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Alles wird gut!

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1. Mose 8,22)

„Alles wird gut“ war auf dem bunt gemalten Zettel zu lesen, der an einem Fenster hing und einen bunten Regenbogen zeigte. Alles wird gut. Wie gern wollte ich in diesem Moment glauben, dass alles gut wird, aber ich sehe die Bilder im Fernsehen, ich höre die Zahlen im Radio, ich höre von Menschen, die leiden.

Alles wird gut! Da sind die Kinder einer Verstorbenen, die durch die jetzigen Besuchsverbote in Krankenhäusern nicht mehr die Möglichkeit hatten, sich so richtig von ihrer Mutter zu verabschieden, da ist eine Freundin, die sehr darunter leidet, dass sie einen Freund, den sie schon viele Jahre in einem Heim begleitet, im Moment nicht besuchen darf, obwohl es ihm gerade arg schlecht geht.

Da sind Patientinnen und Patienten, die tagtäglich vergebens auf Besuch warten, andere, die aus Sorge Termine in der Klinik absagen und da sind Menschen, die ängstlich zu Hause sitzen, denen die Decke auf den Kopf fällt, die unter Einsamkeit leiden und in denen die Angst übermächtig wird. Da sind…

Ja, es sind ganz schwere Zeiten im Moment und mein Blick richtet sich auf all das und ich spüre auch, wie die Sorge in mir größer wird, wie ich nicht recht weiß, wie das werden soll und wo das enden wird.

Alles wird gut!

Dieses Bild da am frühen Morgen, das mich angesprochen hat, hilft mir aber. Ich weiß gar nicht, wer auf die Idee gekommen ist, Kinder Regenbögen malen zu lassen, die Idee kommt wohl aus Italien, aber egal wer sie hatte, es muss einer oder eine gewesen sein, die weiter sieht, es muss ein ganz hoffnungsvoller und vertrauensvoller Mensch gewesen sein.

Denn dieser Regenbogen, so sehr er eben in den Himmel gehört, dieser Regenbogen, er erdet mich. Er hält mich fest und lässt mich nicht los, er nimmt mir meine Sorge und meine Besorgnis um die Zukunft.

Das tut er nun nicht, weil er so schön bunt ist und mich das von den trüben und dunklen Nachrichten der Tage ablenkt, nein, er tut das, weil er mich auf Gott wirft, weil er mich an das Versprechen Gottes erinnert, das Gott uns nach der Sintflut gegeben hat.

Und der HERR… sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen;… Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Und der Bogen in den Wolken war das sichtbare Zeichen dieses Bundes. Ein Freund von mir sagt immer, wenn er einen Regenbogen sieht: Schau, er hat uns noch lieb!

Und so ist das auch. Auch wenn viele im Moment das Gefühl haben, dass die Erde untergeht, dass Sorge und Angst übermächtig werden, manche vielleicht sogar befürchten, dass Gott uns verlassen hat – nein, Gott hat uns noch lieb.

Vielleicht spüren wir es in diesen Zeiten nicht so wie sonst, vielleicht haben wir Zweifel daran in diesen Zeiten, vielleicht sind viele verunsichert in diesen Zeiten… Ja, das ist so. Auch ich kann mich nicht davon freisprechen, kann nicht behaupten, dass ich zu jeder Sekunde eines Tages ganz hoffnungsvoll bin.

Aber – aber da ist dieser Regenbogen, dieses Zeichen in den Fenstern auch unserer Stadt, nicht mehr nur in Italien. Und dieser Regenbogen ist nicht nur Zeichen für Gottes Liebe, sondern er zeigt mir auch, dass wir einander tragen und unterstützen können, füreinander glauben und erinnern können, wenn einer oder eine von uns schwache und ängstliche Momente hat.

Und genau darum sind die Regenbogenbilder der Kinder in diesen Zeiten besonders wichtig. Sie erinnern an Gottes Versprechen, an Gottes: Ich habe Euch lieb, erinnern daran, dass alles gut wird.

Amen.

Friederike Seeliger