Ein jeder sehe auf das, was dem anderen dient

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. (Philipper 2,3-4)

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei mir haben diese Verse aus dem Brief, den der Apostel Paulus an die Philipper schreibt, so richtig gesessen! Ich finde mich so gar nicht darin wieder, weil ich im Moment auf Krawall gebürstet bin. Denn in dem Heim, in dem meine Schwester lebt, läuft es gerade nicht so rund, und das bringt mich ganz ordentlich auf die Palme. Da bin ich gar nicht einmütig und liebevoll, da bin ich – positiv formuliert – höchst engagiert, da kämpfe ich. Und es ist mir am Ende auch nicht wichtig, ob die Menschen mich dort mögen oder nicht. Meiner Schwester soll es gutgehen. Um das zu erreichen, bin ich im Moment so gar nicht handzahm, wie eine Bekannte das nennen würde, sondern richtig rebellisch.

In diese Stimmung hinein also dieser Text, der mich jäh auszubremsen scheint, zumindest ins Stolpern bringt, nachdenklich macht und mich auch kritisch hinterfragt. Um wen geht es hier, wenn du kämpfst? Geht es wirklich um Nedde, meine Schwester, oder doch um mich selbst? Geht es um Verbesserungen für Nedde oder um die eigene Ehre? Weiterlesen

Herr O. berührt den Himmel

Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. (Philipper 1,21)

Es gibt Menschen, die wachsen in schweren und ausgesprochen schwierigen Zeiten über sich hinaus und berühren dann sozusagen den Himmel. Ein schöneres Bild ist mir jetzt nicht eingefallen, aber ich möchte es Ihnen auch gern erklären: Ich begleite zurzeit Herrn O. Kennengelernt haben wir uns im vergangenen Jahr, irgendwann im Sommer. Er rief mich an, wollte nur reden, hat er gesagt und klang etwas atemlos dabei.

Als Pfarrerin ist man dann aber auch auf alles vorbereitet. Wir haben uns getroffen und geredet. Viel geredet. Er hat erzählt und ich habe erst einmal zugehört, nachgefragt, mit ihm überlegt. Was war passiert? Er war ins Krankenhaus gekommen, weil es ihm nicht so gut ging und wurde auf den Kopf gestellt und gefunden hat man eine Tumorerkrankung. Wie Ärzte dann so sind, hatten die auch schon einen Plan im Kopf, wie es für ihn weitergehen könne. Diese und jene Therapie wollten sie mit ihm machen, er solle gleich da bleiben und sich ganz in ihre Hände begeben.

Und er? Er wirkte auf mich zunächst grummelig, dann auch unsicher und vor allem abwehrend. Das alles wollte er gar nicht. Es war alles zu viel und vielleicht war es ja auch der Wille Gottes, dass er das jetzt aushalten müsse. Wir haben viel geredet, das tun wir noch immer, und wir schreiben uns jetzt auch. Und wenn ich ihm jetzt begegne oder von ihm lese, dann geht mein Herz auf. Weiterlesen

Anleitung zum Beten

Menschen, die etwas mit Gott erlebt haben, sagen oft: „Gott hat mein Gebet erhört.“ Sie reden zu Gott und Gott gibt eine Antwort, indem das Gebetsanliegen eingetroffen ist. Das ist doch wunderbar! Doch viele sind verunsichert, wenn sie hören, dass man mit Gott einfach so reden und ihm alles sagen kann, was einen bewegt. Meine Erfahrung ist: Kindern fällt es leicht, zu Gott zu beten. Verlernen wir es denn beim Erwachsenwerden wieder? Um es wiederzuentdecken, hier ein paar Tipps, wie ein Gebet aussehen kann. Weiterlesen

Wir basteln uns einen Gott

In meiner Jugendzeit habe ich ein lustiges christliches Kabarettduo erlebt, das in seinem Programm den Umgang mit der Bibel aufs Korn genommen hat. Es klang so, wie ein Werbespot: „Halten Sie nicht auch manche Aussagen der Bibel für überholt? Und sind nicht viele Passagen für Ihre nichtchristlichen Freunde völlig ungeeignet? Dann brauchen sie den neuen Bibabo. Den Bibelbastelbogen, der Bibellesen wieder zum Vergnügen macht. Der Bibabo ist eine Bibel mit vorperforierten Seiten zum leichten Raustrennen unbequemer Passagen. Stellen Sie sich Ihre ganz individuelle Bibel selbst zusammen. Mit dem neuen Bibabo ist das ein Kinderspiel.“

Wie das bei Satire so ist, ist auch da viel Wahres dran, denn so geht es uns doch manchmal beim Bibellesen. Doch da fängt das Problem schon an: Wer bestimmt denn, was wahr ist und was nicht? Wer entscheidet dann, welche Aussage über Gott richtig ist und welche nicht? Weiterlesen

