Gottes Angebot ist inklusiv! | In Zeiten von Corona #15

Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des Herrn bauen. (Sacharja 6,15) – Durch Jesus Christus werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Epheser 2,22) | Herrnhuter Tageslosung für den 31. März 2020

Wenn die Ressourcen knapp werden, für wen lohnt sich dann noch der Einsatz? In Zeiten des Mitgliederschwunds und der wegbrechenden Kirchensteuermittel ruft unsere Kirche eine „Zeit fürs Wesentliche“ aus. Nützlich auch, um Nachwuchs fürs Pfarramt anzuwerben, denn die Generation Y verlangt neben Leistung und Sinn auch nach Spaß und Selbstverwirklichung. Da macht es sich gut, den verlangten Arbeitsaufwand für Pfarrer*innen auf 41 Wochenstunden begrenzen zu können. Nahe liegt es dann, die Kräfte zuerst einmal für die zu verwenden, die dazugehören. 41 Wochenstunden Pfarrdienst sind schnell verbraucht für die pastoralen Basics zur Versorgung der Kerngemeinde – und die Frage unserer Tageslosung nach denen, die ferne sind, wird virulent. Weiterlesen

Gott sagt meiner Angst Bescheid | In Zeiten von Corona #13

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad. (Psalm 142,4) – Gelobt sei Gott, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller Bedrängnis (2. Korinther 1,3-4) | Herrnhuter Tageslosung für den 29. März 2020

Über die Angst weiß ich Bescheid, seit es mich gibt. Gezeugt von einem Mann, den sie mit 16 Jahren von der Schulbank weg in den Krieg geschickt hatten und herangereift im Leib einer Frau, die zahllose Bombennächte in Kellerlöchern verbracht hatte – hat sich die Angst in meine neuronalen Netze eingezeichnet, bevor ich geboren wurde.

Ich wuchs heran in dem Kokon der neurotischen Ängste meiner Mutter. Ich habe sie bei unzähligen Arztbesuchen begleitet, weil jedes kleinste Unwohlsein für sie die Gewissheit bedeutete, lebensbedrohlich erkrankt zu sein, und über den Teppich im Wohnzimmer durften wir nicht laufen, denn die Fransen mussten exakt ausgerichtet dort liegenbleiben, wo sie sie nach ihren Kämmaktionen positioniert hatte. Das endete erst, als mein Vater einen Teppichboden verlegte. Weiterlesen

Wenn wir Gott nicht verstehen | In Zeiten von Corona #8

Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken. (Psalm 145,17) – Darum lassen auch wir nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht. (Kolosser 1,9) | Herrnhuter Tageslosung für den 24. März 2020

Wir machen gerade lebensbedrohliche Erfahrungen mit der Abwesenheit Gottes. Oder wie anders kann man die Militärkonvois deuten, die die Leichen in Italien im Stundentakt abtransportieren müssen?

Nicht erst seit Corona machen Menschen solche Erfahrungen. Die Bilder von den Grauen des Weltkrieges sind uns präsent: Leichenberge in KZs, Massengräber gefallener Soldaten, zerbombte Städte, entkräftete, am Straßenrand zurückgelassene Menschen auf der Flucht. Wie anders kann man sich solche Bilder erklären, als dass Gott sich abgewendet hat, nicht teilnimmt am Schicksal der Menschen? Was soll ich also anfangen mit dieser Tageslosung? Wie infam ist diese Behauptung – „Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen“ – angesichts dieser Bilder? Weiterlesen

Das Leben besiegt den Tod | In Zeiten von Corona #6

Es ist ein Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart. (Daniel 2,28) – In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. (Kolosser 2,3) | Herrnhuter Tageslosung für den 22. März 2020

Der Spruch aus dem Kolosserbrief in der heutigen Tageslosung ist der Taufspruch meiner älteren Tochter. Ihr Vater und ich haben ihn aus der überbordenden Freude über die Geburt dieses Kindes und aus der tiefen Überzeugung heraus gewählt, dass Gott hier seine Weisheit überaus einleuchtend gezeigt hat. Dieser Schatz, den wir in den Händen hielten – er machte unmissverständlich deutlich, wie gut Gott alles macht. Nach einer Fehlgeburt, nach einer Ehekrise, nach einem komplizierten Anfang der Schwangerschaft – war es nun endlich gut: unsere Tochter war da. Wir waren Eltern und blieben noch für Jahre ein Paar. Das Geheimnis seiner Güte und Fürsorge, in das Gott uns hier hat Einblick nehmen lassen, haben wir gern und dankbar entdeckt.

