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Das perfekte Weihnachtsfest?

Bei der Suche nach dem perfekten Weihnachtsfest frage ich mich: Wo ist eigentlich der Advent geblieben? Sobald die Adventszeit beginnt, fiebern alle nur noch dem Weihnachtsfest entgegen. Plötzlich ist sie da oder soll sie da sein: die heile Welt, die wir im Alltag schmerzlich vermissen. Wir tun einiges, um sie herzustellen: mit Kerzenschein und Weihnachtsdeko, Musikberieselung auf allen Kanälen, Weihnachtsmärkten, besonderen Leckereien; nur dass der Schnee pünktlich vom Himmel fällt, können wir noch nicht selber machen.

Ja, es tut gut, auch mal in diese heile Welt abtauchen zu können; sie für ein paar Stunden zu genießen und dabei vielleicht auch die Sorgen ausblenden zu können, die einem sonst auf der Seele liegen. Ich gehe auch gerne über einen Weihnachtsmarkt und freue mich darauf, die Wohnung zu schmücken. Und genieße gerne leckere Plätzchen.

Aber machen wir uns nichts vor: Mit dem eigentlichen Weihnachtsfest oder mit der Idee der Adventszeit hat das wenig zu tun. Ursprünglich war der Advent ja mal eine Zeit, in der es gerade nicht um Konsum und Fülle ging. Sondern im Gegenteil: man lenkte den Blick bewusst auf das, was schief lief in dieser Welt, und ging in sich, um das eigene Leben zu überdenken, man fastete und betete darum, dass Gottes Sohn kommen und die Welt heil machen möge.

Unsere modernen Advents- und Weihnachtsbräuche drücken auf ihre Weise sicher auch die Sehnsucht nach Heilung der Welt aus. Aber oft kommt es mir vor, wie „ein Pflaster obendrauf zu kleben“. Unter der Oberfläche bestehen die Probleme ja weiter. Und zu einer tiefergehenden Berührung mit dem „Heiland“ der Welt kommt es ja meist gar nicht.

Ich wünsche mir in den Wochen vor Weihnachten mehr Zeit für stille Momente, Augenblicke des Hinhörens und ein offenes, achtsames Herz, um Jesu Kommen überhaupt wahrnehmen zu können. Denn er kommt und ist schon da – davon bin ich überzeugt. Paul Gerhardt hat das in seinem Adventslied „Wie soll ich dich empfangen“ sehr tröstlich zum Ausdruck gebracht: „Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.“

Wir brauchen kein perfektes Weihnachten, keine „heile Welt“, damit Jesus kommen kann. Er kommt in unsere kleine und große Welt – so wie sie ist. Mögen wir uns darüber von Herzen freuen können und von der Suche nach dem „perfekten“ Weihnachtsfest nicht stressen lassen. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine besinnliche und gesegnete Weihnachtszeit.

Bianca Neuhaus