Siehe, es kommt die Zeit

Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit. (Jeremia 23,6)

Mit dem Advent beginnt auch ein Aufatmen. Ein neues Kirchenjahr liegt vor uns – hinter uns liegen Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag. Wir haben unserer Schuld gedacht und die Verstorbenen Gott anbefohlen. Wir haben uns das eigene Sterben bewusst gemacht. Jetzt können wir aufatmen. Auch beim Singen. Die Melodien werden beschwingter, sogar tänzerischer. Selbst die biblischen Texte atmen durch und schauen in die Ferne. Siehe, sagt der Prophet Jeremia, es kommt die Zeit…

Jeremia führt uns in eine Zeit vor zweitausendsechshundert Jahren, weit zurück in das Alte Testament. Das Königreich Juda befindet sich kurz vor seinem Untergang. Und der Prophet meldet sich zu Wort. Weiterlesen

Gott hat es getan!

Wenn ich von meiner Schwester nach Hause laufe, komme ich an diesem Büdchen vorbei, wo eigentlich immer welche stehen, die es sich bei einer Flasche Bier und Zigaretten gut gehen lassen. Normalerweise kann ich nicht verstehen, was sie miteinander reden, dieses Mal aber hörte ich im Vorübergehen, wie der eine Mann, der dort stand, dem anderen sagte: Die Menschen bringen sich alle gegenseitig um! Eine steile These, dachte ich spontan, und dann musste ich lächeln, weil mir einfiel, dass schon meine Großmutter mir versichert hatte: Die Menschheit bringt sich selber um. Weiterlesen

Ich denk‘ an dich!

Was ist schon der Mensch, dass du an ihn denkst? (Psalm 8,5)

Jeden Morgen stehe ich vor dieser Tür. Dahinter ist meine einjährige Tochter und schreit. Und ich stehe da und weiß nicht mehr: Tue ich das Richtige? Ich will wieder reingehen und zu meiner Tochter sagen: Ich bin doch da, ich vergesse dich doch nicht!

Vielleicht kennen Sie das: Man möchte sein Kind am liebsten gar nicht hergeben. Es ist so schön, zu sehen, wie es spielt und lernt. Man möchte ja auch aufpassen und das Kind beschützen. Aber man muss dem Kind auch etwas zutrauen. Es geht nicht anders. Es muss lernen, erste eigene Schrittchen zu machen. Es darf die Welt entdecken. Eltern wissen: Es ist nötig, das Kind immer mehr loszulassen; aber es ist schwer, sich zurückzunehmen. Ein Kind weiß ja auch noch nicht, dass es gut ist, wenn ich es der Tagesmutter gebe und dann weggehe. Es hat keine Ahnung davon, dass es später mal Verantwortung übernehmen muss, dass es sein Leben gestalten muss, dass es Dinge allein schaffen muss. Es fühlt sich allein und verlassen. Weiterlesen

„Du bist ein Uruguayer!“ | Kirche und Heimat #1

Im letzten Jahr habe ich mit meiner Familie eine Heimreise in mein Geburtsland Uruguay unternommen. Nach 50 Jahren und 15.000 Kilometern Wegstrecke kamen wir in Paysandú, einer Provinzstadt am Grenzfluss Uruguay, in der Evangelisch Lutherischen Gemeinde an.

Von der ersten Stunde an fühlte es sich wie eine Heimkehr an. Wir wurden herzlich von Leuten empfangen, die mein Vater vor 50 Jahren konfirmiert hatte. Der jetzige Pfarrer Ruben führte uns in das Pfarrhaus, in dem ich vor fast 60 Jahren das Licht der Welt erblickte. Er holte die Kirchenbücher hervor, in dem alle Taufen handschriftlich eingetragen waren. Wir tranken das Nationalgetränk Matte-Tee, das mich meine alte Heimat schmecken ließ. Kurze Zeit später meldeten sich ein Schulfreund, meine Klavierlehrerin und viele andere wieder vertraute Menschen. Es gab viel zu erzählen, viel Assado zu essen und vor allem den „eingeschworenen“ Hinweis „Du bist ein Uruguayer“.

Meine Kindheit, die damit verbundenen Gefühle und Erlebnisse wurden nach so langer Zeit wach und lebendig. Vergangene und zurückgelegte Heimat wurde hautnah wieder erlebbar. Mit dem Umzug der dort gegründeten Familie nach Deutschland Ende der 60iger Jahre wurde ich nicht heimatlos, aber ich hatte lange Zeit Heimweh nach dem Heimatland und dem Zuhause meiner Kindheit. Weiterlesen

Vom Hausherrn und seinen Gehilfen

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter. (1. Korinther 3,9)

Vor einiger Zeit kam ein Ehepaar in den Sonntagsgottesdienst, um etwas für die Trauung ihres Sohnes zu besprechen. Und zum Schluss meinte der Vater zu mir: „Das gehört sich ja so, dass man sich vorher mit dem Hausherrn in Verbindung setzt.“ Dann zögerte er einen Moment, sah mich an und korrigierte sich mit den Worten: „Nein, der Hausherr sind Sie hier nicht, Sie sind der Gehilfe des Hausherrn.“ Weiterlesen