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Warum war das nötig?

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. (Jesaja 49,13)

Warum war das nötig? Warum musste Gott sein Volk, die Israeliten, trösten? Was war passiert? Und was hat dieser biblische Spruch mit uns zu tun, mit der Advents- und Weihnachtszeit 2015?

Die Zeiten damals und heute lassen sich kaum vergleichen. Aber genauso wie heute gab es auch früher politische Verwicklungen, Kriege und Ungerechtigkeit. Die eine Volksgruppe bekämpft die andere bis aufs Blut. Regierende und Herrscher weiten ihren Machtbereich aus, mal durch Diplomatie, mal mit gewaltsamen Eroberungen. Genauso wie heute war es die Zivilbevölkerung, das „normale Volk‟, das die politischen Verirrungen auszubaden hatte. Noch schlimmer: Damals wie heute erwischt es im Krieg und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu allererst diejenigen, denen es eh schon schlecht geht. Deshalb musste das Volk getröstet werden. Deshalb musste den Armen in Israel aus Mitleid geholfen werden.

Doch was fällt uns heute dazu ein? Wer muss bei uns getröstet werden? Mit wem empfinden wir Mitleid? Natürlich denke ich da sofort an die vielen tausend Flüchtlinge, die ihre Heimat wegen der grausamen Kriege verlassen müssen und bei uns ein neues Zuhause suchen. Mir fallen aber auch Menschen ein, die einen lieben Angehörigen verloren haben und nun ihren Alltag allein bewältigen müssen. Schließlich sehe ich eine arbeitslose Jugendliche vor mir, die durch ihre schlechte Schulausbildung einfach keine Lehrstelle findet. Ja, ich habe Mitgefühl mit all diesen Menschen, und sicher fallen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, noch einige ein, die Trost und Mitleid dringend brauchen können?!

Deshalb ist es gut, dass wir alle Jahre wieder Weihnachten feiern. Warum? Weil uns Weihnachten wieder an Gott und an die Menschen erinnert, die Gott am Herzen liegen. Weihnachten ist eine verrückte und wunderbare Geschichte zugleich: Gott kommt als kleines, unbedeutendes Kind zur Welt, inmitten der Nacht, unter dem Stern von Bethlehem.

Sein Licht leuchtet bis heute in unseren Alltag hinein. Der Mensch Jesus wird geboren, der später als junger Mann göttliche Worte spricht und sich für Gerechtigkeit einsetzt. Dieser Jesus hat nicht nur geredet. Er hat auch gehandelt. Er hat getröstet und er hat Mitleid gehabt, besonders mit denen, die in der Gesellschaft schlecht dastanden und die nichts wert waren aus Sicht der anderen. Dadurch hat er viele Dunkelheiten erhellt.

Darum sind für mich die Advents- und Weihnachtstage eine wichtige Zeit. Sie rütteln mich auf. Sie sagen mir: Guck genau hin! Wem geht es schlecht? Wer braucht unseren Trost in unserem weiteren Umfeld, aber auch im näheren Freundes- und Bekanntenkreis? Wem können wir zum Licht werden, das das Dunkel zumindest etwas erleuchtet? Denn auch ein winziges Teelicht reicht schon aus, um die Orientierung in der Finsternis neu zu finden.

So wünsche ich Ihnen für die Advents- und Weihnachtszeit, dass Sie sich von Jesajas Jauchzen und Loben anstecken und bewegen lassen. Möge ein Funken des Sterns von Bethlehem auch Ihnen ganz persönlich Trost und Freude schenken.

Dorothee Sprick