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Gott lässt sich nicht instrumentalisieren

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? (Römer 8,31)

Dieser Vers aus dem Brief des Apostels Paulus an die frühe christliche Gemeinde in Rom wird in manchen Jahren von meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden gern als Konfirmationsspruch ausgewählt. Wenn man die Jugendlichen nach dem Grund ihrer Wahl befragt, beschreiben sie den Vers als kurze und knackige Zusammenfassung des Handelns Gottes. Gott hat uns erwählt und in diesem Wissen dürfen wir leben.
Mir war dieser Vers in seiner Aussage lange unbehaglich. Er nährte in meinen Augen viel zu oft in der Geschichte ein großes Missverständnis. Nach dem Motto: Gott mit uns – gegen die anderen! Als ob ich mir sicher sein dürfte, egal, was ich täte, Gott ist schon mit mir.
„Gott mit uns” stand auch auf den Koppelschlössern der deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Da zogen Armeen gegeneinander in den Krieg im missverstandenen Glauben, Gott würde ihr Tun gut heißen.
Wenn ich aber genauer auf den Vers schaue, beschreibt der erste Satzteil eine Kondition. Wenn Gott für uns ist. Wenn Gott uns erwählt hat, wenn er den Schritt auf uns zugemacht hat, erst dann hat das Folgen.
Gott ist nicht verfügbar. Gottes Mit-Sein ist Geschenk und Gnade. Ich kann es nicht erzwingen. Gott lässt sich nicht für menschliche Zwecke instrumentalisieren. Besonders nicht für Machtstreben oder Gewalt. So müssen Bilder von Waffen segnenden Geistlichen für alle Zeiten der Vergangenheit angehören. Prediger, die das Reich des Bösen in anderen Ländern festmachen wollen, gehören auf keine Kanzel irgendeines Gotteshauses auf dieser Welt.
Es ist und bleibt allein Gottes Kraft, die uns stärkt und so besonders macht. Wenn wir uns an Gottes Geboten orientieren, uns an seinen Verheißungen orientieren und eben nicht andere Menschen unterdrücken, mit Drohungen oder gar Krieg überziehen, dann wird keine Macht der Welt auf Dauer gegen uns sein.
In Jesus Christus hat uns Gott sein Ja zum Leben, zur Liebe, zu Friede auf der Erde aller Menschen klar und deutlich gemacht. Gott wird seinen Willen zum Heil für seine Schöpfung durchsetzen.
Wenn ich das Geschenk der Zuwendung Gottes wahr und ernst nehme, dann darf ich in der tiefen Überzeugung leben: Gott möchte mich mit seinem Segen begleiten. Er ist bei mir in schönen und schwierigen Momenten. Er hält seine Versprechen und schafft seine Beziehung zu uns immer wieder neu.

Martin Breetzke-Stahlhut