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Von Gott getragen und geleitet

Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. (Jesaja 46,4)

„Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen…“ stand als Leitwort über dem vorherigen Beitrag von Wera Wittberger. Im Alter noch vital sein, Kraft haben und aufblühen: Das klingt verheißungsvoll! Ob es aber auch wirklich so sein kann? Manche haben im Alter eine so lebendige Ausstrahlung, dass man spürt: Sie sind glücklich und zufrieden. Aber ich höre auch oft den Satz: „Alt werden ist nicht schön.“ Und ich frage mich dann: Ist das Alter doch eher zu fürchten?

Manchmal mache ich mir Gedanken darüber, wie ich wohl das Altwerden erlebe und vor allem, wie ich im Alter einmal leben möchte. Aber mir ist auch bewusst, dass sich trotz bester Absichten Vieles nicht planen lässt. Unsere Krankheiten suchen wir uns nicht aus. Und wer im Alter für mich da ist und für wen ich noch da sein kann, ist auch ungewiss. Eine der größten Sorgen scheint mir, im Alter einsam zu sein. Viele alte Menschen auch in unserem Stadtteil erleben das als traurige Realität.

Aber ich habe auch Hoffnung, dass gerade von älteren Menschen unsere Gemeinde als ein Ort der Gemeinsamkeit erlebt werden kann. Ich denke dabei an die Besuche und Gottesdienste im Heilig-Geist-Hospital, die den Besuchten in ihrem oft mühsamen Alltag gut tun und sie aufbauen. Ich denke an das gemeinschaftliche Leben im Friederike-Fliedner-Haus und wie gern viele Bewohner dort leben. Oder an die Nachmittage in der Frauenhilfe: Wie oft wir da lachen! Aber auch Anteil nehmen am Leben der anderen Frauen. Und neuerdings gibt es einmal im Monat auch den Gute-Laune-Nachmittag für Senioren. Für viele ältere Menschen ist der Gottesdienst am Sonntag eine Kraftquelle und wichtiger Treffpunkt. Und Besuche durch die Pfarrerinnen oder andere Gemeindeglieder können helfen, sich auch mal etwas von der Seele zu reden und die Gedanken mit jemandem zu teilen.

Ich wünsche mir und hoffe, dass durch all diese Angebote gerade für ältere Menschen erfahrbar wird: Ich bin nicht allein. Da sind andere neben und mit mir unterwegs, mit denen ich mein Leben teilen kann; die ähnliche Erfahrungen machen wie ich, aber vielleicht auch ganz andere. Da ist ein Ort, eine Gemeinschaft, in der ich aufgefangen werde; in der ich meine Lebenserfahrung weitergeben und neue Anregungen bekommen, ja vielleicht sogar noch einmal aufblühen kann.

Vor allem glaube ich daran, dass Gott in unserer Mitte eine große Kraftquelle für unser Leben ist – ob wir nun alt oder jung sind. Von denen, „die im Hause des HERRN gepflanzt sind“, heißt es in Psalm 92, dass sie grünen und auch im Alter noch blühen und frisch sein werden. „Wenn unser äußerer Mensch auch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert“, konnte auch der Apostel Paulus sagen (2. Korinther 4,16). Dahinter steht das Vertrauen, dass wir auch im Alter von Gott getragen und geleitet werden (Jesaja 46,4), ja dass Gott bis ins hohe Alter hinein noch eine Aufgabe für uns hat.

„Lobet den HERRN auf Erden, ihr Alten mit den Jungen!“ werden wir in Psalm 148 aufgefordert. Möge das Lob Gottes in unserer Gemeinde die verschiedenen Generationen verbinden und uns miteinander beleben.

Bianca Neuhaus