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Auferstehung heißt Tag für Tag ein Stück Himmel auf Erden

In diesen Tagen vor Ostern bekomme ich neben freudigen Mitteilungen auch einige traurige Nachrichten. Das Thema „Krankheit“ ist bei Freunden und in vielen Familien präsent. Deshalb treffen mich die Zeilen aus einem Gedicht, dass Andreas Geister nach Gedanken von Dorothee Sölle verfasste, ganz besonders:

„Lachen werde ich gegen ihn (den Tod) und singen, so dass es die anderen ansteckt, und Geschichten erzählen, wie man ihn überlistet, und allen erzählen, wie die Osterfrauen seine Niederlage aufdeckten. Zusammen mit euch, meine Freunde, werde ich ihm Tag um Tag Land abgewinnen.

Diese Worte bewegen mich; weil sie, indem sie den Tod nicht ausblenden, so nah an meiner Realität ist. Weil sie deutlich machen, dass es unsere Aufgabe ist, von der Auferstehung im Alltag zu sprechen. Auch wenn die äußeren Umstände, die von Schmerz und Trauer geprägt sind, sich anders anfühlen. Ostern ist kein Satz aus einem theologischen Lehrbuch.

Ostern ist eine Geschichte, die mit Jesus angefangen hat und bis heute noch nicht zu Ende ist. Die Osterbotschaft möchte tief in unseren Herzen Hoffnung wecken. Wenn Umfragen Recht haben, erwartet in Deutschland nur etwa jeder zweite Christ die Auferstehung für sich. Dass ich selbst als ganze Person aus dem Tod gerettet werde, bleibt, solange ich lebe, reine Glaubensfrage. Dass mit dem Tod alles aus ist, ebenfalls. Ich kann mich also getrost für das eine oder andere entscheiden.

Als Christin habe ich mich entschieden – nämlich dieser Botschaft zu trauen, die die Osterfrauen als erste erfahren und die sie weitererzählt haben: weil Jesus auferstanden ist, dürfen auch wir glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort über das Leben hat. Getragen von dieser Hoffnung und der Gemeinschaft der Hoffenden werden wir dem Tod „Tag für Tag Land abgewinnen“. Weil wir diese Auferstehung auch schon täglich erleben dürfen, denn täglich gibt es Auferstehung. Glückliche, wenn auch oft flüchtige Auferstehung aus dem matten Alltag.

Wenn Schmerz plötzlich nachlässt, Leid für Momente im Hintergrund verschwindet, ein Lächeln umwirft, Thymian duftet, Rosmarin blassblau blüht, Wolken aufreißen. Wenn eine Melodie verzaubert, eine Geschichte in Bann schlägt, man sich unsterblich verliebt. Dann ist für kurze oder lange Augenblicke ein Stückchen vom Himmel auf Erden.

Diese täglichen Auferstehungen nähren die Hoffnung auf die Auferstehung, die nach Jesus einmal am Ende der Zeit auch uns geschehen soll. Ostern hat es durchaus auch mit den kleinen Auferstehungen zu tun. Mit den Menschen, die in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit etwas erfahren von dem großen Umschwung der Dinge – vom Sieg des Lebens. Dieser Botschaft selber zu trauen und zur inneren Gewissheit werden zu lassen – das wünsche ich uns für dieses Osterfest 2018.

Marion Greve