Was wirklich zählt ist unbezahlbar

Was wirklich zählt ist unbezahlbar. Ja das stimmt. Spontan kann ich der Aussage direkt zustimmen. Doch dann fange ich an zu träumen: Eine Weltreise, ein großer Urlaub voller Komfort, eine noch schönere und größere Wohnung, ein zweites, neues und größeres Auto, wo wir uns nicht mehr zwischen Kinderwagen und etwas mehr Gepäck entscheiden müssen. Oder kleinere Dinge, noch ein theologisches Buch oder eine neue Jacke zum Wandern kaufen.

Alle genannten Dinge sind mit Geld bezahlbar. Also stimmt die Ausgangsthese doch nicht? Manche der Träume könnten wir vielleicht direkt verwirklichen, für andere müssten wir erstmal sparen. Aber alle sind mit Geld bezahlbar. Weiterlesen

Dankbarkeit

Ich bin so… antriebslos, hat er gesagt, als er nach seinen Untersuchungen völlig geschafft in meinem Büro sitzt. Weißt Du, ich habe so gar keine Lust mehr… zu nichts… eigentlich noch nicht einmal zum Wegfahren. Und während er das sagt, schaut er mich ganz traurig an. Du kennst mich doch. Sonst mache ich doch auch mal ein paar Witzchen, schreibe etwas Lustiges, aber nichts. Geht nicht. Ich weiß nicht…

Beide schauen wir betröppelt aus der Wäsche, so hätte es meine Großmutter formuliert. Beide hängen wir unseren Gedanken nach, schweigen gemeinsam. Und dann sage ich, ja, das geht mir auch so. Alles ist im Moment irgendwie anders. Die Zeit rast ohne das wirklich etwas passiert. Ich fühle mich auch sehr angestrengt im Moment, die Zeit ist schwer. Weiterlesen

Mein Name

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1)

Wenn man im Duden unter „Name“ nachschaut, findet man zwei Bedeutungen: „Bezeichnung, Wort, mit dem etwas als [Vertreter einer] Art, Gattung von gleichartigen Gegenständen, Lebewesen o. Ä. benannt wird; Gattungsname, Appellativ.“ Als zweite Bedeutung findet man: „Kennzeichnende Benennung eines Einzelwesens, Ortes oder Dinges, durch die es von anderen seiner Art unterschieden wird; Eigenname.“

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ – Ich muss Ihnen gestehen: ich mochte diesen Satz eine lange Zeit absolut nicht. Das hatte einen ganz bestimmten Grund: Das erste Mal habe ich ihn nämlich auf einer Todesanzeige gelesen. Und danach immer wieder in diesem Zusammenhang. Der Satz hatte für mich also stets etwas mit dem Sterben zu tun. Dass dieser Satz aber eigentlich ein Satz ist, der für die Taufe gedacht ist, das habe ich viel später erfahren. Und dass die Taufe und das Sterben viel miteinander zu tun haben, noch viel später. Weiterlesen

Wie ein Lachen

Wie ein Lachen, wie ein Vogelflug steigt ein Lied zum Himmel auf. Und ich staune, mir wird leicht; Gottes Flügel tragen weit. (Birgit Kley)

Auch kalendarisch hat der Sommer begonnen. Die Sonne scheint, es wird immer wärmer, alles blüht in satten Farben, alle Büsche und Bäume sind grün. Und… die Sommerferien beginnen. Eigentlich ist es die Zeit, auf die wir uns meistens freuen, denn wir verbinden sie mit Urlaub, auf Reisen gehen, etwas anderes erleben, eine Auszeit nehmen, die Seele baumeln lassen, sich erholen. Doch für die meisten Menschen haben sich die Urlaubspläne verändert, der ursprünglich geplante Urlaub kann doch nicht angetreten werden, manche Ziele haben sich geändert, manche von uns bleiben auch Zuhause. Weiterlesen

Jubilate – Jubelt!

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. (Psalm 118,24)

Der heutige Sonntag trägt den Namen „Jubilate“ – „Jubelt!“. Zu jubeln ist aber gerade das Letzte, wonach uns ist. Immer noch können wir unsere Lieben nicht treffen. In die Arme nehmen. Das Virus ist nicht besiegt. Und es fällt uns immer schwerer uns an Auflagen zu halten. Jeden Tag hören wir viel über Corona. Jeden Tag sehen wir in den Nachrichten Vieles, dass uns Sorgen bereitet. Überall auf der Welt. Das ist schwer und wir wünschen uns wieder normale Tage. Deshalb habe ich mir überlegt, dass ich Ihnen heute nichts von dem Schlechten erzählen will. Sondern Ihnen zeige, wie schön unser Leben auch jetzt ist. Weiterlesen

Einer geht mit

Ich war ängstlich und rief zu dem Herrn. Und er antwortete mir. (Jona 2,3)

