Ostergeschichte(n)

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Johannes 20,21)

Plötzlich ist alles anders. Jetzt gibt es ein „Davor“ und ein „Danach“. Jetzt ist „Danach“.
Maria ist am Grab gewesen. Das Grab ist leer. Keine Erinnerung mehr greifbar an das, was einmal gewesen ist. Dann ist Jesus Maria begegnet, aber er ist da und doch nicht da. Unnahbar. Es ist anders als früher. Nichts ist mehr „beim Alten“. Abends treffen sich die Menschen, die Jesus ganz nah gewesen waren, hinter verschlossener Tür. Plötzlich ist Jesus wieder bei ihnen. Diesmal hören sie ganz deutlich einen Gruß und einen Auftrag. Jesus Christus spricht: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden erlasst, dem sind sie erlassen; wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten.“

Was für eine Macht, was für eine Verantwortung, die Jesus da seinen Freunden überträgt! Und was für eine Aufgabe! Es geht ums Ganze: um Gerechtigkeit vor Gott. Der Auftrag trifft sie mitten ins Mark. Die Ereignisse der vergangenen Tage sitzen ihnen noch in den Knochen: Die Jünger haben das Unrecht, das Jesus angetan worden ist, hautnah mitbekommen. Jetzt haben sie es selber mit der Angst zu tun. Dieses Unrecht erschüttert sie zutiefst. In ihre Angst hinein hören sie: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Johannes 20,21). Weiterlesen

Auferstehung heißt Tag für Tag ein Stück Himmel auf Erden

In diesen Tagen vor Ostern bekomme ich neben freudigen Mitteilungen auch einige traurige Nachrichten. Das Thema „Krankheit“ ist bei Freunden und in vielen Familien präsent. Deshalb treffen mich die Zeilen aus einem Gedicht, dass Andreas Geister nach Gedanken von Dorothee Sölle verfasste, ganz besonders:

„Lachen werde ich gegen ihn (den Tod) und singen, so dass es die anderen ansteckt, und Geschichten erzählen, wie man ihn überlistet, und allen erzählen, wie die Osterfrauen seine Niederlage aufdeckten. Zusammen mit euch, meine Freunde, werde ich ihm Tag um Tag Land abgewinnen.

Diese Worte bewegen mich; weil sie, indem sie den Tod nicht ausblenden, so nah an meiner Realität ist. Weil sie deutlich machen, dass es unsere Aufgabe ist, von der Auferstehung im Alltag zu sprechen. Auch wenn die äußeren Umstände, die von Schmerz und Trauer geprägt sind, sich anders anfühlen. Ostern ist kein Satz aus einem theologischen Lehrbuch. Weiterlesen

Jesus und Sokrates

Die vergleichende Frage nach Jesus und Sokrates ist für manchen von uns eine sehr neue, aber sie ist bald 2.000 Jahre alt. Die Verteidiger des Christentums im 2./3. Jahrhundert stellten sie schon. Im 20. Jahrhundert fragt Dietrich Bonhoeffer in seinen berühmten Texten, die in „Widerstand und Vergebung“ von seinem Freund Eberhard Bethge gesammelt worden sind, nach Ostern. Er sagt:

„Unser Blick fällt mehr auf das Sterben als auf den Tod. Wie wir mit dem Sterben fertig werden, ist uns wichtiger als wie wir den Tod besiegen. Sokrates überwand das Sterben, Christus überwand den Tod. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod (vgl. 1. Korinther 15,26). Mit dem Sterben fertig werden, bedeutet noch nicht mit dem Tod fertig werden. Die Überwindung des Sterbens ist im Bereich menschlicher Möglichkeiten, die Überwindung des Todes heißt Auferstehung“ (vgl. Dietrich Bonhoeffer: Werke Bd. 8, 368f).

Wir werden in diesem Text einen großen, weiten Bogen schlagen durch die Jahrtausende. Von dem Fragen des Sokrates im 5. Jahrhundert v. Chr. nach der Tugend (areté) zu Jesu Christi Bergpredigt – Ethik der Feindesliebe (agápe) bis hin zur Ethik Dietrich Bonhoeffers und Hans Küngs im 20. Jahrhundert. Weiterlesen

Der verwundbare Gott

Unverwundbar sein – keine Schwäche zeigen. Es ist diese Haltung, die gegenwärtig Regierende wie Putin, Erdogan und Trump demonstrieren. Eine Konzentration auf vermeintliche Stärke und Macht, auf Verteidigung, Mauern und Grenzen. Nur ja keine Schwäche zeigen, keine Unsicherheit zugeben.

