Erinnern, heilen, Christus bezeugen

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Am 18. Februar 1546 ist Martin Luther in Eisleben gestorben, in seiner Geburtsstadt. Es war kalter Winter und der keineswegs immer gesunde, 63jährige Reformator hatte sich nicht davon abbringen lassen, in das Land der Mansfelder Grafen zu fahren – per Reisewagen natürlich –, um Streit zwischen den Parteien zu schlichten. Sie mussten die eisige Saale überqueren und es pfiff der Wind aus allen Wetterecken.

Seine geliebte Frau Käthe machte sich gewaltige Sorgen, wie wir uns vorstellen können. Trotz seines schlechten Zustands predigte er unterwegs in Halle und in Eisleben mehrfach. Aber seinen goldenen Humor behielt er, obwohl er sich immer elender fühlte. An seine besorgte Katharina schrieb er Briefe voll fröhlichen Gottvertrauens: „Laß mich zufrieden mit Deiner Sorge. Ich habe einen besseren Sorger, denn Du und alle Engel sind. Der liegt in der Krippe, und sitzet gleichwohl zur rechten Hand Gottes, des allmächtigen Vaters. Darum sei in Frieden.“ Weiterlesen

Vergnügt, erlöst, befreit

Nun sind wir angekommen im Jahr 2017. Schon seit Jahren wird in kirchlichen Kreisen von diesem Jubiläumsjahr gesprochen. Denn 2017 ist es 500 Jahre her, dass Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass veröffentlichte. Das Jahr 2017 feiern wir als das Jahr des Reformationsgedenkens „500 Jahre Reformation“. Das Motto der Evangelischen Kirche im Rheinland für die Feierlichkeiten in den kommenden zwölf Monaten heißt in Anlehnung an einen Psalm des niederrheinischen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“. Weiterlesen

Großes Kino

Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. (2. Korinther 4,6+7)

Das ist ganz großes Kino, das uns Paulus hier vor Augen malt! Erste Einstellung: Wir sehen auf die übergroße Leinwand und sehen: nichts. Finsternis, tiefschwarze Nacht, und dann die Stimme: Es werde Licht! Und langsam weicht die Finsternis. Am Horizont ein Schimmer, erst nur ein grauer Streifen, orange, gelb, die Sonne geht auf – majestätisch, kraftvoll, wir müssen schon die Augen abwenden, so gleißend ist das Licht; und die Finsternis weicht. Ein neuer Morgen bricht an. Wie am ersten Schöpfungstag – durch Gottes machtvolles Wort wird das Licht. Schnitt. Weiterlesen

…dass das Leben siegt: Mein 80. Geburtstag im Heiligen Land

Vom 17. bis 26. Januar haben wir, das waren 22 Reisefreundinnen und –freunde, eine Studienreise ins Heilige Land und nach Jerusalem, die Stadt Gottes, unternommen – und, Gott sei Dank, auch erfolgreich abgeschlossen. Wir wohnten sehr gut im Lutherischen Gästehaus in der Altstadt Jerusalems, mit Blick auf die wunderbare Evangelische Erlöserkirche und die alte Grabes-Auferstehungskirche. Wir haben sechs Stürze ohne Bein-„Bruch“ (= Segen – baruch) überstanden, im winterlichen Regen. Wir haben schöne kalte Tage erlebt, einen sehr warmen Tag in Jericho, dann wieder Tage mit fiesem Schneematsch in Bethlehem und Beit Jala. Mit der uns, meiner Frau Karin und mir, gut vertrauten, liberalen, liebenswürdigen und sehr qualifizierten israelischen Führerin Ruth Eisenstein haben wir Jerusalem, die Stadt Gottes, erkundet.

Was soll ich, mit dem Apostel Paulus, also dazu sagen? Wo anfangen? Unser „Wegweiser“ ist unser lieber Herr Jesus Christus, dem wir vorher und in der jetzt beginnenden Passionszeit nachfolgen wollen im „Frieden des Herrn“. Weiterlesen

Der Trost Gottes ist die Erfahrung seiner Nähe | Andächtiges zur Jahreslosung #5

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Bei den Worten „trösten wie einen seine Mutter tröstet“ fallen mir sofort Szenen aus meiner Kindheit ein. Ich bin in einem kleinen Dorf groß geworden mit vielen Wiesen, Feldern, Obstbäumen, Bauernhöfen. Einer meiner Freunde kam von einem Bauerhof. Wir beiden waren immer gerne draußen und unternahmen viel zusammen, kletterten auf Bäume, ließen uns an Ästen kopfüber runter hängen, fuhren Roller um die Wette, tobten im Stroh und halfen bei der Ernte. Dabei kam es natürlich vor, dass ich mit dem Roller stürzte, im Zaun hängen blieb, ungünstig fiel und mir aufgeschlagene Knie, Schürfwunden, Schnittwunden, Verstauchungen zuzog. Was dann folgte, lief immer in ähnlicher Weise ab. Weiterlesen

Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. (Lukas 19,7)

Ich spiele weder Fußball noch Geige. Vor zwei Berufsgruppen aber habe ich eine große Hochachtung: vor Fußballtrainern und vor Dirigenten bzw. Chorleitern, sowohl männlichen wie auch weiblichen. Solche Leute bewundere ich: Ich glaube, dass es zu ihrem Beruf gehört, in Menschen ihre Begabungen zu erkennen und deren Entfaltung hervorzulocken. Talententdecker sehen, was dem vordergründigen Blick verborgen bleibt.

Als Jesus den reichen, aber unbeliebten Oberzöllner Zachäus auf einem Baum hocken sieht, da sieht er nicht nur den kleingewachsenen Mann, der sich angesichts der Menschenmenge nicht anders zu helfen weiß. Jesus ruft ihn herunter vom Baum: Ich muss heute in dein Haus einkehren! Er sieht nicht nur den Raffgierigen. Er sieht Zachäus, und in ihm dessen Sehnsucht nach einem stimmigen Leben. Weiterlesen