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Der Teufel ist mitten unter uns

Der Teufel ist mitten unter uns, in der Sprache, der Literatur und im Film und das mit Erfolg. Aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch kennen wir die Redensarten: „Den Teufel werde ich tun! Zum Teufel nochmal! Der Teufel ist los. Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Der Teufel soll dich holen! Der Teufel steckt im Detail. Da ist der Teufel los! Du bist ein Teufelskerl. Er kommt in Teufels Küche. Geh doch zum Teufel! In der Not frisst der Teufel Fliegen.“

Doch was hat es mit dem „Teufel“ eigentlich auf sich? Der Teufel hat eine interessante Biografie. Der Name, unter dem er auch genannt wird, nämlich der Satan, taucht im Alten Testament auf. Dort ist er allerdings noch ein Engel, sogar ein hochrangiger Engel. Allerdings einer, den die Menschen als unsympathisch wahrnehmen. Er hat staatsanwaltliche Funktion, er ist derjenige, der über die Erde streift und dann Gott berichtet und auch Strafe für die Menschen fordert. So in der Geschichte vom zunächst erfolgreichen und dann leidenden Hiob.

Diese unsympathischen Charakterzüge des Satans führten später dazu, dass aus diesem Engel tatsächlich der Böse wurde. Ihm wird zugeschrieben, dass er gegen Gott rebelliert, dass er selbst sich an die Stelle Gottes setzen möchte. Dann wird er von Gott und den treu gebliebenen Engeln gestürzt und in die Unterwelt verbannt, die wir später als Hölle kennenlernen. Von da an repräsentiert der Teufel das Böse, der Feind der Menschen, der Widersacher Gottes. Die Bibel berichtet an keiner Stelle, wie dieser Satan aussieht. Die Bilder von Hörnern, Bocksbeinen oder der Pferdefuß, die dem Teufel sprichwörtlich zugeschrieben werden, stammen aus der antiken Mythologie.

Doch worin liegt die Faszination am Bösen? Brauchen wir den Teufel? Braucht Gott ihn? Gibt es den Teufel überhaupt?

Im Mittelalter war der Teufel für den Reformator Martin Luther eine Realität. Auf der Wartburg hat man schon lange darauf verzichtet, den berühmten Tintenfleck zu erneuern, und doch wird immer wieder danach gefragt. Dabei ist die Legende, die dazu gehört, in mehrfacher Hinsicht verdreht. Luther habe, so erzählt sie, nach dem Teufel, der ihn bei der Arbeit an der Bibelübersetzung störte, mit dem Tintenfass geworfen, das natürlich zerschellte, mit dem bekannten Ergebnis. Den Wenigsten ist bewusst, dass die Erzählung ursprünglich gar nicht auf die Wartburg gehört. 1602 wird sie für Wittenberg erzählt, und da ist es nicht Luther, der mit dem Tintenfass wirft, sondern der Teufel zielt auf ihn. Ich finde, das ist eigentlich die interessantere Erzählung. Luther wusste sehr wohl handgreiflich vom Teufel zu erzählen, der ihm als schwarze Sau begegnete oder sich ihm sogar als Hund ins Bett legte, da hat Luther ihn eigenhändig zum Fenster hinausgeworfen, und der Eindringling löste sich auf. Der Teufel war in Luthers Leben sehr konkret.

Denkt man über den Teufel weiter nach, muss man zuerst über das Böse nachdenken. Der Mensch erlebt „böse“ Dinge, die ihm geschehen. Er erlebt all das, was das Leben des Menschen in irgendeiner Weise schädigt. Das Böse ist demnach eine destruktive Einwirkung auf das Leben an sich. Aber „böse“ ist nicht immer gleich „böse“. Was für den einen „böse“ ist, kann für den anderen „gut“ sein. Das zeigt: Das Böse gibt es gar nicht an sich. Es gibt immer nur Menschen, die das, was sie erleben, als „böse“ deuten. Das Böse als Deutung des Erlebens. Das Böse hat demnach keine eigene Wirklichkeit, sondern existiert nur als Deutung des Erlebens. Von daher kann es den „Bösen“ nicht geben. Wenn es das Böse an sich nicht gibt, gibt es auch keinen Teufel. Wir Menschen brauchen den Teufel, Gott nicht. Denn bei Gott gibt es ihn gar nicht.

Der Glaube an den Teufel bestimmte also die ersten Jahrhunderte nach Christus und war vor allem im Mittelalter sehr stark. Heute glauben die meisten Christinnen und Christen nicht mehr, dass es einen sichtbaren und körperlich erfahrbaren Teufel gibt. Allerdings gibt es nach wie vor Böses in der Welt.

Werner Sonnenberg