Diese Haltung der vermeintlichen Unverwundbarkeit ist es, die mich in diesem Jahr im Zugehen auf das Osterfest beschäftigt. Ein Fest, das darin seine lebensspendende Kraft findet, dass es die Verletzlichkeit, das Leiden, die wunden Punkte im Leben, nicht ausblendet. Weiterlesen

Eine Botschaft, die alles verändert

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lukas 24,5-6)

In Jerusalem gibt es gleich zwei Orte, an denen das Grab Jesu – und damit der Ort der Auferstehung! – verehrt wird. Der historisch vermutlich richtige befindet sich in der „Grabeskirche“. Aber hier die Begegnung mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen zu finden, fällt mir schwer. Das Gedränge der vielen Menschen und ihr Lärm stören mich. Weiterlesen

Jesus lebt – Ohnmacht und Vollmacht

Karfreitag. Jesus stirbt. Unschuldig. Für mich. Für uns.
Ostern. Jesus ist auferstanden. Für mich. Für uns.
HALLELUJA!

Nachdem ich das kapiert hatte, nach langen Umwegen, Suchen, Ratlosigkeit, Aufgeben wollen, und schließlich, dank liebevoller Hilfestellung meiner Herzensfreundin, war ich am Ziel meiner Suche angekommen.

Meinen Weg zu Jesus hatte ich gefunden – und auch eine neue Gemeinde. Die Verbindung stand. Soviel war mir klar. Jetzt fehlte mir die Verbindung zu Menschen, und zwar unbedingt auch zu Menschen außerhalb des Gemeindelebens. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was Gott wohl mit mir vorhatte…

Dann ein Aufruf in der Zeitung – Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin. Weiterlesen

Österlicher Klimawandel

Ostern ist das älteste Fest und eigentlich auch das wichtigste für die Christenheit. Ostern ist jedoch längst nicht so populär wie Weihnachten. Weihnachten kann sich jeder vorstellen, in der Bibel wird die Geburt im Stall zu Bethlehem anrührend und ausführlich ausgestaltet. Die Auferstehung Jesu dagegen können wir uns nur schwer vorstellen. Mit Blick auf Ostern lässt uns die Bibel viel Deutungsfreiheit, die Evangelien schreiben wenig über die Auferstehung des toten gekreuzigten Jesus.

Auch von Jesus selbst wird das Ostereignis nicht beschrieben, nur angekündigt. Das jedoch, was erlebt und erfahren wurde in der Begegnung mit Jesus, wurde über Jahrhunderte weitererzählt – jeweils in der Sprache und den Bildern der Zeit. Weiterlesen

Großes Kino

Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. (2. Korinther 4,6+7)

Das ist ganz großes Kino, das uns Paulus hier vor Augen malt! Erste Einstellung: Wir sehen auf die übergroße Leinwand und sehen: nichts. Finsternis, tiefschwarze Nacht, und dann die Stimme: Es werde Licht! Und langsam weicht die Finsternis. Am Horizont ein Schimmer, erst nur ein grauer Streifen, orange, gelb, die Sonne geht auf – majestätisch, kraftvoll, wir müssen schon die Augen abwenden, so gleißend ist das Licht; und die Finsternis weicht. Ein neuer Morgen bricht an. Wie am ersten Schöpfungstag – durch Gottes machtvolles Wort wird das Licht. Schnitt. Weiterlesen

Ich bleibe bei euch

Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! (Johannes 15,9)

Liebe Leserin, lieber Leser!

Abschied nehmen tut weh.
Was möchten Sie hören von einem, der weggeht?
Im Monatsspruch für den März lesen wir Abschiedsworte Jesu an seine Begleiterinnen und Begleiter.
Bislang waren sie mit ihm unterwegs.
Er hat ihnen gesagt, was sie tun sollen.
Er hat ihnen gezeigt, wie er handelt:
Er wäscht ihnen die Füße, er teilt Brot und Wein aus.
Er sorgt für sie.
Und nun weiß er, die gemeinsame Zeit hat ein Ende.
Sie werden allein dastehen.
Werden sie wissen, was zu tun ist? Weiterlesen

Bleibt in meiner Liebe!

Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! (Johannes 15,9)

Die Liebe gehört zu den großen Rätseln des menschlichen Lebens. Solange es Menschen gibt, wird über die Liebe nachgedacht. Solange es Menschen gibt, hat die Liebe Freud und Leid in die Welt gebracht. Wo die Liebe zum Zuge kommt, gibt es Freude und Frieden. Wo sie aber vermisst wird, gewinnt Traurigkeit die Oberhand. Gerade heute fragen sich viele: Leben wir in einer lieblosen Welt? In der Arbeitswelt scheint sie gleich gar keine Rolle zu spielen. Allenfalls in der Familie, der Partnerschaft kann man noch dergleichen erwarten.

Im Neuen Testament kommt das Wort „Liebe“ unzählige Male vor. Bei dem, was Jesus zu sagen hatte, spielt die Liebe eine entscheidende Rolle. Weiterlesen