Sentimentale Weihnachts-Erinnerung

Alle Jahre wieder… kommt die Erinnerung – und mir laufen die Tränen. Ich glaube, es wäre sehr schlimm, passierte es irgendwann vielleicht nicht mehr. Unabsichtlich, ungerufen – aber zuverlässig und treu – gehört sie zu meinem Weihnachtsfest: die sentimentale Erinnerung an jenes Krippenspiel im Jahr 1969, die sich mir für immer und ewig sozusagen ins Herz gebrannt hat.

Ich muss vorab dazu sagen: meine Mutter und ich hatten kein ungetrübtes Verhältnis zueinander. Im Gegenteil: oft ging es konflikthaft zu zwischen uns, verclincht: viel zu eng für mich, viel zu distanziert für meine Mutter. Jahrelang habe ich gekämpft, um mich frei zu strampeln von der Liebe einer Übermutter – jahrelang hat meine Mutter gelitten unter der Härte der Befreiungsschläge ihrer einzigen Tochter. Weiterlesen

Erwin fehlt! oder: Plädoyer für die Volkskirche

Erwin kam sonst immer zum Kirchencafé, das unsere Gemeinde sonntags anbietet. Oder zum Seniorenfest. Und zum Gottesdienst. Seit seine Frau verstarb, ist die Gemeinde Erwins neue Heimat geworden – Ort für Trost, Ablenkung, Kontakte, Unterstützung.

Selbstgebackenen Kuchen im Kirchencafé isst er mit Leidenschaft. Es durften auch schon mal ein paar mehr Stückchen sein, als seine Diabetes eigentlich erlaubt.

Die Kerze für seine Frau steckt er in jedem Gottesdienst an, dabei hat er Tränen in den Augen. Anschließend geht es ihm besser. Dann erzählt er vom letzten Arztbesuch und vom Neffen, der wenig Zeit hat. Weiterlesen

Wenn die Liebe zerbricht

„Was sind schon die vielen kleinen Landabenteuer der Liebe gegen die große Schifffahrt der Ehe?“, so fragte einst der Philosoph Ernst Bloch. Aus diesen Worten spricht die Erfahrung einer Liebe, die Bestand hat – wie ein Schiff, das die Stürme des Lebens nicht nur übersteht, sondern vielleicht sogar gestärkt daraus hervor geht – eine Liebe, die nicht nur bleibt, sondern sich vertiefen und wachsen kann. Ich bin mir sicher, dass die allermeisten Hochzeitspaare sich genau dies wünschen, wenn sie beschließen, eine Ehe einzugehen: eine Liebe, die bleibt und die ein tragfähiges Fundament bildet für viele Jahre und für eine eventuell wachsende Familie. Weiterlesen

Hausbesuch

Sie geht mir nach: Die Begegnung mit einem alten Mann, gestern Nachmittag.

Ein ganz normaler Hausbesuch – bei netten älteren Herrschaften, feinen gebildeten Leuten, die immer zur Kirche kamen, als sie es noch konnten. Der Mann ist fast neunzig Jahre alt – manches hat nachgelassen; wie das Leben so verläuft. Kein Wunder, keine Überraschung. Darauf bin ich gefasst, wenn ich Seniorinnen oder Senioren besuche. Milde gestimmt, bereit allerlei Wunderlichkeiten zu tolerieren, mir fremden Einschätzungen von Wirklichkeit nicht zu widersprechen. Weiterlesen

Mein Seelsorgetag

Gestern war mein Seelsorgetag: Vier seelsorgliche Gespräche habe ich im Laufe des Tages geführt, alle aus ganz unterschiedlichen Gründen. Und dabei wieder einmal gemerkt: Seelsorge ist wirklich die Muttersprache der Kirche. So wird sie verstanden: die Botschaft, die Grund meines Glaubens ist, so bekommt sie eine Bedeutung, im wahrsten Sinne des Wortes.

Meine Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner waren diesmal Menschen, die unserem Gemeindeleben eher ferner stehen. Und doch haben sie sich getraut, von mir, einer Pfarrerin der Evangelischen Kirche, Hilfe zu erhoffen in ihren derzeitigen Krisen. Das ist großartig! Ich glaube, sie sind gestärkt und ermutigt nach unseren Gesprächen wieder gegangen.

Es war ein guter Tag.

Anke Augustin