Dieser Beitrag wurde 232 mal aufgerufen

Zweifel – Hoffnung – Glaube

Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. (Johannes 11,26)

Ende Januar 2017 habe ich zu meinem Geburtstag das größte und wunderbarste Geschenk meines bisherigen Lebens von meiner geliebten Ehefrau geschenkt bekommen. Sie befand sich für einen experimentellen Heilversuch im Uniklinikum Würzburg und schrieb mir:

* * * * * * *

„Liebster, das was ich hier erlebt habe, werde ich nie vergessen und es hat mich so sehr verändert. Letzte Woche Freitag, als ich hier angekommen bin, habe ich mich so schlecht gefühlt. Ich hatte Wasser in der Lunge und konnte kaum atmen. Ich war so schwach, der Krebs war überall. Sie sagten mir, dass ich nur noch ein paar Tage zu leben habe, wenn jetzt nichts passiert.

Ich hatte so Angst. Das musste Sterben sein. War so Sterben? Das habe ich meine Mama die ganze Zeit gefragt. Ich hab‘ in diesem Moment gespürt, ich bin nicht allein. Da ist nicht nur Mama, da ist eine Hand, in der ich liege, die mich beschützt. Ich habe das erste Mal Gott gespürt und dass ich nicht allein bin. Vorher war ich immer am Zweifeln, hab geflucht: Warum machst du mich nicht gesund? Mach endlich was. Hast du mich vergessen?

Jetzt weiß ich, Gott ist da. Ich bin ein gläubiger Mensch jetzt, das Ganze hat mich sehr verändert. Ich glaube, wenn man solch eine Erfahrung macht, kann man sich entscheiden. Entweder man spürt Gott oder nicht. Dass es ihn gibt, daran besteht für mich jetzt kein Zweifel mehr. Jetzt, gut eine Woche später geht es mir gut. Die Chemo ist drin, die Nebenwirkungen fangen an, aber ich lebe! Das ist so ein wahnsinniges Gefühl. Ich weiß auch, es kann noch alles passieren und ich weiß ein kleinster Infekt kann mich töten, aber ich LEBE! Und ich komme nach Hause, das schwöre ich dir! Ich weiß jetzt, es kann jederzeit zu Ende sein – der Tod ist kein Tabu mehr.

Ich weiß nicht, wieviel Lebenszeit ich noch haben werde, aber ich weiß, dass ich diese genießen möchte mit DIR, meinen Kindern und meinen Liebsten. Diese schreckliche Erfahrung hat meinem Leben so viel mehr Sinn gegeben – jetzt schon. Es kümmern sich so viele Menschen um mich, Professor Einsele, der immer wieder eine Idee hat, obwohl es aussichtslos scheint. Ein Freund unserer Familie, der eine Therapie für mich finanziert, die von der Krankenkasse nicht genehmigt wird, meine Mama, die das alles mit mir zusammen durchsteht, DU, der beste Mann, den ich mir wünschen kann – Alle die helfen! Das ist doch Wahnsinn. Und dass ich heute draußen war, auf der Terrasse spazieren, in der Sonne. Ich drück dich so von Herzen mein Schatz, danke, dass du immer bei mir bist!“

* * * * * * *

Seit gut 18 Monaten war unser Leben durch die Diagnose Brustkrebs geprägt, ja, schwarz eingefärbt. Zum Zeitpunkt der Diagnose war meine Frau 28 Jahre alt und hatte fünf Monate vorher unseren zweiten Sohn zur Welt gebracht. Es kam immer wieder zu Höhen und Tiefen, kurzfristige Therapieerfolge gefolgt von umso schwereren Rückschlägen. Immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Tod, der Angst davor, mich mit unseren zwei Jungen allein lassen zu müssen. Leonie hatte in ihrem bisherigen Leben zu keinem Glauben gefunden, hatte Angst vor dem Sterben, wusste nicht, was nach dem Tod kommt. Anfang dieses Jahres hat sie Gott gespürt, ihr Leben in seine Hand gelegt. Keine Angst mehr vor dem Tod. Was für ein Geschenk!

