfahren. Und so laufen sie in Furcht und Freude davon. Der Bote hat von dem leeren Grab weggewiesen, nach Galiläa, hat sie zurückgewiesen in ihren Alltag. Dort werden sie den lebendigen Christus sehen. Die Frauen machen sich auf nach Galiläa und unterwegs begegnen sie ihm, dem lebendigen Christus.

Ohne Bewegung, ohne Aufbruch gibt es keine Erfahrung von Ostern, kein Erleben des lebendigen Lebens, kein Durchbrechen der tödlichen Hoffnungslosigkeit. Auf dem Weg wird es Ostern, auf dem Weg.

Auch wir müssen uns in diesen schwierigen Zeiten auf ganz neue Wege begeben, zu den Menschen, die Hilfe, Trost und Unterstützung brachen, und dabei dies in der notwendigen Distanz. Aber indem wir dies tun, werden wir zu Botschaftern des Lebens mitten in der Welt des Todes und zwar nicht, weil wir den Tod in Zweifel ziehen, denn wir wissen: Ostern widerlegt nicht die Erfahrung von Leiden, Sterben und Tod. Von Ostern her werden wir nicht vor dem Tod gerettet, sondern durch den Tod hindurch.

Und dieser Glaube macht uns stark, mitten in unserem Alltag, gegen den Tod anzugehen, schon jetzt und hier, besonders auch in der derzeitigen Situation.

Ostern zeigt uns mit der Auferstehung, dass Gott sich mit der todverfallenen Schöpfung nicht abgefunden hat. Wir fangen erst an zu ahnen, was Leben heißt. So lassen auch wir uns von Ostern in Bewegung setzen und auf dem Weg wird er uns begegnen und wir werden fraglos wissen, wer er ist. Denn der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Christoph Ecker