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Frauenfiguren | Kirche und Farben #3

Frauenfiguren stehen diesmal auf dem Programm für Bewohner mit Demenz, in der Kunsttherapie des Evangelischen Seniorenzentrums Essen-Frohnhausen. Die Bewohner bringen zunächst die Konturen stilisierter Frauenfiguren mit Hilfe von Schablonen aufs Papier. Dann ziehen sie mit Bunt-, Filz- und Wachsmalstiften die Figuren quasi an, gestalten sie aus, setzen sie an verschiedenste Plätze und lassen ihrer Fantasie freien Lauf, „was Erinnerungen weckt, wo sie vielleicht früher am Meer gesessen haben und Picknick gemacht haben“, so die Kunsttherapeutin und Leiterin des Angebots, Sigrid Bernard. Darunter sind Frauenfiguren zu sehen mit starken Farben, leichter Kleidung. Sie wirken attraktiv, sitzen auf einer Blumenwiese oder am Strand.

In der Kunsttherapie kehren durch das Aktivsein und Malen Erinnerungen zurück. „Wenn ich mit dementen Menschen arbeite, entstehen bei ihnen Formen und Bilder durch die Körperarbeit und Erinnerungen. Plötzlich können Dinge auch wieder benannt werden. Wenn ich nur im Gespräch mit den Menschen bin, dann finden sie oft die Worte nicht. Sind sie im Prozess und formen zum Beispiel eine Hand oder Ähnliches, dann fällt ihnen auch ‚die Hand‘ und ihre Bedeutung wieder ein, weil in diesem Moment eine sensomotorische Verbindung besteht“, sagt Sigrid Bernard.

In der Teestube des Seniorenzentrums, einem geschützten und ruhigen Raum, wirken die Bewohnerinnen entspannt und gleichzeitig auch konzentriert. Sie widmen sich ihrem Bild oder tauschen sich aus, betrachten die Bilder der Tischnachbarinnen und holen sich dadurch vielleicht Anregungen. Dann kann es passieren, wie jetzt bei einer Bewohnerin: „Zum Beispiel beim letzten Mal war es wirklich so, dass sie für sich etwas entdeckt hat und ganz vertieft war. Das finde ich einfach total schön. Mehr will ich dann gar nicht erreichen, wenn sie hier sitzt und anderthalb Stunden für sich malt und ganz bei sich ist. Dann ist das einfach ein ganz tolles Erlebnis“, berichtet Sigrid Bernard.

Farben haben in der Kunsttherapie eine besondere Bedeutung, da jeder sozusagen auch eine Geschichte mit seinen Farben hat. Es sind Farben, die der Mensch mag, was sich im Laufe des Lebens verändern kann, und Farben, die für den Menschen für etwas Bestimmtes stehen. Dann hilft ein Gespräch mit dem malenden Menschen darüber. Schließlich möchte Sigrid Bernard viel Freiraum mit dem Angebot schaffen, bei dem die Bewohner nicht einfach etwas ausmalen, sondern im Prozess auch etwas entsteht. Nicht zuletzt lässt sich in den Bildern immer auch der Individuelle Malstil eines Menschen entdecken – wenn man sich ansieht, wie und was er so gemalt hat.

Seit zwei Jahren findet dieses Angebot alle vierzehn Tage statt und wird vom Freundeskreis zur Förderung des Evangelischen Seniorenzentrums Essen-Frohnhausen freundlicherweise unterstützt.

Evelyn Kaczmarczyk

Ein Gedanke zu „Frauenfiguren | Kirche und Farben #3

  1. Herzlichen Dank! Ein ermutigender und menschlicher Beitrag!
    Anke Augustin

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