In den letzten sechs Wochen ihres Lebens kam es zu immer mehr Komplikationen, der allgemeine Zustand meiner geliebten Leonie wurde zusehends schlechter und sie, die tapfere, kämpferische Löwin, wie ihr Name schon sagt, kam an ihre Grenzen. Ihr Versprechen hat sie gehalten. Neun Tage vor ihrem Tod ist sie zurück nach Hause zu ihren Kindern und mir gekommen. Sie hat noch den zweiten Geburtstag von unserem Jüngsten zuhause miterleben dürfen. Ohne die wunderbare Arbeit der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) und des katholischen Pflegedienstes wäre dies sicherlich so nicht möglich gewesen.

Zwei Tage vor ihrem Tod haben meine Frau und ich gemeinsam beschlossen, die Therapie abzubrechen und sie nur noch palliativ versorgen zu lassen. Wie durch ein Wunder konnte meine Liebste keine 48 Stunden später nach unserer Entscheidung ein Zimmer im Hospiz Steele beziehen. Dort angekommen sah sie sich um und sagte: „Hier ist es schön. Hier kann ich gehen.“

So war es dann auch. Wunderbar unterstützt und getragen durch einfühlsame, warmherzige und professionelle Menschen (den Ausdruck Personal finde ich irgendwie falsch an dieser Stelle) konnte meine Liebste ihren letzten Weg hier auf Erden friedlich beschreiten. Wir hatten eine WhatsApp-Gruppe für Freunde, in die ich einen Tag nach dem Tod meiner Frau schrieb:

* * * * * * *

„Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Johannes 11, 26

Unsere geliebte Leonie, die auch schon hier auf Erden ein Engel war, hat Samstagnachmittag ihre letzte Reise angetreten. Um 12.30 Uhr ist sie ins Hospiz in Steele eingezogen, kurz danach bin ich zu ihr gekommen, habe Bilder aufgehängt, ihren Koffer ausgepackt, total schöne Umgebung. Phantastische Menschen hier. Um 15:30 Uhr begann der Husten, die Atemnot. Erleichterung mit Morphium. Ich habe ihre Hand gehalten, ihr über den Kopf gestreichelt, für sie gebetet, für sie gesungen. Bei ihrem letzten Schritt zum himmlischen Vater war sie nicht allein.

Leonie ist friedvoll, ohne Leid und Angst, hinüber gegangen. Kein Leid mehr, das war das, was ich für meine Liebste so erbeten hatte und dieses Gebet ist erhört und erfüllt worden. Dort wo sie jetzt ist, bei Gott, kann sie wieder laufen, ist frei von Krankheit und Leid, kann wieder lachen, kann wieder am Leben ihrer Kinder teilhaben und sich daran erfreuen.

Abends im Gebet mit meinen Kindern erbitte ich immer einen Engel, der an unserem Bett steht, uns behütet und uns gute Träume schenkt. Seit gestern Nacht ist dieser Engel ein ganz besonderer Engel. Und wer, wenn nicht Mama und Ehefrau, könnte bessere Träume schenken? Danke Liebste, danke für alles. Lichtgestalt, Engel auf Erden. JA DANKE DU!“

* * * * * * *

Die Tageslosung und der Lehrtext für den 11. März 2017, den Todestag meiner Frau, waren:

„Der Herr ward mein Halt. Er führte mich hinaus ins Weite.“ (2. Samuel 22,19-20)
„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (2. Korinther 3,17)

Gott befohlen!

Immanuel Putz

Ein Gedanke zu „Zweifel – Hoffnung – Glaube

  1. Lieber Immanuel, das hast du wunderschön geschrieben. Wie gut , dass du in deinem Glauben Trost und Kraft finden kannst, den Verlust von Leonie zu tragen. Kraft, um für eure Jungs da zu sein und sie ins und im Leben zu begleiten.
    Auch ich habe Leonie als besonderen Menschen wahr genommen. So ein Leuchten , als hätte sie, flapsig gesagt, eine Glühbirne verschluckt. Ich erinnere mich an die hinreißend schöne Braut und den glücklichen Bräutigam bei eurer Hochzeit.
    Ich erinnere mich auch an die Trauerfeier in der vollen vollen Kirche und die Luft Ballons , die zum Himmel stiegen. Ich denke an dich, euch.
    Alles Gute und weiterhin Geborgenheit in Gottes Hand wünscht dir Ute Pippert

Kommentare sind geschlossen.