Ängstlich sind viele von uns in dieser Zeit. Nun leben wir schon seit einigen Wochen mit der Pandemie, mit diesem neuen Leben, das sich niemand von uns je hätte vorstellen können. Wir haben ein Osterfest erlebt, das so anders war, Ferien, die sich nicht danach anfühlten. Und jetzt hätten sich viele sicher sogar gewünscht, dass die Schule wieder ganz normal hätte beginnen sollen, wenn unser Leben wieder normal sein könnte. Alle, die Abschlussprüfungen vor sich haben, sind verunsichert und die Lehrkräfte und Familien sind es natürlich auch.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, für mich war Ostern irgendwie so ein Datum, auf das vieles hinlief. Und als ich die Glocken aller Essener Kirchen am Ostersonntagmorgen läuten hörte und dazu in den strahlend blauen Himmel schaute, wurde mir ganz warm ums Herz. Und ich dachte, jetzt wird diese bedrückende Zeit bald ein Ende haben. Weiterlesen

Welch ein Trost!

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Manchmal ist das so, manchmal ist man trostbedürftig, so richtig, mit allem, was dazugehört: sich anlehnen oder ankuscheln, nicht viel reden, festgehalten werden, Nähe spüren und vor allen Dingen: nicht in Frage gestellt werden – einfach sein zu dürfen und alles an Zuwendung zu bekommen, was geht: von Schokolade angefangen über Streicheleinheiten bis hin zu: keine Ahnung. Manchmal ist das so. manchmal will man die Welt nicht mehr sehen, braucht man Trost um durchzuhalten.

Anlässe gibt es viele. Trauer über Verluste, Liebeskummer, Scheitern, enttäuschte Hoffnungen, leere Versprechungen, schmerzhafte Diagnosen… Als Kind scheint es mir fast einfacher zu sein, an Trost zu kommen, vielleicht liegt es daran, dass Kinder viel schützenswerter, viel zerbrechlicher wirken als Erwachsene. Weiterlesen

Zeit zu hamstern!

Macht euch also keine Sorgen um den kommenden Tag – der wird schon für sich selber sorgen. Es reicht, dass jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten hat. (Matthäus 6,34)

Die allgemeine Verunsicherung, die wir gerade spüren, zeigt sich deutlich in unserem Kaufverhalten. Lieber alles zu Hause haben. Dann kann ich für mich sorgen. Gestern beim Einkaufen traf ich auch Menschen, die ihren Einkaufswagen weit über den Rand gefüllt hatten, Verkäuferinnen die uns mit den Worten verabschiedeten: „Alles Gute, hoffentlich werden wir alle das überleben!“

Die Worte klingen in mir nach. Manche Menschen erlebe ich auch wie in einer Schockstarre. Immer wieder höre ich Fragen und fühle mich auch selbst überrollt von der Geschwindigkeit der Ereignisse: Wie wird es weitergehen? Welche Einschränkungen werden die nächsten sein? Werde auch ich, werden meine Lieben krank werden? Sterben? Wie wird mein Leben im Herbst aussehen? Weiterlesen

Über die Verletzlichkeit menschlicher Beziehungen | In Zeiten von Corona #3

Der Herr wandte sich Israel wieder zu um seines Bundes willen mit Abraham, Isaak und Jakob und wollte sie nicht verderben, verwarf sie auch nicht von seinem Angesicht bis auf diese Stunde. (2. Könige 13,23) – Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. (Römer 11,29) | Herrnhuter Tageslosung für den 19. März 2020

Die Corona-Krise erinnert uns an unsere Verletzlichkeit. Was wir gerade erleben, lässt uns spüren, dass wir Naturwesen sind – gemacht aus vergänglichem Staub, wie es in der Bibel ausgedrückt wird. Jederzeit kann es zu Ende sein, jederzeit kann es mich treffen, ich kann es nicht wirklich beeinflussen, was auf mich zukommt.

Unsere Tageslosung spricht nun davon, dass Gott sich mit dem endlichen Staub-Wesen Mensch verbindet; eine liebevolle Bindung eingeht. Weiterlesen

Über das Hamstern | In Zeiten von Corona #2

Es wartet alles auf dich, Herr, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. (Psalm 104,27-28) – Ihr habt schon geschmeckt, dass der Herr freundlich ist. ( 1. Petrus 2,3) | Herrnhuter Tageslosung für den 18. März 2020

Vorgestern habe ich zum ersten Mal eine Hamsterin gesehen. In meinem kleinen Stadtteilsupermarkt, mit dem eher unattraktiven Sortiment; ihr Wagen berstend voll mit Milch, Mehl, Nudeln und Klopapier!

Dass bei LIDL und ALDI bereits Scharen von Hamsterern gewesen waren, war mir durch spottende WhatsApp-Bildchen schon ein paar Tage zuvor zugetragen worden. Das konnte ich noch gut abtun: wie irre ist das denn! Wie übertrieben diese Panik! So würde ich mich nicht verhalten. Ich kaufte kein Klopapier und keine Konservendosen – um es mir zu beweisen: Das alles hier hatte mit mir nichts zu tun. Corona würde mich nicht erreichen, wenn ich das Thema nur intensiv genug von mir weghalte, einfach zum Thema „der anderen“ machte. Weiterlesen