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Über Gastfreundschaft

Bleibt fest in der geschwisterlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. (2. Hebräer 13,1+2)

Gastfreundschaft begegnet uns in vielen Geschichten in der Bibel. Eine der bekanntesten ist die, in der Jesus 5000 Menschen mit nur fünf Broten und zwei Fischen sättigt. Bereits diese Erzählung zeigt, dass es bei dieser Bewirtung umso viel mehr geht als nur das körperliche Sattwerden. Und so ist auch das gemeinsame Abendmahl in der Nachfolge Jesu für uns Christinnen und Christen das Zeichen der Gegenwart Gottes über den Tod hinaus geworden.

Wie können wir Gastfreundschaft untereinander und mit anderen zeigen in Zeiten, in denen wir uns nicht begegnen können, in denen wir Distanz halten sollen? In Zeiten, in denen wir nicht das Abendmahl miteinander feiern können?

Wie es gehen kann, zeigt das Lied „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“ (Evangelisches Gesangbuch, 667). Das Brot, das miteinander geteilt wird, hat eine große Kraft in sich. Es kann sich verwandeln und es kann uns verwandeln. Und so wie wir Essen, wie wir das Brot miteinander in der direkten Begegnung teilen, so können wir immer und überall und auch über Distanzen hinweg Leid, Trost, Freude oder Hoffnung mit anderen teilen. So kann Freude größer, Leid erträglicher werden.

Darum geht es, so hören wir es im Kehrvers des Liedes: um die Liebe, die alles umfängt. Das Lied, 1981 in Leipzig entstanden, spielt an auf die Legende der Heiligen Elisabeth. Elisabeth war im 13. Jahrhundert Landgräfin in Thüringen. Obwohl es sich für eine Adlige nicht schickte, war es ihr als Christin wichtig, die Ärmsten persönlich mit Lebensmitteln zu versorgen. Aber als ihr Mann ihren Brotkorb kontrollierte, verwandelten sich die Brote in Rosen.

In der Gastfreundschaft anderen gegenüber können wir Gottes Liebe auf vielfältige Weise bezeugen. Wo die Liebe ist, da ist Gott. Die Liebe, die mich als Gottes geliebtes Kind leben lässt, bleibt nicht bei mir selbst stehen. Sie führt geradezu selbstverständlich dazu, die anderen einzubeziehen. Gerade da, wo sie die Ärmsten und Gefährdetsten erreicht, ist Jesus nicht weit: vor unserer Haustür, aber auch überall auf unserer so unterschiedlich ausgestatteten Welt.

Und ich bin mir sicher: die Begegnungen, die sich so ergeben, führen uns mit Engeln zusammen, die unser Leben unendlich bereichern können.

Wir beten:

Guter Gott,
wir bitten dich für alle, die Hunger haben und denen das Notwendigste zum Leben fehlt. Wir bitten dich für alle, die Hunger haben nach Wärme und Geborgenheit, nach Frieden und Versöhnung, nach einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Wir bitten dich für alle, die Hunger haben nach deinem Wort und die unsere Erde mit allen Menschen gerecht teilen möchten. Wir bitten dich, stille unseren Hunger nach dem Brot des Lebens und umfange uns mit deiner Liebe.
Amen.

Helga Siemens-Weibring

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