Dieser Beitrag wurde 993 mal aufgerufen

Wichtig sind mir die kurzen Begegnungen

Bereits zum sechsten Mal sind das Bistum Essen und die Evangelische Kirche an diesem Wochenende mit einem gemeinsamen Stand auf der Essener Hochzeitsmesse vertreten. Pfarrerin Monika Elsner aus der Evangelischen Kirchengemeinde Kray ist zum zweiten Mal Teil des kirchlichen Teams und erklärt, warum sie das Engagement der Kirchen auf der Hochzeitsmesse für sinnvoll hält.

Wenn in wenigen Minuten Scharen junger Brautpaare, oft gemeinsam mit Eltern und Geschwistern, ihren besten Freundinnen und Freunden die Essener Hochzeitsmesse besuchen, begegnen sie dort auch wieder der Evangelischen und der Katholischen Kirche. Was erwartet sie am Stand der Kirchen?

Also, ich würde erst mal damit antworten, was die Besucher am Stand nicht erwartet: Wir wollen ihnen nichts verkaufen! Das unterscheidet uns natürlich von den anderen Anbietern auf dieser Messe – und verunsichert Besucherinnen und Besucher auch schon mal. Stattdessen bieten wir ihnen vor allem ein Gesprächsangebot und die Gelegenheit, viele Fragen zu stellen – von ganz kleinen, scheinbar formalen, bis hin zu der ganz großen, ob sich ein Paar wirklich traut, sich trauen zu lassen. Natürlich ist auch der Gottesdienst ein wichtiges Thema: Was passiert da überhaupt in der Kirche und wie – das ist für viele sehr wichtig – können die Form und den Ablauf mitgestaltet werden?

Und dann erwarten die Besucherinnen und Besucher direkt nebeneinander evangelische und katholische Möglichkeiten, Formen, Positionen, die manchmal auch miteinander ins Gespräch gebracht werden können.

Welche Fragen werden Ihnen besonders häufig gestellt?

Die häufigste Frage ist, welche Papiere für die kirchliche Trauung benötigt werden. Und fast immer ist das Erstaunen groß, wenn klar wird, wie wenig an formalen Dingen zu tun ist. Die Erwartung vieler junger Menschen ist offensichtlich, dass wir wie eine Behörde funktionieren und vor einem Traugottesdienst ganz viel Papierkram erledigt werden muss. Aber nein – wir sind keine Behörde – und nein – so viel ist da gar nicht zu erledigen.

In einem Gespräch, das mir aus dem letzten Jahr besonders in Erinnerung geblieben ist, ging es um die Frage, warum wir „so ein Theater“ machen, wenn ein Brautpaar in einer anderen als der eigenen, der Wohnortgemeinde, heiraten will. Das sei „ja mal wieder typisch Kirche, sich dabei so richtig anzustellen“. Der zu Beginn doch ein wenig aggressive Ton veränderte sich im Laufe des Gespräches – als nämlich deutlich wurde, worum es uns eigentlich bei dieser Frage geht, wofür die eigene Gemeinde steht und was es bedeuten kann, wenn alle in der Kirche einer anderen Gemeinde heiraten wollen, weil diese „Location“ doch so schön ist. Das Gespräch endete dann zumindest mit der Bereitschaft, sich doch erst einmal in der eigenen Gemeinde umzuschauen und die eigene Kirche anzusehen: „Ich hatte ja keine Ahnung, was es da so alles gibt.“

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass die Kirchen auf der Hochzeitsmesse vertreten sind?

Kirche muss dahin gehen, wo die Menschen sind. Und der Besuch einer Hochzeitsmesse gehört offenbar für viele Brautpaare bei der Planung ihrer Trauung dazu. Auch wenn ich persönlich manche Anfrage daran habe – zunächst einmal ist das so. Und damit muss ich mich auseinandersetzen.

Außerdem finde ich, dass wir als Kirche Begegnungsmöglichkeiten außerhalb unserer eigenen Räume und Themen brauchen. Ich lerne durch die Gespräche auf der Hochzeitsmesse manchmal sogar mehr über die Lebenswirklichkeit junger Menschen als bei Begegnungen in der Gemeinde. Über vieles, was sie bei der Planung ihrer Hochzeit beschäftigt, wird auch in einem Traugespräch eher selten gesprochen. Mit den hier gesammelten Erfahrungen konnte ich schon so manches Eis brechen.

Bei dem einen oder anderen Gespräch können wir auch sichtbar machen, dass es bei einer Trauung etwas gibt, das sich nicht einfach kaufen lässt. Die „große Bühne“ haben wir auf der Messe nicht, wir müssen manch unwirsche Kritik einstecken und mitunter auch sehr deutliches Desinteresse. Aber ich finde, das schadet uns nicht. Wir sollten damit umgehen können. Denn dahinter tauchen immer mal wieder Fragen auf, die hier vielleicht leichter gestellt werden als bei einem verabredeten Termin. Es sind gerade die kleinen, kurzen Begegnungen, in denen dies aufblitzt. Und gerade dafür lohnt es sich allemal.