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Weihnachtsgeschichte mit Figuren

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich einmal im Advent mit meiner Mutter gemeinsam eine Krippe gebastelt habe. Sie sollte am Heiligen Abend fertig sein und unter unserem Weihnachtsbaum stehen.

Die Figuren fertigten wir aus Holzteilen: einen Kegel für den Körper und eine Kugel für den Kopf. Sie wurden bekleidet mit Filz und anderen Stoffen, die wir zurechtschnitten. Ich weiß sogar noch ziemlich genau, wie die einzelnen Figuren aussahen: Da war Maria, die ein rotes Kleid bekam und einen dunkelblauen Umhang über ihren Kopf. Josef hatte einen Bart aus Wolle und einen braunen Hut. Die Hirten waren auch eher schlicht gekleidet. Sie hielten Stäbe in den Händen. Die schönsten Haare aus Goldfäden bekam der Engel, der ein weißes Kleid und sogar einen Heiligenschein hatte. Die drei Könige trugen Kronen und sahen prächtig aus. Am Ende fehlte nur noch das Jesuskind. Es bekam eine kleine Holzperle als Kopf und den Körper wickelten wir aus weißem Filz, den wir mit einem gelben Wollfaden verschnürten. Es sah so aus, als sei das Baby fest in eine Windel gewickelt.

Komisch ist nur, dass ich mich gar nicht mehr an den Stall erinnern kann. Ich weiß noch nicht einmal, ob wir überhaupt einen hatten. Denn ich sehe noch vor mir, wie ich die Figuren immer wieder anders aufgestellt und umgestellt habe. Ja, ich habe die ganze Weihnachtsgeschichte nachgespielt: Wieder und wieder mussten Maria und Josef den weiten Weg gehen. Quer durch unser ganzes Wohnzimmer, über Sessel und Stühle hinweg und sie hatten viele Gefahren auf ihrem Weg zu bestehen, bis sie schließlich, endlich unter unserem Tannenbaum Bethlehem erreichten. Den Königen erging es nicht anders. Auch sie hatten einen weiten Weg. Nur die Hirten und der Engel waren bereits in der Nähe und sie waren als erste zur Stelle, als das Jesuskind geboren wurde.

Krippen gibt es heute sicher in jedem christlichen Haushalt. Und mag sein, jede hat ihre eigene Familiengeschichte oder Tradition, die damit verbunden ist.

Sie sind aus der Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken.

In viele Kirchen sind sie meist schon in der Adventszeit zu finden. Manchmal werden ganze Landschaften aufgebaut. Das kann eine orientalische oder auch eine ganz und gar europäische Landschaft sein, mag sein sie ist sogar der jeweiligen Heimat angepasst. Und dann werden Stück für Stück, Figuren dazu gesetzt, Szenen verändert und umgebaut, bis schließlich am 24. Dezember, die Hirten und Schafe im Stall um das Kind mit seinen Eltern versammelt sind. Bis zum 6. Januar treffen dann auch die drei Weisen, bzw. die drei Könige ein.

Als Begründer dieser Tradition, die Weihnachtsgeschichte mit Figuren nachzustellen, gilt Franz von Assisi. Es wird berichtet, dass er einmal, anstelle einer Predigt, im Wald die Weihnachtsgeschichte mit lebenden Tieren und Menschen nachspielte. Das war also so eine Art Krippenspiel mit Erwachsenen.

Für mich gehört auch heute noch unbedingt zum Familiengottesdienst an Heiligabend ein Krippenspiel, in dem die Kinder das Weihnachtsgeschehen nachspielen und erzählen. Ob Weihnachtskrippe oder Krippenspiel, beides vermittelt ganz wunderbar die Botschaft von Weihnachten. Diese Botschaft wird im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“. Sie wird für uns „mit-erlebbar“.

Wie könnten wir sonst verstehen, was da geschehen ist? Wie sollten wir begreifen, dass Gott in unsere Welt kommt, einer von uns wird, in unserem Leben „mitspielt“?

Zu begreifen ist das wohl am besten, wenn wir beteiligt sind. Sei es im Aufstellen der Figuren oder im Spiel der Geschichte? Gott kommt als kleines und schutzbedürftiges Kind und er begibt sich „in unsere Hände“.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest.

Susanne Gutjahr-Maurer