Welches sinnvolle – oder nur erträgliche – Geheimnis verbirgt sich aber hinter der Corona-Krise? Welche Weisheit liegt in einer Unzahl sterbender Menschen? Welch unmenschlich grausamer Gott lässt sich hier in die Karten gucken? Weiterlesen

Guter großer Übervater | In Zeiten von Corona #1

Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen. (Psalm 19,12) – Übe dich darin, den Willen Gottes zu tun. (1. Timotheus 4,7) | Herrnhuter Tageslosung für den 17. März 2020

Am Tag 1 meiner Reihe geistlicher Impulse „in Zeiten von Corona“ möchte ich als erstes sagen, was ich nicht glaube: Ich glaube nicht, dass die Corona-Epidemie ein Strafgericht Gottes ist.

Gestern gab es eine Umfrage einer christlichen Zeitung, die diese Frage per Mail an mich stellte – und mir als Dank für Beteiligung ein Abonnement anbot, das selbstverständlich nach den Probeexemplaren weiterlaufen würde, wenn ich nicht fristgerecht kündigen würde. Aber auch meine Apothekerin – eine moderne, kluge Frau – stellte mir dieselbe Frage. Ich weiß nicht, ob sie es ernst oder ironisch meinte – jedenfalls kommen solche Gedanken jetzt im Alltag „mit Corona“ auf. Weiterlesen

Der Mensch denkt und Gott lenkt

„Naaa… was möchtest du denn mal werden?“ fragt die ältere Dame und tätschelt dem kleinen Jungen die Wange. „Lokomotivführer!“ strahlt er. So war das damals zu Zeiten von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer. Anno 1960.

Ja, damals musste man sich bei der Berufswahl auch oft noch nach den Wünschen der Eltern richten. Heute ist der Traumberuf des Lokomotivführers mit einer viel umfangreicheren Ausbildung verbunden. Heute – im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung – ist die Welt viel kleiner geworden und die Auswahl der Berufe viel größer und komplexer. Weiterlesen

Zweige am Baum des Lebens

Holz auf Jesu Schultern, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten und lass uns auferstehn. (Evangelisches Gesangbuch Nr. 97, Strophe 1. Text: Jürgen Henkys nach dem niederländischen Met de boom des levens von Willem Bernard)

„Holz auf Jesu Schultern“ gehört zu den Passionsliedern, denen ich viel abgewinne und die ich zudem gerne singe. Wie im bekannteren Lied „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt“ (EG 98) wird auch hier schon auf Ostern angespielt, ohne die Bedeutung des Leidens Jesu für uns zurückzudrängen. Karfreitag und Ostern, Tod und Auferstehung gehören untrennbar zusammen. Ohne Ostern fehlt dem Tod Jesu Wesentliches und ohne den Tod Jesu macht Ostern wenig Sinn.

Jesus von Nazareth wurde zu Unrecht hingerichtet. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er die herrschenden Schichten offen und zielgenau kritisierte. Er bohrte in der Wunde des Widerspruchs von Anspruch und Wirklichkeit und überführte so die Intellektuellen und Führenden seines Volkes der Bigotterie und Heuchelei. Es tut weh, überführt zu werden. Und viele Menschen reagieren, wenn sie überführt werden, mit Wut auf den, der ihre Blöße offengelegt hat. Dann fragt man sich: Wie kann er mich nur so das Gesicht verlieren lassen? Weiterlesen

Ein elementares Bedürfnis

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Die Jahreslosung 2018 spricht ein sehr elementares Bedürfnis an. Ein Bedürfnis aber auch, dessen Erfüllung für die allermeisten unter uns restlos selbstverständlich ist. So selbstverständlich, dass es uns als Bedürfnis vielleicht gar nicht mehr bewusst ist.

In vielen Gebieten dieser Welt ist das anders. Auch im Land der Bibel. Vor vielen Jahren bin ich im Wadi Qelt gewandert, das ist die Gegend, in der die Geschichte vom barmherzigen Samariter spielt. Unterwegs in glühender Hitze, in der Wüste Juda zwischen Jerusalem und Jericho, wird Wasser wertvoll. Und tief unten im Tal entdecke ich ein grünes Band. Dort ist Wasser. Fließendes, lebendiges Wasser. Wem vor Durst die Zunge am Gaumen klebt, der kennt kaum etwas Wertvolleres als einen kleinen Schluck frischen Wassers. Frischen Wassers, wohlgemerkt. Nicht abgestandenes, trübes, verunreinigtes oder auch nur gechlortes.

Wasser ist – neben dem täglichen Brot – das Lebensmittel schlechthin. Gerade deshalb taugt es so gut als Symbol. Wir dürsten ja nicht nur nach Wasser, sondern oft genug auch nach Anerkennung, nach Liebe, nach Geduld, nach Ruhe, nach Sinn, nach Leben. Weiterlesen