Warum unsere Kirchen selten bunt sind| Kirche und Farben #1

Würde man die Menschen am Samstagmorgen bei uns auf dem Frohnhauser Markt fragen, was sie mit dem Wort „Kirche“ verbinden, würde wohl kaum die Assoziation „Farbe“ dabei sein. Eher hätten die Menschen Vorstellungen, die auf das Gebäude, den Kirchenraum oder den Gottesdienst hinauslaufen. Vielleicht kämen sie auf Glocken, Kreuz, Predigt oder Bibel. Weiterlesen

Was bedeutet Trost für dich? | Andächtiges zur Jahreslosung #7

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Wann habt ihr Trost gebraucht, wen habt ihr zuletzt getröstet, was verbindet ihr mit mütterlichem Trost? Das haben wir in den ersten Wochen des Jahres gefragt – Anlass war die biblische Losung für dieses Jahr. Einige der sehr persönlichen und berührenden Reaktionen auf unsere Fragen haben bereits wir auf unserer Facebook-Seite Evangelisch in Essen veröffentlicht. In diesem Beitrag haben wir nun alle Antworten zusammengestellt.
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Ein Trost, der zur Orientierung wird | Andächtiges zur Jahreslosung #6

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,1)

Es ist eine wunderbare und bedenkenswerte Jahreslosung, die uns durch das Jahr 2016 begleiten soll. Sie stammt aus dem letzten Kapitel des alttestamentlichen Propheten Jesaja. Ja: Gott tröstet wie ein (gute) Mutter: Wir müssen uns Gott also wahrlich nicht zwangsläufig als Mann vorstellen; nur weil das über Jahrhunderte hinweg so geschehen ist. Ich bin dankbar dafür, dass „Gott-Vater“ schon in der Bibel neben allen männlichen auch ganz und gar weibliche Züge trägt. Unser Glauben wäre sonst um Entscheidendes ärmer. Weiterlesen

Der Trost Gottes ist die Erfahrung seiner Nähe | Andächtiges zur Jahreslosung #5

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Bei den Worten „trösten wie einen seine Mutter tröstet“ fallen mir sofort Szenen aus meiner Kindheit ein. Ich bin in einem kleinen Dorf groß geworden mit vielen Wiesen, Feldern, Obstbäumen, Bauernhöfen. Einer meiner Freunde kam von einem Bauerhof. Wir beiden waren immer gerne draußen und unternahmen viel zusammen, kletterten auf Bäume, ließen uns an Ästen kopfüber runter hängen, fuhren Roller um die Wette, tobten im Stroh und halfen bei der Ernte. Dabei kam es natürlich vor, dass ich mit dem Roller stürzte, im Zaun hängen blieb, ungünstig fiel und mir aufgeschlagene Knie, Schürfwunden, Schnittwunden, Verstauchungen zuzog. Was dann folgte, lief immer in ähnlicher Weise ab. Weiterlesen

Weg der Liebe und der Tröstung | Andächtiges zur Jahreslosung #4

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Gott, wie eine liebende, tröstende Mutter, Gott, wie ein hilfloses und schwaches Kind. Das sind beides Bilder, die unsere Vorstellung von Gott, vom Göttlichen, wohl um diese Tage jedes Jahr aufs Neue in Erstaunen versetzen. Und beides sind Bilder, die uns von Gott als der Liebe wie kaum andere erzählen können.

Vielleicht denken Sie an Situationen, in denen Sie Ihre Kinder als Mütter oder Väter, als Großmütter oder Großväter getröstet haben, als sie vielleicht hingefallen waren oder abgelehnt worden waren; oder als sie größer wurden und den ersten Liebeskummer hatten. Vielleicht erinnern Sie sich, wie Sie selbst als Kind auf den Schoß Ihrer Mutter, Ihres Vaters oder eines anderen nahen Menschen gesessen haben. Vielleicht sind selbst die Gefühle von Geborgenheit, die sich da in Ihnen ausbreiten, noch heute nachzuspüren. Vielleicht haben Sie sich dieses Gefühl aber auch nur sehnlich erwünscht und es doch entbehren müssen. Weiterlesen

Gottes Trost ist anders | Andächtiges zur Jahreslosung #3

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Die Worte der Jahreslosung für das neue Jahr 2016 hören sich gut an. Gott will uns trösten. Er will uns trösten, wie eine Mutter tröstet. Wer denkt da nicht an seine Kindheit zurück? Wie war das, als ich mit dem Roller hingefallen bin und mir das Knie aufgeschlagen habe? Wie war das, als mir beim Rodeln der Schlitten auseinanderbrach und ich mit ein paar Holzstücken in der Hand nach Hause kam? Wie war es, wenn ich eine schlechte Note in der Klassenarbeit nach Hause brachte? Da war es immer gut, wenn meine Mutter tröstete. Und das war keine bloße Vertröstung, das war richtiger Trost; denn ich wusste: es wird alles wieder gut; der Schmerz am Knie lässt nach und die Wunde wird heilen, den Schlitten wird Papa wieder zusammenbauen und für die nächste Klassenarbeit lernst du besser, und Mama wird dir dabei helfen.

Solchen Trost verspricht auch Gott. Das ist doch toll. Alles wird wieder gut. Ist das wirklich so? Kann ich mich auf die Worte der Jahreslosung verlassen? Weiterlesen