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Weil du es sagst, will ich es tun

Zeit ist Geld und oft, nur zu oft, muss alles ganz schnell gehen. Wenn man Sie kurz vor Dienstschluss um einen Gefallen bittet, dann wird hier und da schon einmal abgewogen, ob man es sich leisten kann, aufgehalten zu werden. Da kann es schon einmal heißen: Sorry, heute geht nichts mehr.

In Ihrem Job haben Sie viel Erfahrung gesammelt, keiner kann Ihnen so schnell etwas vormachen. Da kommt unerwartet ein Nicht-Fachmann und möchte gute Ratschläge geben. Auf den haben Sie gerade noch gewartet… Kann ich da noch hinhören?

Eine andere Begebenheit: Sie arbeiten schon eine ganze Weile und es will einfach nicht klappen. Mittlerweile sind Sie müde und wollen abbrechen. Da kommt einer unvermittelt und will Sie dazu bringen, es noch einmal zu probieren. Es würde diesmal bestimmt klappen, so oder so ähnlich hören Sie seine Worte. Würden Sie sich darauf einlassen und sich zu einem letzten Versuch aufschwingen?

Da erinnere ich mich an Petrus (Lukas 5,1-11), der eine ganze Nacht lang versucht hat, Fische zu fangen – leider ohne Erfolg. Seine Leute und er sind müde, sie wollen eigentlich nicht mehr. Nun ist schon längst Feierabend, da kommt Jesus zu ihm und fragt, ob er ihn mit dem Boot ein Stück weit hinausfährt.

Gesagt, getan. Petrus ist bereit. Jesus spricht vom Boot aus zu den Menschen am Ufer. Als er fertig ist, sagt er zu Petrus: „Fahr hinaus und wirf mit deinen Leuten die Netze aus!“ Nun könnte Petrus diesen Nicht-Fachmann auslachen und abwinken. Stattdessen erwidert er: „Wir haben’s die ganze Nacht versucht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich noch einmal losfahren und die Netze auswerfen.“

Wie die Geschichte ausgeht, ist den meisten bekannt. Überkippevoll sind die Netze, dass sie schon zu reißen drohen. Wie auch immer: Petrus hat sich aufhalten lassen. Das Wunder geschieht und der Einsatz hat sich „gelohnt“. Der „Einsatz“ ist der, dass ich dabeibleibe, dass ich mich immer wieder öffne für die Begegnung mit dem anderen. Petrus hat sich aufhalten lassen, weil er sich geöffnet hat für die Begegnung mit Jesus. Wenn ich auch entgegen der „Sprache der Tatsachen“ dabeibleibe, dann mag das Wunder geschehen. Oder ist es womöglich schon geschehen?

Ullrich Müller