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Was bedeutet Trost für dich? | Andächtiges zur Jahreslosung #7

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Wann habt ihr Trost gebraucht, wen habt ihr zuletzt getröstet, was verbindet ihr mit mütterlichem Trost? Das haben wir in den ersten Wochen des Jahres gefragt – Anlass war die biblische Losung für dieses Jahr. Einige der sehr persönlichen und berührenden Reaktionen auf unsere Fragen haben bereits wir auf unserer Facebook-Seite Evangelisch in Essen veröffentlicht. In diesem Beitrag haben wir nun alle Antworten zusammengestellt.

Meine Erinnerung an mütterlichen Trost ist:

…Arme, die mich umfangen und halten, eine Stimme, die leise singt. Werner Korsten
…die bedingungslose Liebe und Zuwendung, die ich immer dabei empfunden habe. Sylvia Rominsky
…verbunden mit einem Angsterlebnis im Herbst 1944. Bei einem Spaziergang am Rand eines Thüringer Dorfes schubste mich meine Mutter unvermittelt in den Straßengraben und warf sich über mich. Schon donnerten zwei englische Tiefflieger heran. Ich starrte nach oben und sah für einen Moment das Gesicht eines in einer Glaskanzel liegenden Soldaten mit dem Gewehr im Anschlag. Ich wollte schreien. Meine Mutter begann zu singen. Als der Motorenlärm wider lauter wurde und die Flieger noch einmal zurückkehren, sagte meine Mutter: Sie treffen uns nicht, Sie haben selbst Kinder. Heinrich Gehring
…dabei fallen mir sofort Szenen aus meiner Kindheit ein. Ich bin in einem kleinen Dorf groß geworden mit vielen Wiesen, Feldern, Obstbäumen, Bauernhöfen. Einer meiner Freunde kam von einem Bauerhof. Wir beiden waren immer gerne draußen und unternahmen viel zusammen, kletterten auf Bäume, ließen uns an Ästen kopfüber runter hängen, fuhren Roller um die Wette, tobten im Stroh und halfen bei der Ernte. Dabei kam es vor, dass ich mit dem Roller stürzte, im Zaun hängen blieb, ungünstig fiel und mir aufgeschlagene Knie, Schürfwunden, Schnittwunden, Verstauchungen zuzog. Was dann folgte lief immer in ähnlicher Weise ab: Ich ging nach Hause mit Tränen in den Augen. Meine Mutter war in der Regel da, schaute sich meine Wunde an, fragte, was geschehen war und sagte dann oft: Da hast du dir aber wehgetan, pustete, versorgte mich mit einem Pflaster, drückte mich liebevoll an sich, sprach ein paar tröstende Worte und dann war in der Regel wieder alles gut. Ich konnte weiter spielen. Es tat zwar noch weh. Aber der Schmerz war nur noch halb so schlimm. Heiner Mausehund
…als asthmakrankes Kind zu erleben, dass sie stundenlang meine Brust eingerieben hat, damit ich ruhiger wurde und etwas schlafen konnte. Frank Didden
…im Winter im Sauerland eine heiße Tasse Kakao mit meiner Mutter am Küchentisch. Marion Greve

Wer mich als Kind am besten trösten konnte, war:

… meine Großmutter. In ihrem schwarzen Schoß war immer Platz für meinen trotzigen Kopf. Heinrich Gehring
…meine Geschwister, die mich in Konflikten mit den Eltern unterstützten. Ich war nicht allein gegen die vereinigte elterliche Macht. Werner Korsten
…mein Vater, der immer ruhig blieb, wenn für mich die Welt zusammenbrach. Marion Greve

Als Kind habe ich Trost gebraucht, als:

…ich beim Sport wieder einmal verloren oder versagt hatte. Heinrich Gehring
…mein Pflegepferd von seinem Besitzer eingeschläfert wurde, ohne dass ich davon vorher wusste. Marion Greve

Wann ich zuletzt jemanden getröstet habe:

…das war, als mir beim letzten Nachtdienst für die Telefonseelsorge eine Anruferin erzählte, dass sie vor kurzem von ihrem Mann wegen ihrer tödlichen Krankheit verlassen wurde. Werner Korsten
…vielleicht war das kurz vor Weihnachten die Schülerin, der ich mach langem Hin und Her eine Lehrstelle vermittelt hatte. Sie stand morgens um 9 Uhr vor meiner Tür. Sie hatte mal wieder die Brocken hingeschmissen. Sie fühlte sich von ihrem Betrieb ausgenutzt und vom Chef ungerecht behandelt. Ich habe ihr einfach nur zugehört. Dann haben wir miteinander gekocht. Plötzlich stand sie auf und sagte: Ich rede noch mal mit dem Chef. Heinrich Gehring
…das war nach einem Gottesdienst. Eine Frau kam zu mir und weinte. Ich kannte sie und wusste, dass sie sich vor kurzem von ihrem Mann getrennt hatte. Ich nahm sie in den Arm und hielt mit ihr ihre Tränen aus. Heiner Mausehund
…als Vater sehe ich mich, wie ich unsere große Tochter, die damals noch ganz klein war, durchs Zimmer trage. Sie weint, herzzerreißend. Ich halte sie auf dem Arm, streiche ihr über Kopf. Drehe mit ihr Runde um Runde durch das Kinderzimmer, obwohl sie immer schwerer zu werden scheint. Ich spreche ihr gut zu. Allmählich beruhigt sie sich. Schließlich ist ihr Weinen und Schluchzen beendet. Getröstet kann ich sie wieder auf ihre eigenen Beine stellen. Schon geht für sie das Leben weiter als wäre nichts geschehen. Andreas Müller
…ein Gemeindeglied mir erzählte, dass ihr Mann sie nach langer Ehe verlassen hatte. Marion Greve

Wer mich zuletzt getröstet hat:

…mein Enkelsohn, als mir am Heiligen Abend die Tränen kamen: Du verdirbst mir mit Deinem Heulen noch das ganze Weihnachtsfest, waren seine Worte. Heinrich Gehring
…das war meine Frau, die meinen beruflichen Ärger verstanden hatte. Werner Korsten
…das war ein Gebet: Es ist inzwischen ein paar Jahre her und ich war, nach dem Tod meines Mannes, in einer tiefen Trauerphase und es ging meiner Seele sehr schlecht, da ich mich mal wieder so einsam und verlassen gefühlt habe. In meiner Not habe ich meinem Pfarrer eine Mail geschrieben und ihm davon berichtet. Mein Pfarrer war mir lange Zeit ein wunderbarer und geduldiger Tröster und auf meine Mail hin hat er mir das Gedicht „Spuren im Sand“ von Margaret Fishback Powers geschickt, welches mir bis dahin unbekannt war. Sofort habe ich es gelesen und es hat mich so sehr berührt, dass ich vor Glück geweint habe, weil dieses Gedicht in meiner Situation genau das Richtige war. Seither steht eine Karte mit diesem Gedicht auf meinem Schreibtisch. Immer wenn es mir nicht gut geht, lese ich es und es löst sofort ein Lächeln bei mir aus. In dem Gedicht geht es um die Zusage, das Gott uns nie alleine lässt, erst recht nicht in Nöten. Seitdem ist für mich die Zusage der bedingungslosen Liebe Gottes eine der wichtigsten und schönsten Aussagen meines christlichen Glaubens geworden. Marita Raßmann
…meine älteste Tochter, die mich in den Arm genommen hat. Marion Greve
…das war Johannes Brahms. Ich sang in einem Konzert sein Deutsches Requiem und erinnere mich noch jetzt intensiv an den vierten Satz, der auch den Vers aus Jesaja 66 vertont, der jetzt die Jahreslosung ist: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Das habe ich bis heute nicht vergessen: wir haben einen Gott, der uns so liebt, wie man das als Kind von seinen Eltern erfahren hat. Dieser Satz – in Verbindung mit der Musik – begleitet mich seither und schenkt mir innere Ruhe. Raoul M. Kisselbach

Wenn ich Trost suche, finde ich ihn:

…bei einem vertrauten Menschen. Werner Korsten
…bei einer Choralimprovisation am Klavier. Heinrich Gehring
…wenn ich mir selbst ganz bewusst etwas Gutes tue, z.B. mit einem Kaffee und Losungsbüchlein im Bett. Maret Schmerkotte
…mich tröstet sehr, dass ich in der Arbeit mit älteren Menschen immer wieder den Wert kleiner Freuden entdecke: ein freundliches Gespräch, gemeinsames Singen, sich Luftballons zuwerfen… Diese schlichten Freuden trösten mich über die Negativschlagzeilen in den Medien hinweg, dass wir Menschen doch eigentlich freundlich und wohlwollend miteinander umgehen können. Ich bin nicht gläubig und trotzdem sprich mich das Leitwort an. Für mich ist Gott immer wieder eine Chiffre für das Freundliche, Lebensbejahende, was uns Menschen möglich ist. Petra Fiedler
…bei meinem Mann, bei meiner Familie, bei lieben Freunden – und in Kirchen, in denen ich ein Kerzenlicht anzünden kann, wenn ich Sorgen habe. Marion Greve
…bei meiner Frau, Freunden, Gott. Heiner Mausehund
…dort, wo ich mich von Gott in den Arm nehmen lasse. Tabea Tacke

Gesammelt von Stefan Koppelmann